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15. Januar 2016 17:21 Uhr

Erstes Fazit nach einem Monat

Bislang gab es in der Behelfsunterkunft für Flüchtlinge nur kleinere Unstimmigkeiten

210 Flüchtlinge leben derzeit in der Behelfsunterkunft am südlichen Stadteingang. 162 Menschen wohnen hier schon seit Mitte Dezember. Überwiegend sind es Familien aus Syrien, Irak, Iran und Afghanistan. Am Donnerstag dieser Woche sind die ersten Flüchtlinge in den dritten Containerbau eingezogen.

  1. Die Containersiedlung für die Unterbringung von Flüchtlingen am südlichen Stadtrand von Breisach ist fertig. Foto: Agnes Pohrt

  2. Michael Schreck (links) ist für die sechs Behelfsunterkünfte im Kreis verantwortlich. Bern Leuz leitet die Unterkunft in Breisach. Foto: Agnes Pohrt

  3. Wichtige Adressen finden die Flüchtlinge in der Willkommensbroschüre. Foto: Agnes Pohrt

  4. Cornelie Büchner gehört zum Organisationsteam des ehrenamtlichen Helferkreises für Flüchtlinge in Breisach. Foto: Agnes Pohrt

Insgesamt ist Platz für rund 300 Personen. Betreut werden die Flüchtlinge von Mitarbeitern der Firma ORS, einer Sozialarbeiterin des Landratsamts, Mitarbeitern der Sicherheitsfirma Ziemann und dem Breisacher Helferkreis für Flüchtlinge.

Betreuung durch ORS
Die Schweizer Firma ORS ist im Auftrag des Landratsamts für sechs Behelfsunterkünfte im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald mit insgesamt über 1000 Flüchtlingen zuständig. In der Breisacher Behelfsunterkunft (BU) stellt ORS sechs Sozialbetreuer, einen Hausmeister, eine Sozialarbeiterin und eine Krankenschwester, informiert Michael Schreck, der für alle Behelfsunterkünfte im Kreis verantwortlich ist.

"Die Sozialbetreuer sind für die Flüchtlinge Ansprechpartner im Alltag", sagt Bernd Leuz, der Leiter der Breisacher BU. Für die Kinder – bislang waren es 56, darunter 47 schulpflichtige – bieten sie beispielsweise Spiele, Ausflüge und Spielplatzbesuche an. Die Betreuer, die täglich von 6.30 bis 22 Uhr in der Einrichtung sind, organisieren auch Sprachkurse, gehen mit den Flüchtlingen einkaufen oder zu Ämtern nach Freiburg und helfen bei Problemen in der Unterkunft.

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"Trotz der beengten Verhältnisse gab es bisher nur kleinere Unstimmigkeiten, die sich schnell regeln ließen", freut sich Leuz. Als Beispiel nennt er den Ärger um ein Backblech, das eine Familie vermeintlich zu lange in Gebrauch hatte. Dass es in der Breisacher BU so friedlich zugeht, führt Leuz auch darauf zurück, dass hier vorwiegend Familien leben. "Die organisieren sich besser", sagt er.

Alle Kinder gehen in die Schule
Die Sozialbetreuer haben sich auch darum gekümmert, dass alle schulpflichtigen Kinder nach den Weihnachtsferien Breisacher Schulen besuchen können. Auf welche Schule sie gehen, entscheiden Pädagogen der Hugo-Höfler-Realschule. Die Grundschüler besuchen das Theresianum. Zur Schule begleitet werden die Kinder anfangs von Mitgliedern des Helferkreises. Beamte des Breisacher Polizeireviers wollen eine Verkehrserziehung anbieten. "Der Schulbesuch der Kinder bringt für die Familien auch etwas Struktur in den Alltag", hofft Leuz. Struktur bieten auch die Aufgaben, für die Flüchtlinge in der BU selbst zuständig sind. Dazu gehören der freiwillige Putz- und der Waschdienst. Die Verantwortlichen werden als Ein-Euro-Jobber entlohnt. "Ich bin sehr zufrieden", sagt Leuz. Er hofft, dass auch die Außenanlage bald freundlicher gestaltet wird – mit einer Grünfläche, eventuell auch mit Bänken. "Schön wäre auch ein Bouleplatz", sagt er.

