Wo es prächtig blüht und gedeiht

Martha Weishaar

Von Martha Weishaar

Mi, 06. Juli 2016

Bonndorf

"Hobbygärtner" laden beim Tag der offenen Gartentür in Wellendingen zum Rundgang durch ihre Hausgärten ein.

BONNDORF-WELLENDINGEN. Duftende Blütenpracht, reichhaltiges Gemüse und auch exotische Pflanzen erwarteten die Besucher beim ersten Tag der offenen Gartentür in Wellendingen. Die Landfrauen hatten eingeladen. Elisabeth Blattert, Klara und Jörg Bernhart sowie Ingeborg Dietsche gewährten Einblick in ihre ebenso bunt wie liebevoll gestalteten Hausgärten. Eckhard Fechtig führte Besucher aus nah und fern durch seinen vielseitig bestückten Obstgarten und Ernst Albert zeigte am Wellendinger Friedhof, welch anschauliche Parkanlage entstehen kann, wenn ehrenamtliches Engagement über Jahrzehnte hinweg gebündelt wird.

Gartenfreunde aus einem großen Einzugsgebiet strömten nach Wellendingen und bekundeten großes Interesse an Anbaumethoden, Pflanzenzucht sowie Obstbaumveredelung. Gartenkunst, welche das raue Schwarzwaldklima zu vereiteln sucht, wird bei Ingeborg Dietsche im kleinen Gewächshaus verwirklicht. So gedeihen auch in Wellendingen Auberginen, Artischocken, Zucchini und sogar Physalis. Freilich pflanzt die in Gartenangelegenheiten durch und durch versierte Frau auch typische Gemüsesorten wie Schwarzwurzel, Erbsen, Bohnen, Karotten, Radieschen oder Kartoffeln an. Wissbegierde und Entdeckerdrang verleiten sie indes immer wieder zu Experimenten. "Ich lass es halt wachsen, wie es kommt", erklärt Ingeborg Dietsche den interessierten Besuchern, die sich wundern, wie dicht Rosenwaldmeister, Elfenblume oder Stachys Grandiflora als Bodendecker funktionieren. "Ich nenne die Pflanzen gerne beim botanischen Namen, damit es keine Missverständnisse gibt", erklärt die Frau, die jede der weit mehr als 100 verschiedenen Pflanzenarten, die sie in ihrem Hausgarten pflegt, kennt. Im Vorgarten zur Straße hin leuchtet üppige Blütenpracht von Hortensien, Kalimeris, spanischen Gänseblümchen, australischen Lupinen, Pfingstrosen oder auch Alpennelken. Hinter dem Haus wird Gemüse gezüchtet, auf dem Komposthaufen gedeiht mit "Pennylane" eine der wohl riechendsten Rosen. Ingeborg Dietsche spart auch nicht mit Ratschlägen, sie hat sogar schriftliche Kurzinformationen mitsamt Buchtipps parat.

Auch bei Elisabeth Blattert, deren bunter Blumen- und Gemüsegarten durch symmetrische Buchshecken viergeteilt ist, klingt die Leidenschaft für ihren Garten aus jedem Wort. Klara Bernhart wiederum züchtet in ihrem großen Garten neben vielerlei Gemüse Blumen für den Schmuck der Wellendinger Kirche. Ohne die Begeisterung all dieser Gärtnerinnen käme wohl kaum eine solch vielfältige Pracht zustande.

Begeisterung hat auch Eckhard Fechtig, der hinter seinem Wohnhaus in der Grimmstraße einen Obstgarten mit mehr als 20 verschiedenen Obstsorten pflegt. Alte Apfelsorten, wie Jacob Level, Goldparmäne, Weißer Winterglockenapfel und Boskop, Birnensorten wie Alexander Lukas oder Gute Luisa, aber auch Quitten, verschiedene Pflaumen oder alte Kirschensorten wie Ämle finden sich hier. Industriell muten die Strukturen an, mittels derer der Fabrikationsleiter sein Hobby betreibt. Akribische Übersichtspläne zeigen auf, wann welche Sorten blühen und Früchte tragen. Und natürlich ging der Anpflanzung eine Bodenuntersuchung voraus, so dass die passenden Sorten gewählt wurden. Frank Gampp platziert ein Bienenvolk in Fechtigs Garten, damit die Blüten bestäubt werden. Auf Insektizide und Herbizide verzichtet der Hobby-Obstbauer vollkommen. "Man muss auch Niederlagen aushalten und wenn ein Spinnengewebe einem Baum zusetzt, muss man ihn halt langsam wieder aufpäppeln", verrät Eckhard Fechtig.

Fünfte Station der offenen Wellendinger Gärten war der Friedhof und das hat seinen Grund. Die Anlage wurde nämlich durch die Bündelung ehrenamtlicher Arbeit in einen hübschen Park verwandelt. Mehr als 6000 Helferstunden wurden bisher geleistet, weit über 30 000 Mark in die Gestaltung des Kriegerdenkmals investiert. Ernst Albert informierte vor Ort über die Arbeitseinsätze und wusste ganz nebenbei viel Wissenswertes zur Wellendinger Dorfentwicklung zu berichten.

Außer der Gartenpracht erwartete die Besucher ein buntes Rahmenprogramm. Die Landfrauen boten Stauden, Pflanzen sowie bunte Gartensträuße an. Auch Liköre, Marmeladen oder andere Köstlichkeiten konnten erworben werden und natürlich gab es leckere Kuchen und Torten. Auf dem Gelände der Blattertmühle präsentierten Regina und Josef Frommherz kunstvolle Drechselarbeiten. Müllermeister Daniel Blattert zeigte seine Backkunst an einer mobilen Backstation. Und Bernhard Schneider führte an einer Wanderschmiede alte Handwerkskunst vor.