Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

13. Februar 2009 19:18 Uhr

Der Trompeter Markus Stockhausen

Eine Musik, die kleine Wunder wirkt

Zwischen Komposition und Improvisation, zwischen den Sparten Klassik und Jazz ist der exzellente Kölner Trompeter Markus Stockhausen zu verorten. Jetzt konzertiert er in Basel.

  1. Glühender Klang: der Trompeter Markus Stockhausen Foto: Pro

Das Projekt war gigantisch. Zur Eröffnung des 31. Evangelischen Kirchentages in Köln gab es vor zwei Jahren ein "Abendglühen", das die 150 000 damals anwesenden Menschen so schnell nicht vergessen werden. Zum Tagesausklang spielten 1800 Blechbläser, eingeteilt in sechs Gruppen auf beiden Seiten des Rheins. Sie breiteten einen Klangteppich über dem Strom aus. Improvisationen einer Solo-Trompete schälten sich allmählich aus den Trompeten, Tuben und Posaunen heraus. Es waren der kristallene Ton und die komplexe Melodik Markus Stockhausens, der "Abendglühen" auch komponiert hatte.

Der Kölner Trompeter ist bekannt für seine, wie er es nennt, "intuitive Musik". Dass Musik eine heilende Kraft habe, hat Stockhausen stets betont: "Unsere Erfahrung zeigt, dass eine solche Musik tatsächlich eine Art Wiederbelebung bewirken kann, dass sie kleine Wunder an Freude, neu geschöpftem Mut, an Vertrauen in die eigene schöpferische Kraft geben kann. Letztendlich sind unsere Töne lebendiges Gebet in neuer Klangsprache". Das Opus "Abendglühen" ist inzwischen auf CD erschienen, freilich in einer abgespeckten Version. Sie wurde nachträglich im Studio mit 72 Bläsern eingespielt – dies mit einer Mischung aus innigem Pathos und glückseligem Harmonietaumel.

Werbung


Stockhausens Projekte gehören seit Jahren zu den interessantesten der europäischen Musikszene. Wenige Wochen nach dem Kirchentag trat er im Rahmen der Bonner Ausstellung "Ägyptens versunkene Schätze" auf. Er nahm den Titel auf und brachte versunkene Schätze seiner musikalischen Biografie mit einem improvisierenden Jazzquartett ans Licht.

"Ich habe immer wieder das Konzept verfolgt von Gruppen, die möglichst auch ganz frei improvisieren können", sagt Stockhausen, "nicht im Sinne eines Free Jazz, sondern einer Musik, in der auch Strukturen vorkommen können, wie man sie sonst komponieren würde". In dem auf einer Doppel-CD dokumentierten Konzert schafft er mit seinen Kollegen Arild Andersen (Bass) und Patrice Heral (Percussionc) in spontanem Spiel klare Strukturen. Elektronisch aufgeheizt wird das Ganze durch den Synthesizer von Vladyslav Sendecky, der neu zu dem Trio gestoßen ist. Im Ton gestochen scharf, schafft Stockhausen einzigartige Stimmungen, die an Miles Davis erinnern, aber weit darüber hinausgehen. Lyrisches, schwebendes Spiel steht neben nervösen Free-Ausbrüchen, sanfte Flügelhorn-Hymnen neben drängenden Back Beats.

Wie gut Stockhausen auch Kompositionen mit Improvisationen zu verzahnen vermag, beweist er mit einem dritten Projekt, einem fünfsätzigen Werk , das er programmatisch "Symbiosis" nennt. "Das Zusammenleben ungleicher Lebewesen" lag ihm immer am Herzen; so verschmilzt er Klassik, Jazz und Neue Musik.

Kein Wunder bei einem Vater, dessen Musik sämtliche Grenzen sprengte und in dessen Ensembles der Sohn seit den siebziger Jahren auftrat. Unter dem berühmten Karlheinz Stockhausen hat Markus, wie er stets betont, nie gelitten. "Dass er ein ganz großer Einfluss in meinem Leben gewesen ist, ist unbestreitbar. Ein Mann von solchem Format muss im Leben eines jeden, der mit ihm in nähere Berührung kommt, einen Eindruck hinterlassen".
– CDs: Markus Stockhausen, Abendglühen, Electric Treasures, Symbiosis (alle bei Aktivraum/edel)
– Konzert: Am kommenden Montag, 20 Uhr, ist Markus Stockhausen in Basel zu Gast in der Konzertreihe "Dialog" im Gare du Nord. 0041/61/6831313.

Autor: Reiner Kobe