Auf gute Arrangements kam es an

Ralph Fautz

Von Ralph Fautz

Do, 30. März 2017

Bollschweil

Anklänge von Kammermusik und flotte Trommelrhythmen beim Ensemblekonzert der Trachtenkapelle in Bollschweil.

BOLLSCHWEIL. Erlaubt war alles und so kam es, dass sich Anklänge von Kammermusik und flotte Trommelrhythmen quasi die Klinke in die Hand gaben. Beim Ensemblekonzert der Trachtenkapelle Bollschweil waren lediglich gute Arrangements wichtig. Trotz schwieriger und knapper Vorbereitungen war es ein rundum gelungener Abend in voll besetzter Halle.

Es dürfte sicherlich nicht der anstehenden Zeitumstellung geschuldet gewesen sein, dass man sich am Samstagabend fragte, wo die letzten zweieinhalb Stunden hin waren. Zehn alte Ölfässer reichten, um das Publikum zum Schluss fast von den Stühlen zu reißen. Die Trommler gaben mit einfachsten Mitteln alles und zeigten ein Können, das Vergleiche mit professionellen Musicals nicht scheuen müsste. Dem nicht genug, ging das Licht aus und die leuchtenden Drumsticks auf den bunt leuchtenden Ölfässern zauberten eine ganz besondere Atmosphäre. Ganz ohne Spitzen vom Blech gegen das Holz ging es nicht. Aber die Klarinettenspieler zeigten souverän, dass die zu mehr taugten, als zum bloßen Anfeuern des Kamins. Dem standen die Blechbläser allerdings in nichts nach, wenngleich sich die Posaunen auf der Bühne gegenüber den ursprünglichen Planungen deutlich dezimiert zeigten. Ein Umstand, der dem Auftritt allerdings nichts anhaben konnte.

"Yesterday" – der Beatles-Klassiker – erfuhr durch das Arrangement für fünf Tuben eine unverwechselbare Note. Es vermochte, die Melancholie dieses Stücks durch die Kombination aus Langsamkeit, tiefen Tönen und dem sonoren Klangbild unverwechselbar hervorzuheben. "Stand by me" und ein lustiger Walzer ergänzten das Repertoire. Dem folgten die Hörner – die Seele des Orchesters – , die den Pilgerchor aus der Wagneroper Tannhäuser in warmen Klangfarben spielten.

Am vergangenen Donnerstag probten sie zum ersten Mal gemeinsam, am Samstag war schon der Auftritt und der konnte sich auch für die Kammermusiker sehen lassen. Über Freundschaften und Orchesterbekanntschaften lernten sich die Musiker kennen. Problematisch war nicht nur gewesen, dass das erste Cello abgesprungen war, sondern erst einmal die neun Musiker für eine Probe unter einen Hut zu bekommen. Eine Stunde musste reichen, um den ersten Satz aus Josef Rheinbergers Nonett einzuüben und sich mit dem Tempo vertraut zu machen.

Während im üblichen Musikbetrieb die Stimmen mehrfach besetzt sind, lastete beim Ensemblekonzert deutlich mehr Verantwortung auf den einzelnen Musikern. Ihre Stimmen waren oft nur durch sie selbst besetzt und das forderte ihr gesamtes Können, wie Dirigent Carl-Philipp Rombach und Vorsitzender Julian Büche erklärten. Rombach ließ den Musikern bei der Auswahl ihrer Stücke freie Wahl. "Wichtig war mir nur, dass es auch wirklich gute Arrangements sind", betonte er mit Blick auf die Vielfalt von Noten, die – auch im Internet – verfügbar sind.