Ehrung für Willys "liebste Genossin"

Manfred Frietsch

Von Manfred Frietsch

Mi, 08. November 2017

Bötzingen

In Bötzingen wurde Ellen Brinkmann mit der Willy-Brandt-Medaille der SPD ausgezeichnet.

BÖTZINGEN. Politisches und persönliches Engagement gehen bei hier Hand in Hand, ihren Einsatz für soziale Gerechtigkeit lebt sie selbst auch ganz praktisch, und das seit Jahrzehnten. Dafür ist Ellen Brinkmann jetzt von ihrer Partei, der SPD, mit deren höchsten Ehrung ausgezeichnet worden: Am Montagabend überreichte ihr Gernot Erler, früherer Bundestagsabgeordneter und Staatsminister, die Willy-Brandt-Medaille. Der vom Ortsverband der Arbeiterwohlfahrt ausgerichteten Feier im Christus-Zentrum in Bötzingen wohnten viele politischen und persönlichen Freunde bei.

Von Kind auf habe Ellen Brinkmann ein Gespür für soziale Ungerechtigkeiten entwickelt und wie sie dagegen angehen könne, schilderte Erler den Werdegang seiner Parteigenossin. Nicht nur die Kluft zwischen Arm und Reich, auch die Ausgrenzung einzelner Menschen wie von ganzen Gruppen habe Ellen Brinkmann stets auf den Plan gerufen. Und das nicht nur politisch, bei ihrer Arbeit in der Partei, in Gemeinderat und Kreistag, so Erler über die "bekennende Sozialdemokratin". Auch mit ihrer ganzen Person habe sich Ellen Brinkmann für Menschen in Not eingesetzt, Hilfen organisiert und selbst Hand angelegt, ja selbst ihre Wohnung und Geldmittel zur Verfügung gestellt. Sie habe Menschen darin unterstützt, Boden unter die Füße zu bekommen, indem sie sich für sie um Arbeitsstellen bemühte. Außer zwei eigenen Kindern und zwei Kindern ihres im Jahr 2000 verstorbenen Ehemannes, des Landtagsabgeordneten Ulrich Brinkmann, habe sie 29 weitere Kinder in Vollzeit- oder Tagespflege betreut. Hinzu komme ihr Einsatz für Senioren, für Behinderte und für den Tierschutz. Dieses persönliche Engagement sei immer vernetzt gewesen mit ihrem politischen Einsatz. Das, so Erler, habe er auch selbst erleben dürfen, wenn er zum Auftakt seiner von Ellen Brinkmann organisierten Gemeindebesuche als Abgeordneter in Bötzingen sich zum Frühstück im Haus der SPD-Ortsvorsitzenden einzufinden und dort erst einmal der Bemusterung durch die jeweils aktuellen Mitbewohner aus dem Tierheim zu stellen hatte. "Du hast schon zu Recht viele Ehrungen bekommen", erinnerte Erler an die Auszeichnungen von Gemeinde und Land, "bisher fehlt die SPD – das soll sich heute ändern". Die Willy-Brandt-Medaille passe auch zum persönlichen Werdegang der Geehrten, die Anfang 1972 in die SPD eingetreten war. Schon 1975 hatte sie den Ortsvorsitz übernommen und Willy Brandt selbst war kurz darauf auf ihre Einladung hin in die Kaiserstuhlgemeinde gekommen. Dass sich der damalige SPD-Vorsitzende hier bei seinem Auftritt in der "Krone" wohl fühlte, zeigen Bilder, die beim Ehrungsabend auf eine Leinwand projiziert wurden. "Er war ein großer Charmeur und nannte mich seine liebste Genossin", erinnert sich Brinkmann schmunzelnd.

Bötzingens Bürgermeister Dieter Schneckenburger gratulierte der Geehrten und erinnerte, dass die heute 78-Jährige seit 42 Jahren dem Gemeinderat angehöre, ein Rekord in der Gemeindegeschichte. "Dein Herz schlägt für die Schwachen in der Gesellschaft", lobte Reiner Zimmermann als SPD-Fraktionssprecher im Kreistag seine dort schon über 23 Jahre tätige Kreistagskollegin. Der Geschäftsführer des Diakonischen Werkes, Albrecht Schwerer, dankte im Namen aller Sozialverbände für ihre Arbeit, insbesondere für Behinderte. Der katholische Gemeindereferent Hans Baulig sprach von einem "hörenden Herz", das Ellen Brinkmann für ihre Mitmenschen geöffnet habe. Bewegend war der spontane Auftritt eines jungen Mannes, der erzählte, wie Ellen Brinkmann ihm und seiner Familie in einer ausweglosen Lage beigestanden habe. "Ich habe ganz viel von den Menschen zurückbekommen, davon zehre ich", sagte die Geehrte zum Abschluss. Kraft gebe ihr dabei auch ihr Vertrauen auf Gott und seine Nähe.