Menschen begleiten, anstatt sie zu bevormunden

schö

Von schö

Mi, 03. Juli 2013

Bötzingen

Ehrenamtliche Betreuer gesucht / Infoveranstaltung heute Abend in Bötzingen / Hilfe zur Selbstbestimmung.

BÖTZINGEN (schö). Durch eine immer älter werdende Gesellschaft und wegbrechende familiäre Strukturen sind immer mehr Menschen, die ihre Angelegenheiten nicht mehr selbst regeln können, auf eine rechtliche Betreuung angewiesen. Um über diese wichtige Tätigkeit, die zumeist von Ehrenamtlichen geleistet wird, zu informieren, aber auch um neue engagierte Betreuer zu gewinnen, findet am heutigen Mittwoch, 3. Juli, um 19 Uhr im evangelischen Gemeindehaus in Bötzingen (Hauptstraße 44), eine Podiumsdiskussion zum Thema "Entmündigung war gestern" statt.

Unter dem Motto "Freiwillig etwas bewegen, ehrenamtlich betreuen, andere unterstützen" möchten die Beratungsstelle für ältere Menschen und deren Angehörige, die kirchliche Sozialstation Nördlicher Breisgau und der Betreuungsverein Netzwerk Diakonie heute Abend einen Einblick in die Grundlagen und Chancen des ehrenamtlichen Engagements in der rechtlichen Betreuung geben. Zudem stehen Fachleute vom Betreuungsgericht für Fragen zur Verfügung.

Bis 1992 habe es das System der Betreuung noch nicht gegeben. Damals wurden Menschen, die aufgrund von Alter, Krankheit Unfall oder Behinderung die Vertretung eigener Rechte und die Organisation ihres Alltags nicht mehr in ausreichendem Maß bewerkstelligen konnten, einfach unter Vormundschaft oder Pflegschaft gestellt, erläutert Gabriele Westermann, stellvertretende Geschäftsführern des Betreuungsvereins Netzwerk Diakonie. Sie seien entmündigt worden und wurden zum Objekt staatlicher Fürsorge. Sie wurden eher verwaltet, oft nur nach Aktenlage, ergänzt Katrin Dybbert, selbst hauptamtliche Betreuerin. Gar von einem früher anderem Menschenbild spricht die ehrenamtliche Betreuerin Margit Hable-Maier, die sich später um die neu gewonnenen Betreuer kümmern möchte. An die Stelle von Bevormundung sei heute die Hilfe zur Selbstbestimmung in den Vordergrund gerückt, so Dybbert. Die Wünsche des Betroffenen und sein Wohl stünden im Mittelpunkt einer Betreuung. Die betreuende Person solle Unterstützung bieten, um anstehende Entscheidungen im Sinne des Betreuten zu treffen und ihn persönlich begleiten.

Im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald seien aktuell etwa 3000 Menschen auf die Hilfe eines Betreuers angewiesen, erläutert Michael Szymczak, Leiter der Bötzinger Sozialstation. Fast zwei Drittel davon würden ehrenamtlich betreut, sei es durch Familienangehörige oder engagierte ehrenamtliche Bürger. Die Betreuung durch Ehrenamtliche habe laut Gesetz Vorrang vor einer hauptberuflichen Betreuung, die zudem sehr teuer sei. Die Betreuungsbehörde des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald, das Betreuungsgericht Freiburg und die Betreuungsvereine im Landkreis hätten dabei die Aufgabe, ehrenamtliche Betreuer zu unterstützen, sie in ihre Aufgabe einzuführen und fachlich zu begleiten.

Mit der Veranstaltung im evangelischen Gemeindezentrum suchen die Verantwortlichen Menschen, die sozial engagiert sind und als ehrenamtliche Betreuer die Interessen kranker, behinderter oder ansonsten eingeschränkter Personen vertreten wollen, ergänzt Hadwig Storch, Leiterin der Beratungsstelle für ältere Menschen. Lebenserfahrung, Bereitschaft zur Zusammenarbeit und Interesse am Mitmenschen seien die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Arbeit als ehrenamtlicher Betreuer.