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26. November 2013

"Schönes Miteinander auf Augenhöhe"

Gemeinsames Jubiläumskonzert der Trachtenkapellen aus St. Ulrich und Bollschweil in der voll besetzten Möhlinhalle.

  1. Die Trachtenkapelle St. Ulrich mit Dirigent Hans Breika (links) und Musikverein /Trachtenkapelle Bollschweil beim Jubiläumskonzert. Foto: Anne Freyer

  2. Foto: anne freyer

BOLLSCHWEIL. Viele schöne Konzerte bescherten die Trachtenkapellen Bollschweil und St. Ulrich ihrem musikbegeisterten Publikum anlässlich ihrer Gründung vor 150 beziehungsweise 100 Jahren. Nun beendeten sie dieses ereignisreiche Jahr mit einem gemeinsamen Jubiläumskonzert in der Möhlinhalle.

Viele Grußworte wurden gesprochen, viele Rückblicke gehalten in diesem Jahr 2013, das beide Musikvereine ausgiebig nutzten, ihre herausragende Qualität zu beweisen. Dabei gelang es den Organisatoren von Anfang an, die jeweiligen Programme so aufeinander abzustimmen, dass das harmonische Miteinander der beiden Klangkörper zum Ausdruck kam – eine große Leistung, die nun im gemeinsamen Jubiläumskonzert ihre Krönung fand.

Hanspeter Moll, der im Namen beider Vereine die Begrüßung übernommen hatte, konnte sich darüber freuen, dass so viele Besucher wie selten in die Möhlinhalle gekommen waren, um diesen "Höhepunkt des gemeinsamen Jubiläumsjahres" (Moll) mitzufeiern. Ein "großes Fest und ein schönes Miteinander auf Augenhöhe" nannte er den Abend – mit Recht.

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Den Anfang machte die Trachtenkapelle St. Ulrich, gegründet vor 100 Jahren, mit ihrem Dirigenten Hans Breika, der sie seit Oktober 2012 leitet. Mit den Stücken, die er für das Jubiläumskonzert ausgewählt hatte, bewies er seine Liebe zur traditionellen böhmischen Blasmusik, aber auch neuere Tonschöpfungen kamen nicht zu kurz, etwa die Komposition "Navigation Inn" von Philip Sparke, ein gern von Blaskapellen dieser Größe gespielter Eröffnungsmarsch.

Von dort ging es mit dem "Walzer Nummer zwei" nach Russland; sein Schöpfer Dimitri Shostakovitch lässt auch in diesem inzwischen weltbekannten Stück seine Liebe zum Jazz aufblitzen, die ihm in seinem Heimatland viele Schwierigkeiten, weltweit aber großen Ruhm eingebracht hat. Ihre Vielseitigkeit bewiesen die St. Ulricher außerdem mit der "One Note Samba", ein immer wieder begeisterndes Werk des brasilianischen Sängers, Pianisten, Gitarristen und Komponisten Antonio Carlos Jobim, der jedes seiner Instrumente so virtuos beherrschte wie kein Zweiter. So verdankt sich diese "Einton-Samba" seiner Idee, sich beim Abspielen einen Arm auf den Rücken binden zu lassen – was das Ensemble glücklicherweise lieber bleiben ließ. In den slawischen Raum und seine Musik begab es sich anschließend mit einem der "Slavonic Dances" des Antonin Dvorak, der damit seinem Vorbild Johannes Brahms und dessen "Ungarischen Tänzen" Reverenz erwies, wie Monika Steiert in ihrer Moderation ausführte. Von da war es nicht mehr weit ins Land der Polkas, die auch bei der Trachtenkapelle mit dem traditionellen Paukenschlag enden und sowohl Akteuren als auch Publikum großen Spaß bereiteten.

Programm mit lauter Lieblingsstücken

Das Programm der Trachtenkapelle Bollschweil, umsichtig geleitet von Carl-Philipp Rombach, setzte sich, so Moderatorin Patricia Schneider, aus lauter Lieblingsstücken zusammen. Nach dem "Florentiner Marsch" als Auftakt wurde das Publikum in die bewegte Geschichte Tirols entführt mit der Suite in drei Sätzen von Sepp Tanzer "Tirol 1809". Darin wird musikalisch das dramatische Geschehen um Andreas Hofer, den legendären Freiheitskämpfer gegen Fremdherrschaft und Unterdrückung im frühen 19. Jahrhundert, thematisiert: Aufstand, Kampf und Scheitern, angereichert mit allerlei bekannten Weisen wie etwa der "Marseillaise". Es war halt eine heroische Zeit, die bis ins 20. Jahrhundert nachhallte und bis heute ihre Wirkung nicht verloren hat.

Auch ein Held, aber mit ganz anderem Hintergrund: Batman, der Kämpfer für Gerechtigkeit und Retter seiner Stadt. Ihm hat der Japaner Toshihiko Sahashi ein musikalisches Denkmal gesetzt, das die Trachtenkapelle adäquat umsetzte. Immer wieder war zu beobachten, wie sich die beiden Ensembles in der Unterstützung durch Pauken, Schlagzeug, Xylophon und andere jeweils passende Instrumente zusammentaten, besonders bei dem "kubanisch-mexikanischen Feuerwerk" "Danzon no. 2" des Arturo Marquez, eine zündende und zum Tanzen animierende Komposition, die mit ihren flotten Wechseln zwischen langsamen und schnellen Passagen, mal im Fünfviertel-, dann wieder im Siebenachteltakt, höchste Ansprüche stellt. Dass sie sich in diesem Genre ganz zu Hause fühlen, unterstrichen die Rhythmusspezialisten humorvoll und setzten mit übergroßen Sombreros auch optisch einen Akzent.

Hanspeter Moll nahm das Konzert zum Anlass, auch drei Nachwuchstalente zu ehren. Urkunde und Nadel in Bronze nahmen Jonas Hauser und Stella Schneider entgegen, das Leistungsabzeichen in Silber überreichte er Eva-Maria Ruf.

Autor: Anne Freyer