Das Publikum spielt mit

Elisabeth Saller

Von Elisabeth Saller

Sa, 24. Januar 2015

Breisach

Die Theatergruppe "Freistil" aus Freiburg führte im Schloss Rimsingen einen Dinner-Krimi auf.

BREISACH-OBERRIMSINGEN. Ein vergifteter Bloody Mary lässt die Hochzeitsfeier ganz anders verlaufen, als es sich das Brautpaar Sandra und Thomas gewünscht hat. Drei Schauspieler der Freiburger Theatergruppe "Freistil" führten im Schloss Rimsingen den Dinner-Krimi "Mord am Hochzeitsabend" auf. Um den Fall aufzuklären, mussten auch ein paar Gäste mitspielen.

"Es ist ein historischer Augenblick: Einer von Freiburgs letzten Junggesellen ist für immer verloren", sagt Bräutigam Thomas (Christian M. Schulz) über sich selbst. Der Mittvierziger hat seine Eltern vor Jahren bei einem mysteriösen Autounfall verloren und deren Firma geerbt. Sein jüngerer Bruder Andreas (Achim Freund, der auch den Pfarrer spielte), der betrunken und viel zu spät zur Feier erscheint, ging leer aus. In seiner Rede gesteht Thomas offen, wie er seine Braut Sandra (Simone Ott) kennengelernt hat. Das will der verklemmte Pfarrer Weber vergeblich verhindern.

Thomas erzählt, dass er erst vor sieben Monaten in einem Strip-Lokal auf Sandra getroffen ist. Natürlich sind auch ihre ehemaligen Arbeitskollegen aus diesem Etablissement zur Hochzeit eingeladen – Sandra stellt sie vor und deutet auf zwei Tische im Publikum. Die Zuschauer nehmen ihre Rollen mit Humor und spielen mit. Vor allem Onkel Roland – ein weiterer Zuschauer – wird oft in die Szenen eingebunden. Früher habe Onkel Roland einen Hof gehabt, dann war er beim Finanzamt, sagt Thomas über seinen Verwandten. "Und was machst du heute?", fragt er Roland. "Pensionär", antwortet der Onkel und das Publikum lacht.

Überhaupt hängen die gut gelaunten Zuschauer an den Lippen der Schauspieler, lachen und kommentieren hin und wieder das Geschehen.

Die Zuschauer hängen an den Lippen der Schauspieler

Nach der Vorstellungsrunde will sich Thomas seinen Lieblingscocktail gönnen, eine Bloody Mary. Doch davon hat zuvor die Kellnerin (gespielt von einer jungen Köchin des Restaurants) gekostet – jetzt ist sie tot. Thomas erkennt schnell, dass er eigentlich das Opfer hätte sein sollen und gerät außer sich. Sandra hat einen Schwächeanfall und muss sich erst mal hinlegen. Während dieser Pause wird dem Publikum der erste Gang vom Team des schlosseigenen Restaurants serviert, weitere folgten. Thomas vermutet zunächst, dass einer der Gäste ihn vergiften wollte. "Aber Thomas hör auf damit, das sind doch alle unsere Freunde", entgegnet Sandra. Dann fällt sein Verdacht auf den Pfarrer, der das Geschehen stets mit Bibelzitaten kommentiert. Thomas versucht, mit dem Handy des Pfarrers die Polizei zu rufen, doch er drückt versehentlich auf Wahlwiederholung – und Sandras Handy klingelt. Das Publikum merkt sofort, dass hier etwas nicht stimmt. Doch Sandra stammelt eine Erklärung für den Anruf des Pfarrers: "Es ging um den Trauspruch." Etwas später gesteht Pfarrer Weber Sandra seine Liebe – in ihr erkenne er den Engel, der ihm erschienen ist.

Im Verlauf des amüsanten Stücks, das die drei Akteure gekonnt auf die Bühne brachten, verdächtigt Thomas auch seine Braut und den zu spät zur Feier erschienen Bruder Andreas. Onkel Roland muss das Protokoll zu den Verhören von Thomas führen.

Das fulminante und sehr überraschende Ende und die schauspielerische Leistung belohnte das Publikum im fast voll besetzten Saal der Kleinkunstbühne mit viel Applaus. Auch für das Mitwirken der Zuschauer, allen voran Onkel Roland, sowie der Mitarbeiter des Restaurants gab es Beifall.