Schulanmeldung im Advent

Manfred Frietsch

Von Manfred Frietsch

Sa, 30. April 2016

Bötzingen

Nicht nur in Freiburg, auch im Umland soll die Anmeldung der Schulanfänger vorverlegt werden.

BREISGAU. Schulanfänger sollen künftig schon im Dezember vor Beginn des ersten Schuljahres an den Schulen angemeldet werden. Das hat das Staatliche Schulamt Freiburg den Grundschulen in seinem Bezirk mitgeteilt. Für die Stadt Freiburg hat die städtische Schulverwaltung den neuen Termin bereits für verbindlich erklärt (die BZ berichtete). Dieser soll nun auch für die Schulen der Umlandgemeinden gelten.

Bisher laufen die Anmeldungen in fast allen Grundschulen in den Wochen vor oder nach den Osterferien. Dass dieser Termin nun um mehr als ein Vierteljahr in den Advent vorverlegt werden soll, wird von der Schulbehörde vor allem vor dem Hintergrund der Inklusion als nötig angesehen. Diese besagt, dass auch Kinder mit Behinderungen in Regelschulen eingeschult werden sollen, wenn Eltern dies wollen. Der Beratungsbedarf für die Eltern, aber auch die Planungen für den Schulbetrieb seien so zeitaufwendig, dass eine frühe Anmeldung sinnvoll sei. So geht es auch um die Feststellung von sonderpädagogischem Betreuungsbedarf "Es ist wichtig, dass wir alle Kinder, für die das geprüft werden muss, früh auf dem Schirm haben", erläutert die Leiterin des Staatlichen Schulamtes, Andrea Kanstinger. Darum soll der Meldetermin für alle Kinder künftig schon im Dezember sein.

In Bötzingen war die Anmeldung der im September erwarteten insgesamt 53 ABC-Schützen kurz nach Ostern. "Wir haben damit gute Erfahrungen", berichtet Schulleiter Bernd Friedrich. Der Zeitraum danach, um für das neue Schuljahr zu planen, sei ausreichend. In den Monaten vor und nach der Anmeldung hätten die Kinder, die fast alle einen der drei Kindergärten in der Gemeinde besuchen, Gelegenheit, sich in ihren Schulanfängerrunden vorzubereiten. Die Kooperationslehrerin der Schule sei ganzjährig jede Schulwoche zwei Stunden an einem der Kindergärten und lerne so die kommenden Schulkinder kennen. Darüber hinaus hospitierten Gruppen von Lehrern in den Kindergärten und umgekehrt Erzieherinnen in der Grundschule.

Auch besuchen die kommenden ABC-Schützen im letzten Kindergartenjahr die Bötzinger Schule, und das nicht nur einmal. "Bei uns kommt kein Kind neu in die Schule, das nicht schon vorher hier war und die Räume und einige Personen kennenlernen konnte", betont Friedrich. Das erleichtere es den Eltern wie den Lehrern, von der Schulreife des Kindes bis zum Frühjahr ein klares Bild zu erhalten.

Die Aufnahmegespräche können auch später erfolgen

Dennoch gebe es auch nach der formalen Anmeldung noch Rückstellungen, das sei normal, erklärt der Schulleiter. Friedrich: "Wir wissen jetzt schon, dass es vermutlich 46 Schulanfänger werden, das heißt, die anderen Kinder bleiben noch im Kindergarten oder gehen in die Vorschulklasse nach Umkirch."

Wenn man nun den Meldetermin schon im Dezember ansetzt, also neun Monate vor dem tatsächlichen Schuljahresbeginn, könnte die Zahl der Kinder steigen, bei denen sich noch nicht absehen lässt, ob sie ein Fall für eine Rückstellung werden. Vor allem für die Eltern nimmt so die Ungewissheit zu. Das gilt auch dann, wenn Eltern früh entwickelte Kinder vorzeitig einschulen wollen – ein Schritt, der neun Monate vor dem Schulbeginn deutlich schwerer abzuschätzen ist als bei fünf Monaten Abstand. Das gilt ebenso für Kinder mit Behinderungen und besonderem Förderbedarf.

Andrea Kanstinger als Leiterin des Schulamts betont, dass es mit dem frühen Termin nur um die formale Anmeldung gehe. Die sogenannten Begegnungsmaßnahmen, zu denen meist eine Art Aufnahmegespräch gehöre, sei sinnvollerweise im Frühjahr besser aufgehoben. Das könne man weiter so handhaben.

Die Umkircher Schulleiterin Eva Oyntzen hält den frühen Anmeldetermin für machbar. Die Daten der altersmäßig unter die Schulpflicht fallenden Kinder bekämen die Schulen ohnehin schon früh. Und wenn sich später zeigen sollte, dass ein Kind nicht schulreif sei, könne eine Rückstellung immer noch gemacht werden. Nach einem frühen Anmeldetermin bleibe ja noch viel Zeit, um sich um individuelle Fragen zu kümmern.

Wie Friedrich und Oyntzen hat auch Merdingens Schulleiterin Alexandra Mangold das Schreiben aus dem Schulamt so aufgefasst, dass die Vorverlegung der Schulanmeldungen auf Dezember verpflichtend sei. Auch in Merdingen setzt man auf das Kennenlernen der Kinder aus der Kooperation mit dem Kindergarten.