Basler Kläranlage muss aufrüsten

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Di, 08. Oktober 2013

Basel

Niederschläge treiben Abwassermenge nach oben / Mehr als 1500 Amphibien aus Anlage gerettet.

BASEL (alb). Die gereinigten Abwässer, die die von Pro-Rheno betriebene Basler Abwasserreinigungsanlage (ARA) 2012 in den Rhein eingeleitet hat, waren überwiegend von guter Qualität. Das geht aus dem vergangene Woche vorgelegten Jahresbericht des Unternehmens hervor. Gleichwohl hat die Kläranlage Handlungsbedarf, und zwar vor allem, weil Basel eine der wenigen Großkläranlagen am Rhein ist, die noch keine Reinigungsstufe zur Stickstoffreduktion hat.

Die Industrie-Kläranlage (ARA Chemie), in der seit der Stilllegung der Industriekläranlage im benachbarten Hüningen Ende 2012 und auch die Abwässer der Novartis Werke in St. Johann und in Hüningen sowie der dortigen Werke der BASF und der TFL gereinigt werden, habe so gut wie keine Probleme mit Grenzwertüberschreitungen verzeichnet, teilt Pro-Rheno mit; lediglich bei einer ungünstigen Zusammensetzung des Abwassers habe es Ausnahmen gegeben. Die kantonale Kläranlage (ARA Basel) sei dagegen oft bis in die Nachklärbecken überlastet gewesen. Dort genüge vor allem die Stickstoffreduktion weder dem Stand der Technik noch den künftigen gesetzlichen Vorgaben. Die 1982 in Betrieb genommene kommunale Anlage wird in den nächsten zehn Jahren deshalb saniert, modernisiert und für bis zu 270 Millionen Franken erweitert. Die Kosten dafür tragen die Kantone Basel-Stadt und -Land nach dem Verursacherprinzip. Auf Basis der Wassermengen entfallen dabei rund 82 Prozent auf die Stadt. Beide Kantonsregierungen gaben bereits im August bekannt, dass sie Kredite für die Projektierung der Erweiterung beantragen.

Die Abwassermenge im kantonalen Teil war um elf Prozent höher als im Vorjahr (Info). Das sei vor allem auf die um 57 Prozent höheren Niederschläge 2012 zurückzuführen. Die Abwassermenge der Industrie-Kläranlage verringerte sich gegenüber 2011 dagegen leicht. Die Schmutzfracht mit totalem organischem Kohlenstoff (TOC) habe um zwölf Prozent abgenommen. Ursache dafür seien geringere Produktionsmengen und veränderte -programme. Bei der Abluftreinigung seien die Grenzwerte im Mittel eingehalten worden. Aus Kläranlagen der Region seien zudem 18 000 Tonnen entwässerter und 3400 flüssiger Klärschlamm verbrannt worden; diese hätten zusammen 4900 Tonnen Trockensubstanz enthalten und damit erneut rund neun Prozent weniger als 2011. Dieser Trend sei seit längerem zu beobachten, da die Schlammmenge generell abnehme.

Im Verbund mit den IWB wird die Überschusswärme der Schlammverbrennungsöfen ins Fernwärmenetz und die Stücki Powerbox eingespeist. Letztere wandelt die Wärme um in Kälte für das Einkaufszentrum und den Businesspark. 2012 wurden 30 Gigawattstunden Wärme geliefert; das entspricht dem Bedarf von 4000 Wohnungen. Der Beitrag zur CO2-Reduktion beträgt zirka 6000 Tonnen. Immer wieder schwemmt das Abwasser auch Amphibien in die ARA. Diese sammeln Mitarbeitende ein und setzen sie in den Langen Erlen aus. 2012 seien so mehr als 1500 Amphibien gerettet worden, darunter 730 Erd- und 20 Kreuzkröten, 405 Gras- und Wasserfrösche 360 Molche und vier Feuersalamander.