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08. August 2011 07:29 Uhr
Basel
Beschäftigungstherapie für Gorilla & Co im Basler Zoo
Das Leben in einem Zoo ist bei weitem nicht so gefährlich wie in der freien Wildbahn – aber auch nicht so aufregend. Damit sich die Tiere in ihren Anlagen nicht langweilen, überlegen sich die Pfleger im Basler Zoo immer wieder neue Methoden, wie sie sie unterhalten können.
Denn Tiere, die apathisch in ihren Käfigen hin- und hertrotten wollen weder die Verantwortlichen des Zollis noch die Besucher sehen.
Im Wildhundgehege des Basler Zoos, liegt der halb aufgefressene Kadaver eines Esels. Aufgeregt rennen die Wildhunde über das Gras. Doch es ist nicht der Esel, der ihr Interesse weckt und sie suchen auch kein Mäusle – ein Haufen Elefantenkot ist der Gegenstand ihres Interesses.Das mit der Geruchstarnung klappt ganz gut, lediglich die Jagdbeute suchen die braungescheckten Tiere vergebens. Aber sie sind beschäftigt und das ist der eigentliche Sinn der Übung. Die Zooverantwortlichen wollen nämlich nicht, dass ihre Tiere sich denn ganzen Tag über langweilen und womöglich vor sich hinvegetieren. Deshalb lassen sie sich immer wieder Neues einfallen, wie sie sie unterhalten.
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Ebenfalls mit geruchlichen Reizstoffen versuchen die Tierpfleger die Löwen auf Trab zu halten. Hier wird das Gehege jedoch nicht nur mit Kot markiert. Die Großkatzen fahren auch auf Gewürze, wie beispielsweise Curry, ab, auf Honig oder auf Parfüm. Sie denken dann nämlich, dass ein anderer ihnen ihr Revier streitig macht. Das geht natürlich gar nicht, weswegen die Großkatzen eifrig jeden fremden Duftstoff erschnüffeln, um ihn dann sorgfältigst zu überpinkeln. Wenn es jedoch so heiß ist wie in den vergangenen Tagen, dann lassen selbst die Löwen Duftstoff Duftstoff sein und legen sich lieber in den Schatten. Seine Markierung kann man schließlich auch noch abends setzen – wenn es nicht mehr so warm ist.
Wenn der Malaienbär im Zolli sein Futter bekommt, wird das nicht einfach nur ins Gehege geschmissen. Der Tierpfleger versteckt Mehlwürmer in speziellen Holzstücken, in die Löcher gebohrt sind. Sind die Würmer erstmal drin, werden die Öffnungen mit Datteln verstopft, damit die Larven nicht ausbüxen. In anderen Holzstücken wird Honig in die Ritzen gestrichen. Zudem werden auf der ganzen Anlage Fruchtspieße versteckt, teilweise hoch in den Ästen. Der Bär muss sich sein Fressen also regelrecht erarbeiten, wobei auf seine natürlichen Stärken geachtet wird. Mit seinen großen Krallen ist er ein perfekter Kletterer, seine lange Zunge kommt in die kleinsten Ritzen.
Die Idee, dass es Zootieren, die unterhalten werden, besser geht, sie gesünder sind, hat sich mittlerweile in den meisten Tiergärten durchgesetzt. Im Züricher Zoo gibt es seit zwei Jahren sogar eigens einen Kurator, der nur dafür da ist, die Umgebung der Tiere und ihre Fütterung kreativ zu gestalten. In der Stuttgarter Wilhelma wird – wie unlängst im Basler Zoo – momentan ein neues Menschenaffenhaus gebaut. Mit im Programm: ein Monitor für die Affen, auf dem sie sich auf Knopfdruck Natur- oder Zeichentrickfilme anschauen können.
Nicht elektronisch sondern manuell werden die Affen im Basler Zoo unterhalten. So haben sie beispielsweise einen großen Plastikwürfel, der in seinem Inneren mehrere Ebenen hat. Darin packen die Tierpfleger Futter. Durch Löcher in der Wand des Würfels können die Affen dieses dann mit Hilfe von Stöcken herausfischen. Dass dies auch höher entwickelten Säugetieren eine große Freude macht, kann Mario Hunn vom Basler Zoo berichten. Einmal im Jahr füllt er solch eine Kiste mit Kaugummikugeln und fährt damit nach Lörrach. Das Süßigkeitenrausfischen ist der Renner bei den Besuchern der Regio-Messe.
Autor: Michael Reich
