Para-Weltcup auf der Zielgeraden

Andreas Strepenick

Von Andreas Strepenick

Sa, 27. Januar 2018

Behindertensport

Menschen mit Behinderung aus 31 Nationen starten noch bis zum Sonntag auf dem Notschrei.

OBERRIED. Vieles hat sich verändert in der Welt des Behindertensports, vieles ist neu – aber es gibt auch eine Kontinuität in ganz wesentlichen Dingen. Die Oberrieder engagieren sich für ihren Weltcup wie in alten Tagen. Im Jahr 2001 fand der erste statt am Notschrei. In den Jahren 2010 und 2014 wagte die kleine Gemeinde den organisatorischen Kraftakt erneut. Und auch jetzt wieder, zum vierten Mal, wachsen die mehr als 200 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer über sich hinaus, manchmal bis tief in die Nacht hinein und früh am nächsten Morgen schon wieder. Sie wollen den 162 Athletinnen und Athleten aus 31 Nationen gute Gastgeber sein, und das gelingt ihnen.

Unverändert ist auch das Engagement, mit dem Friedhelm Julius Beucher, der Präsident des Deutschen Behindertensportverbands (DBS), für die Anliegen der Menschen mit Handicap kämpft. Der frühere SPD-Politiker war von 1998 bis 2002 Vorsitzender des Sportausschusses im Deutschen Bundestag, und er warb so intensiv darum, den Sport der Menschen mit Behinderung ernst zu nehmen, dass andere Abgeordnete schon mal an ihn herantraten mit der Bitte, er möge doch auch dem Sport ohne Handicap die nötige Aufmerksamkeit widmen. Beucher erzählt das mit einem Schmunzeln. Der heute 71-Jährige ließ nie nach in seinen Anstrengungen. Er besucht nun auch den Weltcup im Nordic-Center Notschrei, und er hat zusammen mit dem DBS für Journalisten, die von den Paralympics im südkoreanischen Pyeongchang (9. bis 18. März) berichten werden, eigens einen Workshop organisiert. Reporter von ARD und ZDF kamen am Donnerstag in den Hochschwarzwald, Vertreter der großen Nachrichtenagenturen, zumeist erfahrene Journalisten, die schon lange keine Berührungsängste mehr haben mit Handicapsport. Karl Quade, Chef de Mission des deutschen Paralympic-Teams in Pyeongchang, berichtete von den aus seiner Sicht "sehr guten" Wettkampfbedingungen im Ausrichterland.

Und dann gab es eben auch viel Neues zu hören an dem Tag auf dem Notschrei. Die Menschen in Deutschland schauen heute anders als noch vor zwei Jahrzehnten auf die Welt des Handicap-Sports. Vieles ist selbstverständlich geworden. Die Übertragungen von ARD und ZDF – zuletzt die von den Sommer-Paralympics 2016 in Rio de Janeiro – sind geradezu Quoten-Hits. Rund 65 Stunden werden die Öffentlich-Rechtlichen live aus Südkorea berichten: so viel wie noch nie in der Geschichte der Winter-Paralympics. Man spricht heute – lernten die Journalisten – auch nicht mehr unbedingt von Behinderten- und Handicap-Sportlern, sondern besser von Para-Sportlern und Para-Athleten. Im Mittelpunkt soll nicht das stehen, was dem Menschen mit Behinderung fehlt. Sondern das, was er kann.

An diesem Samstag treten die Para-Athleten im Nordic-Center Notschrei um 10 Uhr zum Biathlon-Wettbewerb auf der Langstrecke an. Am Sonntag starten sie zur gleichen Zeit abermals im Biathlon auf der Mittelstrecke. Wer es nicht bis hoch auf den Notschrei schafft, kann das Weltcup-Flair auch am Samstag um 19 Uhr bei der Siegerehrung in der Goldberghalle in Oberried erleben.


Alle Informationen auf http://www.weltcup-oberried.de