Jede Nummer erzählt eine Geschichte

Barbara Ruda

Von Barbara Ruda

Sa, 12. Mai 2018

Basel

25 Nachwuchsartisten aus aller Welt verzaubern beim Basler Circus Festival Young Stage / Open-Air-Spektakel zum Jubiläum.

BASEL. Für die zehnte Ausgabe des Internationalen Circus Festivals Young Stage haben sich 623 junge Artistinnen und Artisten aus 51 Nationen beworben. 25 von ihnen – die Weltbesten, wie die Festivalleitung versichert – dürfen jetzt die Jubiläumsshow bestreiten und zeigen im Zelt auf der Rosentalanlage die ganze Palette moderner Bühnenkunst. Am Anfang ihrer Profikarrieren stehend, werden sie die Zukunft des Contemporary Circus mitgestalten.

Hier in Basel greifen sie nach den Sternen, wollen Young Stage als Karrieresprungbrett nutzen. Und das Publikum kann zweieinhalb Stunden lang staunen, lachen, sich verzaubern lassen. Es ist schon so etwas wie ein Ritual, dass die Festivaldirektorin Nadja Hauser mit einem laut gerufenen "Ladies and Gentlemen – it’s Showtime" die Bühne zur Hauptprobe freigibt. Währenddessen bereiten sich backstage die Körperkünstler konzentriert vor, legen Schminke auf oder wärmen sich auf. "I-dehne" nennt das Moderator Max Loong, der im Wechsel mit Alexandra Maurer auch mal von hinter der Bühne berichtet.

Dort erzählt ihm auch Marvin vom deutschen Jonglage-Duo Marvin & Mitja, dass er jetzt, kurz vor seinem Auftritt, nicht etwa nervös ist, aber eine gesunde Aufregung spürt, die man braucht, um die nötige Energie zu haben. Gleich werden die beiden Berliner ihre leise Nummer "Pianissimo" zum Besten geben – zu klassischer Musik. Die Töne, die sie dem Klavier entlocken, visualisieren sie in Form von flauschigen weißen Bällen, die für ein paar ausgelassene Augenblicke zu Schneebällen mutieren. Sagi Bracha aus Israel, der Mann, der mit den Keulen tanzt, träumt sich "Half the world away". Mal kreist Lea Prinz um ihren Reifen, mal ihr Reifen um sie herum. "Increase" heißt die Nummer, weil für die Artistin die Reduzierung von fünf auf ein Gerät eine Steigerung bedeutete. Der Kanadier Arthur Morel van Hyfte erhebt sich vom Boden in die Luft, um am Trapez von Phoenix zu erzählen, der aus der Asche wieder geboren wird. All das sind schöne Beispiele für die wundervollen, poetischen Choreographien, in welche die Artisten technische Meisterschaft und pure Körperbeherrschung einpacken. Manchmal tun sie auch eine gehörige Prise Humor dazu. Jede Nummer erzählt eine Geschichte, gleich mehrere davon sind Liebesgeschichten.

Künstler beweisen Herzblut, Leidenschaft und Ambitionen

Camille und Louis-Marc aus Kanada schweben zum Beispiel zu "Crazy in love" an Seidenbändern durch die Lüfte, während sie atemraubende Übungen mit- und aneinander ausführen. Auf diese Weise bekomme ihre Beziehung auch an Tagen, an denen es schwieriger sei, mehr Energie, erzählen sie, als sie wieder auf dem Boden angekommen sind. Felice, die von der Sportgymnastik kommt, und Breakdancer Alex verbildlichen und vertanzen zu "Schritt für Schritt" ihre Liebesgeschichte, und das tun auch Xander und Mélanie in "Deux Etres" am Trapez. Vor ihrem Auftritt verpasst sie ihm immer eine Magnesiumdusche, und dann schauen sich die beiden eine Minute lang tief in die Augen – um sich auch innerlich zu verbinden. Der Schweiß tropft bei ihm trotz der Präparierung. Ezra Weill aus den USA hat seine Partnerinnen nach eigenen Angaben auf der Zirkusschule kennengelernt. Beide seien sehr anhänglich, und manchmal sei die Beziehung auch schmerzhaft, etwa wenn er Verbrennungen erleidet, berichtet er, nachdem er auf "Rope and me" mit ihnen aufgetreten ist: dem Seil und dem Hut.

Auch die anderen Künstler beweisen Herzblut, Leidenschaft und Ambitionen im Chapiteau, und jedem der Teilnehmenden wäre ein Preis zu gönnen. So viele wie in diesem Jahr zum Jubiläum wurden noch nie vergeben. Die Fachjury schaut sich die Vorstellung am Montag und Dienstagabend an und gibt ihre Bewertungen ab. Am Dienstag direkt nach der Show werden die Preise vergeben. Zur Feier des zehnten Geburtstags von Young Stage gibt es unter dem Motto "Basel goes Circus" zwei große Open-Air-Spektakel.

Vorstellungen im Zelt auf der Rosentalanlage in Basel: Samstag, 12. Mai, 19.30 Uhr, Sonntag, 13. Mai, 11 und 18 Uhr, Montag, 14. Mai, 19.30 Uhr mit Jurierung, Dienstag, 15. Mai, 19.30 Uhr Gala mit Jurierung und Preisverleihung, Tickets im Internet unter http://www.young-stage.com

Basel goes Circus: Samstag, 12. Mai, 14.30 Uhr, Hochseil-Performance von Laurence Tremblay-Vu an der Mittleren Rheinbrücke; Sonntag, 13. Mai, 13 bis 18 Uhr Open-Air Circus-Spektakel

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