Wöchentlicher Jour fixe
Wöchentlich findet in der BU ein Jour fixe statt, an dem neben Bernd Leuz der Helferkreis und Sozialarbeiterin Katharina Kube vom Landratsamt teilnehmen. Kube kümmert sich vor allem um Belange, die das Asylverfahren oder die Antragstellung betreffen. Allen geht es darum, die Neuankömmlinge bei der Integration zu unterstützen. "Alle Menschen sollen sich in Breisach wohlfühlen und friedlich und gut zusammenleben", bringt es Cornelie Büchner vom Organisationsteam des Breisacher Helferkreises auf den Punkt.

Hilfe zur Selbsthilfe
Mit der Unterstützung von Flüchtlingen haben die ehrenamtlichen Helfer Erfahrung – sie kümmern sich schon seit Jahren um die Menschen in der Kettengasse und im Campus der Kulturen in der Elsässerallee, wo insgesamt knapp 100 überwiegend Erwachsene untergebracht sind. Die 210 Schutzsuchenden, die jetzt in der BU leben, sind aber auch für rund 200 Helfer, davon 120 Aktive, eine große Herausforderung.

Dem Helferkreis geht es um Hilfe zur Selbsthilfe. Anfangs wurde den Flüchtlingen gezeigt, wo sie einkaufen und sich günstig mit Kleidung versorgen können. Künftig sollen die Bewohner selbst Neuankömmlingen beim Zurechtfinden behilflich sein.

Angebote des Helferkreises
In einer von der Stadt finanzierten Willkommensbroschüre informiert der Helferkreis auf Deutsch und Arabisch über wichtige Anlaufstellen in Breisach, die auf Stadtplänen eingezeichnet sind – angefangen vom Krankenhaus, Schulen und Einkaufsmöglichkeiten bis hin zu Freizeiteinrichtungen und Kirchen. Die Broschüre wurde in Zusammenarbeit mit Flüchtlingen, die schon länger in Breisach leben, entwickelt.

Der Helferkreis bietet auch Unterstützung beim Deutschlernen an. Montags und mittwochs gibt es Sprechstunden im Verwaltungstrakt der BU. Hinzu kommen Angebote für die Freizeitgestaltung. Dazu gehören auch die Freitagstermine mit Kochen im Blauen Haus, bei denen Cornelie Büchner federführend ist. Die Resonanz ist mittlerweile so groß, dass die Küche im Blauen Haus längst zu klein ist. Zweimal wöchentlich findet für Einheimische und Flüchtlinge ein Café der Kulturen statt: dienstags in der Gemeinde "Mittendrin", donnerstags im Gemeindesaal der Martin-Bucer-Gemeinde. In der Martin-Bucer-Gemeinde soll es bald auch eine Krabbelgruppe geben. Zudem werden Kontakte zu Vereinen vermittelt.

Viel Arbeit für die Helfer
Besonders an den Feiertagen waren die ehrenamtlichen Helfer gefragt. Viele Kinder hatten Erkältungen und hohes Fieber. Weil der Breisacher Kinderarzt Hubert Mund in Urlaub war, fuhren Mitglieder des Helferkreises die Familien ins St. Josefskrankenhaus nach Freiburg. Dafür wurde im Internet ein Bereitschaftsdienst organisiert, den die Betreuer von ORS anfragen konnten. "Wir mussten viel fahren, das hat uns an die Grenze gebracht", erzählt Cornelie Büchner. Sie hofft auf weitere Unterstützer.

Keine Spendenannahme in der BU
"Die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung ist sehr groß", freuen sich Bernd Leuz und Cornelie Büchner. Vor Weihnachten kamen viele Breisacher mit Kleiderspenden und Geschenken zur BU – nicht ahnend, dass sie hier nicht willkommen sein würden. Um die Privatsphäre der Bewohner zu schützen, sind Besuche der Unterkunft nicht erlaubt. In der BU werden auch keine Spenden angenommen. Sachspenden werden ausschließlich vom Verein SOS werdende Mütter und in der Kleiderkammer in der Elsässer Allee ausgegeben. Dort können sich die Flüchtlinge wie alle anderen Bedürftigen in Breisach versorgen.



Was wird gebraucht?
"Derzeit sind die Lager aber voll", sagt Büchner. Wer den Helferkreis unterstützen will, sollte sich auf der Homepage auf http://www.helferkreis-breisach.de informieren. Hier erfährt man, was aktuell benötigt wird. Zudem kann man sich einen Fragebogen herunterladen, auf dem man angeben kann, welche Hilfe man anbieten möchte und in welchem Umfang.

Autor: Agnes Pohrt