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04. Februar 2010

Grenzen und deren Überschreiten

In Basel beginnen heute die Zweiten Schweizerischen Geschichtstage

  1. Auch Juri Gagarins Flug in den Kosmos ist Thema der Schweizerischen Geschichtstage. Foto: AFP

Grenzen: Dem Thema widmen sich die Zweiten Schweizerischen Geschichtstage, die heute in Basel beginnen unter den verschiedensten Aspekten – von der aktuellen Migration bis zu Grenzbefestigungen der Vergangenheit – und durch einen breiten Zeitraum – von der Alten Geschichte bis in die jüngste Gegenwart. So ergeben sich Einblicke in verschiedene Bereiche der Geschichtswissenschaft: von der politischen Geschichte über die Sozial- zur Kulturgeschichte, von der Geschlechtergeschichteüber die Technikgeschichte zu einer neuen Geschichte der Ökonomie. Organisiert werden die Geschichtstage, die einen kostenpflichten fachlichen und einen freizugänglichen öffentlichen Teil bieten, von der Schweizerischen Gesellschaft für Geschichte SGG und mit dem Historischen Seminar der Universität Basel

Insgesamt werden mehr als 300 Referentinnen und Referenten aus der Schweiz und Ausland erwartet. Im kostenpflichten Teil werden in 66 sogenannten Panels, das sind vier bis fünf 20-minütige Vorträge mit Diskussionen zu einem Oberbegriff, Grenzziehungen, Grenzüberschreitungen und Entgrenzungen in unterschiedlichen historischen Kontexten und mit verschiedenen historischen Ansätzen erörtert. Warum muss die Grenze zwischen Mensch und Tier immer wieder neu definiert werden, lautet da eine Frage. "In welchem Verhältnis stand die Entgrenzung der Erde durch Gagarins Kosmosflug zum realen sowjetischen Alltag im Jahr 1961? Wo lagen die Grenzen religiöser Toleranz in der Schweiz im 19. Jahrhundert?", fragen andere Panels. Viele verweisen auf die wissenschaftlichen Trends der vergangenen Jahre: Kolonialismus und Postkolonialismus, Körper als Schnittstellen normierender Diskurse oder das Verhältnis der Geschichte zu anderen Wissenschaften.

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Für Geschichtsstudierende und -interessierte bietet der Anlass eine Gelegenheit, sich umfassend über das Fach ins Bild zu setzen. Außerdem will der Kongress zur Weiterbildung in historischen Berufen beitragen. So werden geschichtsdidaktische Panels angeboten. Sie befassen sich etwa mit dem historischen Lernen im Kindheitsalter oder mit der anspruchsvollen Aufgabe der Überführung wissenschaftlicher Erkenntnisse in den Schulunterricht.

Unter dem Motto "Geschichte soll allen zugänglich sein" findet zudem ein kostenlos zugänglicher öffentlichen Teil statt. Für die Hauptvorträge konnten mit Jürgen Osterhammel (Universität Konstanz), Merry Wiesner (University of Wisconsin) und Gérard Noiriel (EHESS Paris) drei renommierte Wissenschaftler gewonnen werden. Und weil die Zusammenhänge von Denken und Sprache auch in den Geschichtswissenschaften zu einem zentralen Gegenstand der Auseinandersetzung geworden ist, findet zudem eine literarische Veranstaltung statt. Unter dem Titel "Ein Pinselstrich – weder eine Grenze noch eine Brücke" wird sich die in deutscher und japanischer Sprache schreibende Schriftstellerin Yoko Tawada mit Auszügen aus ihren Texten an die Thematik annähern.

Die Geschichtstage wurden 2007 an der Universität Bern zum ersten Mal durchgeführt, und sollen auch in Zukunft alle drei Jahre an wechselnden historischen Seminaren der Schweiz organisiert werden. Sie sind der größte von einer Fachgesellschaft organisierte Kongress auf dem Gebiet der Geistes- und Kulturwissenschaften in der Schweiz. An der Basler Tagung sind gegenüber 2007 noch einmal etwa 20 Panels und gut 100 Referierende mehr angemeldet. Viele Panels sind mehrsprachig und von den Referierenden stammt etwa ein Drittel aus dem Ausland.
–  Schweizerische Geschichtstage, 4. bis 6. Februar, Kollegienhaus der Universität Basel. Eintritte zum Kongress gibt’s vor Ort (60 Franken Tag, Studierende und Doktorierende 30 Franken, heute Nachmittag gelten die halben Preise). Die öffentlichen Veranstaltungen sind in der Aula: Jürgen Osterhammel spricht heute, Donnerstag, 4. Februar, 14 bis 15 Uhr; Merry Wiesner morgen, Freitag, von 9 bis 10 Uhr; Gérard Noiriel am Samstag, 6. Februar, von 9 bis 10 Uhr; Yoko Tawada leits heute Donnerstag von 19.30 bis 21 Uhr.

Mehr Informationen unter: http://www.geschichtstage.ch

Autor: BZ