Jürgen Guse verabschiedet sich

skk

Von skk

Fr, 29. Dezember 2017

Bräunlingen

Selten war die Bezeichnung "Eine Ära geht zu Ende" zutreffender als in diesem Fall / Nach der vierten Amtszeit ist Schluss.

BRÄUNLINGEN (guy). Selten war die Bezeichnung "Eine Ära geht zu Ende" zutreffender als im Fall von Bräunlingens Bürgermeister Jürgen Guse. Über drei Jahrzehnte prägte er die Stadt Bräunlingen, schaffte gemeinsam mit dem Gemeinderat das Fundament für die Zukunft der Zähringerstadt. Nun endet seine vierte und letzte Amtszeit als Rathauschef. Beim großen Silvesterempfang in der Stadthalle wird sein gewählter Nachfolger, Micha Bächle, offiziell in das Amt eingeführt.

Guses Karriere in Bräunlingen begann 1985, als er sich zur Wahl des Bürgermeisters aufstellen ließ und schließlich zum 1. Januar 1986 als Stadtoberhaupt gewählt wurde. Die Position war für ihn jedoch nie ein Sprungbrett. "Ich habe für mich damals schon gewusst, dass das meine berufliche Endstation sein soll", sagt Guse. In der Stadt fühlen er und seine Frau sich wohl, neben seinen beruflichen Verpflichtungen ist er in vielen Vereinen aktiv.

Obwohl er nicht gebürtig aus Bräunlingen stammt, und von November 1976 bis Dezember 1985 Bürgermeister der Gemeinde Schnürpflingen im Alb-Donau-Kreis war, fühlt er sich zu hundert Prozent als Bräunlinger. "Hier fühle ich mich Zuhause, Bräunlingen ist zu meiner Heimat geworden", sagt Guse. Dabei war es für ihn nie ein Problem, auch mal auf der Straße oder in seiner Freizeit auf Amtsgeschäfte angesprochen zu werden. "Wenn man gerne mit Menschen arbeitet und mit ihnen redet, dann ist das kein Problem, sondern ein Vorteil", erklärt er.

Dabei hatte er es auch nicht immer leicht: Als erstmals Flüchtlinge nach Bräunlingen kamen, oder die Schließung des Hallenbades diskutiert wurde, da erlebte er auch Anfeindungen. "Das lernt man nicht. Man muss damit einfach umgehen können", beschreibt er die Erfahrungen aus jenen Tagen.

Sein erster Wahlkampf sei eine spannende Wahl mit drei Gegenkandidaten gewesen. "Das war schon etwas Besonderes", sagt Guse. Es habe damals im ersten Wahlgang keine absolute Mehrheit gegeben. Nach seiner ersten Amtszeit von acht Jahren als Bürgermeister stellte sich ein Mitbewerber zur Wahl. Guse hatte jedoch überzeugt. Der Konkurrent erhielt lediglich zehn Prozent der Stimmen.

Die Bürger wollen wissen was passiert

Spannend fand Guse damals die Wahlbeteiligung: "Bei den meisten Wahlen ohne Gegenkandidaten bleibt die Beteiligung meist bei unter 30 Prozent. Ich hatte fast 40 Prozent. Das macht einen stolz." Vor allem bestätigten die Bräunlinger Bürger Guse damit ihr Interesse an der Kommunalpolitik. "Das macht meine Stadt eben auch aus: die Bürger sind engagiert und wollen wissen was passiert."

In 30 Jahren brachte Jürgen Guse viele Projekte auf den Weg. Dazu zählen neben "dem Alltagsgeschäft", wie Guse sämtliche Baumaßnahmen nennt, der Hochwasserschutz, die Gauchachhalle, den Erhalt der Dögginger Grundschule und nicht zuletzt die Sanierung der Stadthalle.
Bräunlingen wird natürlich Guses Wohnort bleiben. Und langweilig wird ihm auch nicht. So hat er noch einige Amtsverpflichtungen, die er auslaufen lassen wird, und Aktivitäten in örtlichen Vereinen. Außerdem will er sich häufiger ans Klavier im Wohnzimmer setzen, vielleicht auch etwas schreiben. Mal sehen. An Ideen mangelt es nicht.