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10. Februar 2012
Neues Affenmädchen im Zoo
Liebelei zwischen Zürich und Basel
Im Basler Zoo ist jetzt ein neues Affenmädchen eingezogen.
BASEL. Frisches Blut im Basler Zoo: Die Gorilla-Gruppe hat Zuwachs bekommen. Am 31. Januar kam die junge Gorilla-Dame Enea aus dem Züricher Zoo an den Rhein. Von ihr erhofft sich der Zolli Nachwuchs, denn mittlerweile gibt es nur noch zwei fortpflanzungsfähige Weibchen in der Gruppe. Doch zuvor gilt es erstmal, sich gegenseitig behutsam kennenzulernen – in Einzelbesuchen.
Aufgeregt eilt das Affenweibchen Enea durch ihr Gehege, lugt immer wieder durch das Gitter, dass ihr Reich vom Nachbargehege trennt. Dort hält sich die eingesessene Gorillagruppe auf und auch sie schauen immer wieder zu dem Neuling rüber. Seit zehn Tagen ist die Siebenjährige nun im Basler Zoo und noch ist alles neu und aufregend für sie. Deshalb war auch die ersten drei Tage ihr vertrauter Tierpfleger aus dem Züricher Zoo mit in Basel. Ein Wechsel in eine andere Gorilla-Gruppe ist nichts außergewöhnliches. Auch in der Natur verlassen Gorilla-Weibchen in Eneas Alter ihre Gruppe und schließen sich einer anderen an. Für die angestammte Gruppe hingegen ist der Neuzugang etwas Besonderes. Vor ein paar Tagen gab es vor lauter Aufregung Zoff – ein Affe mit einem blauen Auge war das Ergebnis.Werbung
Der nächste Schritt ist nun, Enea und die Gorilla-Gruppe miteinander bekannt zu machen. Dies geschieht stückchenweise: In den kommenden Wochen soll abwechselnd ein Tier der Gruppe in ihr Gehege gebracht werden, damit sie einander beschnuppern und kennenlernen können – natürlich unter Aufsicht der Tierpfleger. Die können dann intervenieren, wenn etwas schief läuft. Auch wenn die Möglichkeiten einzuschreiten begrenzt sind. "Zur Not hilft ein kalter Wasserstrahl", sagt Stefan Hoby, Kurator und Zootierarzt.
Den Auftakt hat das 28 Jahre alte Gorilla-Weibchen Faddama gemacht, ein ruhiges und besonnenes Tier. Sie hat die Neue am Montag eine halbe Stune und am Dienstag eine ganze Stune lang besucht. Die beiden sind nach kurzer Zeit gut miteinander ausgekommen. Entscheidend ist jedoch, dass der Chef der Gruppe, Silberrücken Kisoro, sie akzeptiert. Denn dann wird er sie auch verteidigen, wenn es mal Ärger gibt. "Dann haben wir gewonnen", weiß Hoby. Er beobachte alles ganz genau, ebenso wie der Verhaltensforscher und Gorillaexperte Jörg Hess, der alles penibel dokumentiert.
Hess hat auch die Entwicklung von Basels berühmtesten Affen begleitet, dem Gorillaweibchen Goma. Als sie 1959 im Zolli zur Welt kam, war sie das erste in Europa geborene Affenbaby. Da ihre Mutter sie nicht stillen konnte, nahm sie der damalige Zoodirektor Ernst Lang kurzerhand mit nach Hause und zog mit seiner Frau zusammen das Äffchen mit menschlicher Muttermilch aus dem Kinderspital auf, später wurde sie in die Gorilla-Gruppe integriert. Goma erlangte internationale Berühmtheit. Heute ist sie eine betagte Gorilla-Oma.
In diese Gruppe soll nun auch Enea integriert werden und scheint sich darauf zu freuen. Immer wieder streckt sie Gegenstände ins Nachbargehege – als Gastgeschenke so zu sagen. Bei Einem scheint das bestens anzukommen: Der neunjährige Zungu zeigt großes Interesse an dem neuen Affenmädchen, lädt sie zum Spielen ein und versucht ihre Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Ob sich da was anbandelt?
Autor: Michael Reich
