Dreiland

Das neue Basler Erlenmattquartier ist eine grüne Insel in der Stadt

Annette Mahro

Von Annette Mahro

Di, 24. Mai 2016

Basel

Mehr als die Hälfte der 1400 im Basler Quartier geplanten Wohnungen sind gebaut oder bezogen / 58 000 Quadratmeter Grünfläche.

BASEL. Grün ist Trumpf im neuen Basler Erlenmattquartier. Zwar hat sich seit der ersten Planung vieles verändert. "Schon 1996 beim ersten städtebaulichen Wettbewerb war aber klar, dass die Hälfte Grünflächen sein sollten", sagte der Leiter der Basler Stadtgärtnerei Emanuel Trueb beim jüngst gefeierten Abschluss der zweiten Bauetappe des Erlenmattparks. Rund Dreiviertel der Parkplanung sind damit umgesetzt und etwas mehr als die Hälfte der insgesamt geplanten 1400 Wohnungen sind fertiggestellt beziehungsweise bereits bezogen.

Trotz Wohnraum- und Flächenknappheit im Basler Stadtkanton haben die Verantwortlichen größten Wert gelegt auf ausreichende Freiflächen und sehr viel Grün. "Die Diskussion bezüglich Verdichtung ist heute etwas anders als noch vor 15 Jahren", erklärt der Basler Baudirektor Hans-Peter Wessels dazu auf Anfrage. Das Quartier weise aber insgesamt eine sehr dichte Bebauung auf. Die zusammenhängenden mehrstöckigen Wohnblöcke kommen auf vergleichsweise viele Bewohner pro Grundfläche. Das westlich des Badischen Bahnhofs und nördlich der Messe gelegene Erlenmattquartier ist derzeit das, so Wessels, "größte und prominenteste" Basler Areal in Entwicklung. Die Planung hat Jahrzehnte in Anspruch genommen, hatte die Deutsche Bahn als Vorbesitzer doch bereits 1981 die Basler Regierung darüber informiert, dass sie die Fläche des alten Güterbahnhofs wahrscheinlich nicht mehr brauche.

Waren aber in den ersten Plänen noch 700 Wohnungen vorgesehen und rund 2000 Arbeitsplätze, so haben sich die Zahlen jetzt beim Wohnraum verdoppelt, bei den Arbeitsplätzen dagegen halbiert. Für das zunächst noch im Osten direkt an der lärmintensiven Nordtangente geplante Gewerbeareal hatte sich kein Investor gefunden, bis die Basler Stiftung Habitat einsprang. Die gemeinnützige Stiftung von Roche-Erbin Beatrice Oeri hat sich zum Ziel gesetzt, in Basel bezahlbaren und lebenswerten Wohnraum nach ökologischen Grundsätzen zu schaffen. Zur Autobahn hin soll jetzt mit einem speziellen Baukonzept ein als Lärmriegel geplanter Wohnblock entstehen, der nach außen hin abschirmt und sich zum Quartier hin öffnet. Gleichzeitig sind auch kleinere Projekte geplant, so etwa ein Studentenwohnheim mit 96 Plätzen. Den kleinsten Block mit 20 Wohnungen plant eine private Baugenossenschaft.

Anders als bei der Bebauung ist beim ambitionierten Grünflächenkonzept alles unverändert geblieben. 58 000 Quadratmeter umfasst der weitgehend bereits angelegte Park, bei dem der Gedanke zentral war, Naturschutz und Nutzbarkeit für Erholungssuchende gleichzeitig möglich zu machen. Die alte Flora und Fauna des Bahnareals sollte weitestgehend erhalten bleiben oder wiederhergestellt werden, gab es doch auf dem zum Teil seit Jahren brachliegenden Gelände viele seltene Tier- und Pflanzenarten. Besonders schützenswerte Trockenwiesenbestände wurden während der Bauarbeiten deshalb abgetragen und zwischengelagert. Selbst einzelne Bahnschienen wurden in den Böden belassen, um möglichst dieselben Voraussetzungen zu gewährleisten wie bisher.

Heute sind alle nicht baumbestandenen Flächen Naturschutz- oder Naturschonzonen. Um gleichzeitig die Freiflächen als Freizeit- und Erholungsflächen für die Bevölkerung nutzbar zu machen, haben sich Emanuel Trueb und sein Team ein besonderes Pflegekonzept ausgedacht. So werden immer nur wechselnde Teile der zentralen großen Wiesenfläche gemäht, da Parknutzer, so der oberste Stadtgärtner, erfahrungsgemäß vorwiegend die gemähten Flächen für Spiel und Freizeit nutzten. Deshalb kann sich die Vegetation partiell immer wieder erholen, ohne dass Einzäunungen oder allzu viele Verbotsschilder notwendig werden. Schutzgedanke und Erholungsraum kommen sich auf diese Weise kaum ins Gehege.