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27. Februar 2016

Basel

Wird ein Aquarium für 100 Millionen Euro gebaut?

Die Chancen für das Basler 100-Millionen-Aquarium Ozeanium stehen – auch Dank kräftiger Finanzspritzen durch private Spender – besser denn je /.

  1. Vier unterirdische und fünf oberirdische Stockwerke soll das Ozeanium in Basel erhalten. Foto: Zoo Basel

Ein monumentaler Bau soll das weite Meer ins Herz der Basler Altstadt bringen. Auf der Heuwaage im Nordosten der Kernstadt könnte bereits in zwei Jahren mit dem Bau eines Aquariums der Superlative begonnen werden. Was den Tourismusverein freut, sorgt bei Tierschützern und Meeresbilogen für Kopfschütteln.

100 Millionen Euro: So viel will sich der Basler Zoo seine neuste Attraktion mit dem Namen Ozeanium kosten lassen. Mitten in der Stadt sollen in den kommenden sechs Jahren unter- und oberirdisch dreißig Meerwasserbecken – und damit das größte Aquarium der Schweiz – entstehen. Nach Architektenwettbewerb und Feintuning bei der Planung liegt derzeit der Bebauungsplan für das Areal zwischen Innenstadt und Zoo öffentlich im Basler Baudepartement aus. Von der anfänglichen Skepsis gegen das Bauprojekt in der Bevölkerung ist – auch wegen der geschickten Marketingstrategie des Zoos – kaum mehr etwas zu hören. Stattdessen schwärmen Stadtplaner und Tourismusmanager für das Projekt, das das Zeug habe, zum "neuen Wahrzeichen" Basels zu werden.

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"Nicht nur Basel, sondern das ganze Dreiländereck profitiert vom Ozeanium", sagt Basels Zoodirektor Olivier Pagan. Er ist sich sicher, dass das neue Riesenaquarium das Potential hat, Massen in die Stadt zu ziehen. "Sowohl im Süden Deutschlands als auch im Nordwesten Frankreichs gibt es kein vergleichbares Aquarium", so Pagan. Nach Fertigstellung rechnet der Zoodirektor mit 550 000 Besuchern jährlich. "Mit dem Ozeanium bringen wir die Meere der Welt mitten hinein in die Basler Altstadt – und das für einen moderaten Eintrittspreis von gerade einmal 18 Euro", verspricht Pagan.

Um eine möglichst große Akzeptanz bei der Basler Bevölkerung zu erhalten, will der Zoo das 100-Millionen-Projekt komplett aus eigenen Mitteln stemmen. Durch Megaspenden zweier anonymer Mäzenen von insgesamt 40 Millionen Euro hat der Zoo bereits mehr als die Hälfte der Mittel zusammen. "Der Steuerzahler muss keinen Rappen beisteuern", verspricht Pagan. Über die Akquirierung der übrigen 48 Millionen Euro macht sich der Zoodirektor kaum Sorgen. "Ich bin zuversichtlich, dass wir über Stiftungen und viele kleine und große Spenden das nötige Geld rasch beisammen haben werden."

Auch die Infrastrukturmaßnahmen, Straßenbaukosten und die Verlegung und Erweiterung der Straßenbahnführung wird der Basler Zoo übernehmen. "So können wir gewährleisten, dass am Ende alles aus einem Guss ist", sagt Pagan. Möglichen Argumenten der Kritiker nimmt der Zoodirektor so den Wind aus den Segeln. Dabei waren diese bei der Vorstellung des Bauprojekts vor vier Jahren noch laut. Tierschützer und Aquarien-Gegner hatten damals ihren Protest angekündigt. Von einem "Konzept des vergangenen Jahrhunderts" war die Rede.

Mit einem Gegenentwurf wollten Tierschutzaktivisten im Mai 2014 den Bau des Mega-Aquariums verhindern. Statt riesige Becken zu bauen und diese mit exotischen Fischen zu füllen, schlug man vor, für 80 Millionen Euro ein I-Max-Kino am selben Standort zu bauen. Dort sollten über 3-D-Technologien Einblicke in die Unterwasserwelt der Meere gegeben werden. Der Vorschlag jedoch konnte sich – nicht zuletzt durch das für Bürgerinnen und Bürger attraktive Gratis-Finanzierungsmodell – nicht durchsetzten. Mit all zu großer Kritik rechnet der Zoodirektor daher nicht mehr. "Natürlich gibt es hie und da noch Kritiker, die dem Bau skeptisch gegenüberstehen – man kann eben nicht jeden überzeugen", so Pagans pragmatisches Fazit nach vier Jahren Werbetrommlerei.

Eine Institution, die sich nicht überzeugen lassen will, ist die Fondation Franz Weber. Seit der ersten Ankündigung des Bauvorhabens im Jahr 2011 kämpft die Schweizer Tierschutzorganisation gegen den Bau des Mega-Aquarium. In den Augen der Tierschützer ist das Ozeanium ein "unsinniges, verschwenderisches und ethisch fragwürdiges Projekt". Laut Fondation könne der Zoo nicht einmal eine konkrete Auflistung der Tiere, die er künftig auszustellen gedenkt, vorweisen. "Ohne zu wissen, welche Arten genau ausstellt, kann man auch keine Becken planen", heißt es in einer kürzlich veröffentlichten Pressemitteilung der Umweltaktivisten.

Zoodirektor Olivier Pagan kann die Argumenten der Tierschützer nicht nachvollziehen. "Wir möchten mit dem Ozeanium ja gerade ein Zeichen für den Naturschutz setzen", sagt er. Das Ozeanium sei nicht als Vergnügungsstätte geplant. "Neben Forschung wollen wir vor allem den nachkommenden Generationen deutlich machen, wie stark bedroht unsere Weltmeere sind." Dass man für die Visualisierung auf echte Lebewesen zurückgreift, sei angesichts der pädagogischen Wirkung des Projekts, "verschmerzbar".

Neben dem Zoo freut sich auch die Stadt aufs Ozeanium. Der markante, monolithartige Bau der Boltshauser Architekten aus Zürich soll das heruntergekommene Gebiet rund um die Heuwaage verschönern. "Das Projekt unterstützt die von der Regierung angestrebte Aufwertung des Areals ideal", verkündete Kantonsbaumeister Beat Aeberhard jüngst.

Auch der Tourismusverein ist begeistert. "Sowohl aus architektonischer als auch aus interaktiver Sicht hat das Ozeanium das Zeug dazu, Basels neues Wahrzeichen zu werden", sagt Christine Waelti, Pressesprecherin bei Basel Tourismus. Mit einer solchen Attraktion ließe sich das Freizeitangebot am Rheinknie nicht nur in der Schweiz sondern auch international besser vermarkten.

Bevor es jedoch soweit ist muss das Kantonsparlament entscheiden – auch eine Volksabstimmung ist nicht auszuschließen. So wollen neben der Fondation Franz Weber auch weitere Schweizer Lobby-Verbände politisch Einfluss auf den Großen Rat nehmen.

Autor: Martin Herceg