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29. Oktober 2016

Kunstbetrieb in schwierigem Umfeld

Der Verein Kunstpalais bereichert seit nunmehr zehn Jahren das kulturelle Leben in Badenweiler / Geburtstagsfest am 12. November.

  1. Drei der vier Vorstandsmitglieder des Kunstpalais Badenweiler (von links): Wolfgang Dreyer-Erben, Andrea Gawaz und Rolf Eder Foto: Silke Hartenstein

BADENWEILER. Mit Kunstausstellungen und Matineen im Großherzoglichen Palais bereichert der Verein Kunstpalais seit zehn Jahren das kulturelle Leben in Badenweiler. Zum Geburtstagsfest am Samstag, 12. November, gibt es Jazz mit Neele & The Sound Voyage sowie eine Benefizauktion mit Werken von 20 Künstlern, die seit 2006 in der Galerie ausgestellt haben. Um 16 Uhr beginnen die Feierlichkeiten mit einer Ausstellung der zu versteigernden Kunstwerke. Der Erlös daraus soll dem gemeinnützigen Verein zugute kommen.

Seit 2006 organisierte das Kunstpalais in der ersten Etage des großherzoglichen Palais 45 Ausstellungen mit Künstlern wie Hermann Hesse, Jürgen Brodwolf, Christoph Meckel, Franz Gutmann, Peter Gaymann sowie regionalen Newcomern. 400-mal lud der Verein zu Sonntagsmatineen und Soireen auf der Bühne des früheren Jagdsaals im Erdgeschoss ein, mit Genres von Klassik, Tango, Weltmusik und Jazz bis zu Avantgarde und Kabarett. Einige Jahre lang gab es zudem die Sommerakademie für orientalische Musik, veranstaltet von Matthias Wagner.

Neben dem Engagement der 43 Aktiven im 140 Mitglieder starken Verein ist es die finanzielle Förderung und Unterstützung von vielen Seiten, die das ehrenamtlich geleistete Kulturangebot ermöglicht. Einnahmen kommen herein durch Mitgliedsbeiträge, Kunstverkäufe, Eintrittsgelder und Bewirtung der Bühnenveranstaltungen, Spenden, Sponsoring und Förderung des Landes. Die Gemeinde und die Badenweiler Thermen und Touristik GmbH (BTT) fördern das Kunstpalais durch subventionierte Miete, Übernahme von Verwaltungs- und Unterhaltungskosten sowie Zuschüsse.

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Zum zehnjährigen Bestehen gibt es von der Gemeinde zudem 3000 Euro Zuschuss, und die BTT übernimmt für 2016 die rund 2500 Euro Strom- und Reinigungskosten. Die Vorstandsmitglieder Andrea Gawaz, Rolf Eder und Wolfgang Dreyer-Erben sind darüber sehr froh. "Wir haben von Gemeinde und BTT eine große Wertschätzung erfahren", sagt Gawaz.

Die rund 6000 Euro Defizit, mit denen das Kunstpalais für 2016 gerechnet habe, seien hierdurch aufgefangen, sagt Dreyer-Erben, zuständig für Finanzen und Galeriegruppe: "Das Jahr 2016 steht jetzt auf sicheren Füßen." Wie im Gespräch mit dem Vorstandsteam deutlich wurde, wird der Verein in Zukunft mehr finanzielle Unterstützung benötigen. Damit ist er vermutlich nicht der einzige Kulturverein im ländlichen Raum: Die Förderung von Kunst und Kultur auch fernab der Ballungsräume ist Bestandteil der kulturpolitischen Leitlinien des Landesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst.

Mehrere Faktoren sorgten für das Defizit dieses Jahres. So ist der Verkauf ausgestellter Kunstwerke rückläufig. "Das ist er in vielen Galerien", stellt Dreyer-Erben fest. Dazu steigen die Stromkosten. Sponsoren aus der Finanzwelt spüren die negativen Auswirkungen der Niedrigzinspolitik, und es fehlen die Einnahmen aus der Untervermietung des seit Ende 2014 nicht mehr betriebenen Cafés im Erdgeschoss.

Laut Eder ist mit einer Café-Neueröffnung in naher Zukunft nicht zu rechnen. Trotz etlicher Interessenten sei eine Neuverpachtung daran gescheitert, dass erst nach erfolgtem Umbau des Palais wieder langfristige Pachtverträge über fünf Jahre in Aussicht stünden. Zudem falle im Zuge des Palais-Umbaus die Künstlergarderobe im Erdgeschoss weg und werde verlegt in das Küchenlager des Cafés.

Die BTT wird in die bislang ungenutzten oberen Etagen des großherzoglichen Palais einziehen. Die Umbauarbeiten sollten im Frühjahr 2017 beginnen, so Bürgermeister Karl-Eugen Engler auf Anfrage der BZ. Von den Arbeiten bleibt auch die erste Etage mit den Galerieräumen nicht unberührt. Laut Dreyer-Erben sollen dort für die BTT ein auch für Ausstellungen nutzbarer Konferenzraum und eine Teeküche eingerichtet werden. Der Umbau bringe Vorteile, etwa den künftigen Lift, der einen barrierefreien Zugang zu den Ausstellungen ermögliche. Andererseits erschwere die Unsicherheit wegen des genauen Beginns und der Dauer der Arbeiten derzeit die Planung von Veranstaltungen. Dennoch, so Dreyer-Erben: "Den Kunstbetrieb 2017 wollen wir fortführen wie immer." Geplant sind fünf Ausstellungen und zwei Matineen im Monat.

Benefizauktion

Am 12. November werden Werke folgender Künstler versteigert: Ellen Baumbusch, Ralf Böhme, Eberhard Brügel, Peter Butschkow, Margot Degand, Manfred Dolde, Nathan Egel, Carola Faller-Barris, Peter Gaymann, Franz Gutmann, Michaela Höhlein-Dolde, Roland Hölderle, Christoph Meckel, Rudolf Müller, Barbara Müller-Wiesinger, Papan, Ludger Schäfer, Dorothea Schappacher, Brigitte Schulte und Matthias Schwoerer.  

Autor: sil

Autor: Silke Hartenstein