Gelungene Premiere auf dem Breisacher Schlossberg

"Die chinesische Nachtigall " begeistert das Festspielpublikum

Frank Kreutner

Von Frank Kreutner

Mo, 22. Juni 2009 um 12:10 Uhr

Breisach

In diesem Jahr ist sogar der Kaiser von China zu Gast auf dem Schlossberg in Breisach. Er steht im Mittelpunkt der von Peter W. Hermanns bearbeiteten Inszenierung des Märchens "Die chinesische Nachtigall" die am Sonntag ihre überaus gelungene Premiere erlebte.

BREISACH. Gleich zu Beginn werden die Zuschauer in eine prunkvolle chinesische Märchenwelt versetzt. Bühnenbildnerin Stephanie Breidenstein hat dazu auf der Festspielbühne einen chinesischen Garten entstehen lassen, in dem sich der Kaiser King Pin Meh (nuancenreich gespielt von Elke Bürgin) von seinem Hofstaat immer wieder eindrücklich bestätigen lassen kann, dass er alles Wunderbare und Einzigartige dieser Welt besitzt. Aber plötzlich stellt sich heraus, dass es in seinem Reich doch noch etwas gibt, über das er nicht verfügen kann: den wundervollen Gesang einer nur dem Mädchen Li Yang (Tamara Bürgin) bekannten Nachtigall.

Schnell wird die äußerlich unscheinbare Nachtigall (Judith Stubert) in den Palast gebracht und tatsächlich, ihr Lied, das echten Ohrwurmcharakter hat (von Sascha Bendiks komponiert und arrangiert), berührt und fasziniert den Kaiser aufs Tiefste. Aber über die Nachtigall hat der Kaiser keine Macht, sie braucht ihre Freiheit um ihre Kunst zeigen zu können und verweigert sich dem Anspruchsdenken und der Habgier des Herrschers.Doch es wird schnell Abhilfe geschaffen. Tae Disong (Silvana Ganz), der Meister der Phonetik, schafft eine prachtvolle mechanische Nachtigall, die anfänglich der lebendigen in nichts nachzustehen scheint. Weil der Kaiser sich aber nicht satt hören kann, bricht diese unter der Dauerbelastung zusammen, was von Laura Engist gekonnt dargestellt wird.

Der König wird daraufhin krank, auch überdimensionale Akkupunkturnadeln verfehlen ihre Wirkung und der Tod (Angela Libal als "Un Tschüss") sieht bereits die Zeit für gekommen, seine Arbeit zu verrichten.

Aber er hat die Rechnung ohne Li Yang und ihren Freund, den kleinen Drachen Hui (Samuel Czerwinski), gemacht. Sie machen sich auf die Suche nach der Nachtigall, und nachdem der Versuch, eine Ersatz-Nachtigall in einer Casting-Show zu finden (China sucht die Supernachtigall), kläglich scheitert, werden die beiden von einem Drachen auf den richtigen Weg gewiesen.

Der Kaiser erkennt, dass er sich beschränken muss

"Vertraut eurem Herzen" rät ihnen dieser und so gelingt es ihnen schließlich mit Hilfe eines weiteren Riesendrachen, der wohl ohne Zweifel der größte Darsteller in der Geschichte der Breisacher Festspiele sein dürfte, die Nachtigall zum Kaiser zu bringen und ihn ins Leben zurückzuführen. Aber der Kaiser erholt sich nicht nur körperlich, sondern er erlebt auch einen seelischen Genesungsprozess, denn er erkennt, dass er auch loslassen muss und sich beschränken kann.Ganz besonders beeindruckend ist die prachtvolle Ausstattung der diesjährigen Inszenierung. Die farbenprächtigen Kostüme, eine Vielzahl aufwändig gestalteter Pappmachéarbeiten, viel Liebe auch zum kleinsten chinesischen Detail und das eindrucksvolle Bühnenbild lassen eine Szenerie entstehen, vor der die stillen Passagen der Inszenierung genauso ins rechte Licht gerückt werden wie die zahlreichen Szenen mit ihrem prallem Humor.

Weitere Informationen und eine Fotogalerie von der Premiere des Märchens "Die chinesische Nachtigall" finden Sie auf http://www.badische-zeitung.de