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29. September 2016 17:17 Uhr

"Der lange Schatten der Täter"

Alexandra Senfft las im Blauen Haus in Breisach

Die Autorin Alexandra Senfft las im Blauen Haus in Breisach aus ihrem Buch "Der lange Schatten der Täter", in dem sie sich mit den Problemen der Kinder- und Enkelgeneration von Nazi-Tätern auseinandersetzt.

  1. Mit den Besuchern ihrer Lesung diskutierte die Autorin Alexandra Senfft im Blauen Haus. Foto: Kai Kricheldorff

BREISACH. "Schweigen tut weh" ist der Titel des ersten Buches, in dem sich die Publizistin Alexandra Senfft vor fast 10 Jahren mit der Biografie ihres Großvaters Hanns Ludin und seiner Rolle während des Naziregimes als Gesandter in der Slowakei auseinandersetzte. Reaktionen von Lesern auf ihre Veröffentlichung haben sie veranlasst, nun ein weiteres Buch zum Komplex der Tätergeneration der Hitler-Diktatur und ihren Auswirkungen auf deren Kinder und Enkel zu veröffentlichen. Aus ihm las sie jetzt bei einer Veranstaltung im Blauen Haus Breisach.

Ähnliche Schicksale
In ihrem Buch "Der lange Schatten der Täter" (die BZ berichtete) gibt Senfft Gespräche mit Menschen wider, die als Nachkommen der NS-Tätergeneration ein ähnliches Schicksal wie die Autorin selbst erlebt haben. Da gibt es Übereinstimmungen aber auch ganz unterschiedliche Bewertungen und in den jeweiligen Familien auch eine differenzierte Form des Offenlegens oder Verschweigens der Rollen, die Väter oder Großväter während der Nazi-Diktatur und im Zweiten Weltkrieg eingenommen haben. Um das Geschehen aufzuarbeiten, und damit familiäre Wunden vernarben können, müsse das Geschehen aus psychologischer, historischer und politischer Perspektive betrachtet werden, so die Autorin.

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Ihre eigene Familiengeschichte wie die Biografien vieler ihrer Interviewpartner zeigen auf, dass dies ein schmerzhafter Prozess sein kann. Häufig verbindet sich damit die Gefahr, dass denen, die sich ihm stellen, innerhalb der eigenen Familie Illoyalität oder Verrat zum Vorwurf gemacht werden. Doch könne die peinigende Auseinandersetzung mit den Nazi-Tätern im Familienkreis eine durchaus stärkende Wirkung haben. Auch dann, wenn diese kritische Reflexion von Verwandten als Nestbeschmutzung empfunden wird, wie die Autorin sagte.

Gut besuchte Lesung
Alexandra Senffts neues Buch, aus dem sie bei der sehr gut besuchten Lesung im Blauen Haus drei Kapitel las, bestätigte, was Historiker und Biografie-Experten verschiedentlich dargelegt haben: Dass nämlich die erzählte Geschichte in der Form der familiären Überlieferung, häufig nicht historischen Tatsachen entspricht. Verantwortlich dafür seien Realitätsverleugnung oder Rechtfertigungsmythen, die von den Erzählern, die Zeit- und oft auch Tatzeugen waren, in ihre Erinnerungen eingewoben wurden.

Intensiv, teilweise auch kontrovers diskutierten danach Zuhörer mit der Autorin, wobei auch Parallelen zur Gegenwart gezogen wurden.

Alexandra Senfft: "Der lange Schatten der Täter", Piper-Verlag, München Berlin Zürich. 252 Seiten, 22 Euro

Autor: kff