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28. April 2015 17:57 Uhr

Cartoon-Ausstellung

Weinfläschchen und Farbverdünner

"Köstliches aus Küche und Keller" zaubern acht Zeichner in der neuen Ausstellung "Cartoons à la Carte" im Großherzoglichen Palais in Badenweiler. Dass sich hier eine kleine aber feine Auswahl hochkarätiger Spaßvögel mit dem Zeichenstift ein mutwillig-komisches Stelldichein gibt, ist Kurator Wolfgang Baaske aus Müllheim zu verdanken, der als Cartoon-Agent zu allen acht freundschaftliche Beziehungen hat.

  1. Kurator Wolfgang Baaske mit den beiden Cartoonisten Matthias Schwoerer und papan (von links) im Großherzoglichen Palais in Badenweiler. Foto: Dorothee Philipp

Zur Vernissage waren zwei sogar in persona gekommen: papan aus München und Matthias Schwoerer aus Oberweiler. Mit von der Partie ist auch Klaus Puth, der "Gänse"-Künstler, der das Yoga für Kühe erfunden hat und vor einem Jahr eine Einzelausstellung im Palais hatte. Aus der Schweiz kommen "Pfuschi" und der meist auf bitterböse gebürstete Max Spring, der "Hühnerflüsterer" Peter Gaymann ist dabei, Ralf "Rabe" Böhme aus Plauen und Peter Butschkow aus Hamburg.

Das Thema ist dankbar, das beweist schon die Flut der Witze, die mit "Herr Ober..." anfängt. Im Palais begegnen wir Kellnern aller Couleur, sogar ein Frosch ist dabei, der dafür sorgt, dass niemals mehr eine Fliege im Essen landet. Und einer, der den Gast anbrüllt, er solle gefälligst aufstehen, wenn er mit ihm redet. Der arme Kerl hat ein gelocktes Haar in der Hand, das er im Essen gefunden hat.

Apropos Essen: Dem Tramper, der mit einem Schild mit dieser Aufschrift an der Autobahnausfahrt steht, fliegen Würste und Schinken samt Essbesteck und Teller aus einem Autofenster vor die Füße. Und was kann wohl mit einer Kürbissuppe "mit ganzen Früchten" gemeint sein? Klaus Puth hat’s gezeichnet. Er hat auch unbekannte Nudelsorten entdeckt und gezeichnet: die "Bigotti" in Kreuzform oder kleine Pistolen aus Nudelteig, die "Corleoni" und andere nette Sachen.

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Die Cartoonisten entlarven mit ihren Bildern auch die absurde Komik mancher Redewendungen, etwa wenn "Rabe" seinen Kellner den kanadischen Rauchlachs mit einer qualmenden Kippe im Maul servieren lässt oder papan zwei grün gewandete Jägersleute auf "Schnitzeljagd" schickt. Auch papans "Ziegenkäse direkt vom Erzeuger" ist eine Attacke auf die Lachmuskeln. Die Cartoons versprühen aber nicht nur blitzenden Humor, sie sind auch lauter kleine Kunstwerke.

Die verschiedenen Zeichen- und Malstile der Künstler sind hier ebenfalls ein lohnendes Studienobjekt. Neben den 78 Zeichnungen trifft man auch ein Tellerset an, das Tomi Ungerer gestaltet hat und ein Tableau mit zwölf Mini-Cartoons nostalgischer Werbung für einen Cognac: "...darauf einen".

Wie sitzt man als Cartoonist an der Tafel? Gleich am Eingang steht im Foyer ein gedecktes Tischchen. Neben dem Teller liegen außer Messer, Löffel und Gabel auch ein Kochlöffel, Feder und Pinsel, neben der Weinflasche steht ein Fläschchen Farbverdünner. Und im Teller ist zu lesen, wie das Essen sein sollte: Gans heiß. Das ist von Puth, dem Gänseflüsterer. Die Speisekarte hat papan gemalt.

Cartoons à la Carte – Köstliches aus Küche und Keller, zubereitet von 8 Cartoonisten", Ausstellung im Kunstpalais Badenweiler am Schlossplatz, bis 7. Juni; Öffnungszeiten: Donnerstag bis Samstag 14 bis 17, Sonntag 11 bis 17 Uhr

Autor: Dorothee Philipp