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12. März 2010 09:51 Uhr
Bötzingen
Zungenschlag wagt sich an Farce
Theater über Theater: Das macht das Boulevardtheater Zungenschlag in seiner jüngsten Aufführung "Das Festkomitee". Die durch Neuzugänge gestärkte Laientruppe vom Kaiserstuhl tritt unter neuer Regie an, aber wie gehabt mit einem Stück jenseits üblicher Dorfschwänke.
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Das Festkomitee – so auch der Titel des Stücks – tagt, und will ein Festspiel vorbereiten, das dann zur Farce gerät. Foto: Axel Dröber
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Der pedantische Stadtrat (links) nervt, dargestellt mit viel Ironie vom Bötzinger Gemeinderat Peter Waßer Foto: Axel Dröber
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Auftritt des Kellners, gespielt von Lorenz Wehrle. Foto: Axel Dröber
BÖTZINGEN. Das Boulevardtheater "Zungenschlag", frisch verjüngt und mit neuer Regie, startet in seine Runderneuerung mit einem Bühnenreinfall – ausgerechnet. Denn "Das Festkomitee" – so sein Titel – soll ein Festspiel geben und landet in einer Farce. Und genau diesen Stoff, so mitten aus dem Theaterleben gegriffen, bringt das Ensemble unter seinem neuen Regisseur Holger Geppert am Wochenende auf die Bühne der Bötzinger Festhalle.
Ein gerüttelt Maß Selbstironie hat die Zungenschlagtruppe ermutigt, das Stück aus der Feder von Alan Ayckbourn anzupacken. Das "Festkomitee" nämlich ist auch, wie die Kasierstühler, eine Gruppe engagierter Bürger, freilich aus der vielsagend "Zweiflingen" heißenden Gemeinde, die zusammen ein Festspiel organisieren wollen. Doch leider, leider ist man sich untereinander nicht so ganz grün und schnell geht so Einiges schief.Vielleicht liegt es an der historischen Vorlage, die der Festkomitee-Vorsitzende (Roland Kunert) als Thema des Festspiels vorschlägt: Das "Massaker der Zwölf", bei dem aufständische Bauern von Adligen niedergemacht wurden, klingt per se nicht gerade festlich. Dass sich daran aber ein Konflikt innerhalb des Festtagskomitees entzündet, liegt an den Charakteren der Figuren, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Der marxistisch angehauchte Lehrer Erik Kollinger (Marco Baumelt, im wahren Leben auch Lehrer) erblickt in dem Stoff die Problematik der Ausbeutung der Unterdrückten, während Helga (Birgit Lay), die Frau des Vorsitzenden, kein Verständnis für die Aufständischen haben kann. Währenddessen unterbricht der pedantische Stadtrat Dieter Ebert (pikanterweise der echte Gemeinderat Peter Waßer) die Sitzung des Komitees fortwährend mit formalen Anträgen, die seine schwerhörige Mutter als Schriftführerin (Hilde Asprion) kaum alle aufschreiben kann. Hinzu kommt der gescheiterte Geschäftsmann Lorenz Anders (Stefan Brandhorst), der im Komitee eine geeignete Bühne erblickt, um sich zu profilieren sowie das Techtelmechtel des eigentlich mit Philippa (Gerda Peters) verheirateten Lehrers Kollinger mit Sophie Barthel (Susanne Allgeier). Dem entlassenen Leutnant Tim Barthel (René Pawolleck) gefällt es gar nicht, dass sich ein Marxist an seine Schwester heranmacht.
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In der Uneinigkeit dieser Gruppe will Regisseur Holger Geppert natürlich kein Ebenbild seiner eigenen Theatertruppe erkennen. Vier neue Schauspieler sind zur Theatergruppe dazugestoßen, die lang erhoffte männliche Verstärkung für das Boulevard-Theater in Bötzingen. "Es ist schon kritisch, wenn eine Theatergruppe sich vergrößert", gesteht Geppert, der seit September die Regie hat. "Wir haben mit den Neuen aber großes Glück, sie bringen viel Talent mit."
Alle vier haben sich nahtlos in die Gruppe integriert, schließlich bringen sie auch praktische Erfahrung mit. Marco Baumelt hat als Schüler Theater gespielt. Auch im wirklichen Leben ist er Lehrer und veranstaltet mit seinen Schülern häufig Theater-AGs. Lorenz Wehrle, der im Stück den Kellner Max Kirkov spielt, hat zufällig vom Bötzinger Theater erfahren. Als schon immer Schauspielbegeisterter hat er sich sofort zum Mitmachen entschieden. Wie Brandhorst und Pawolleck trat er im letzten Jahr der Truppe bei.
Natürlich musste die von Ayckbourn in den 70er Jahren platzierte Handlung an heutige Verhältnisse angepasst werden. Der Blick auf die Mittelschicht aus gegensätzlichen Figuren und widersprüchlichen Ansichten gewinnt aber an Intensität durch die Darstellung der Figuren. Dass gerade das traditionelle Rollenverständnis konsequent unterlaufen wird, sorgt für die Dynamik im Handlungsverlauf, der im Moment, als die Zweiflinger das Stück zu sehen bekommen, endgültig in eine Farce umschlägt.
Autor: Axel Dröber


