Differenzierung statt "Einheitsbrei"

Julius Steckmeister

Von Julius Steckmeister

Fr, 12. Februar 2016

Breisach

Der stellvertretende Chef der CDU-Landtagsfraktion Volker Schebesta stellte in Breisach die bildungspolitischen Ziele der CDU vor.

BREISACH. Auch unter einer CDU-geführten Landesregierung sollen die bestehenden Gemeinschaftsschulen erhalten bleiben. Das versicherte Volker Schebesta, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion Volker Schebesta in Breisach. bei "Bildung im Fokus – Wie geht es mit der Bildungspolitik weiter?", war der Titel der Veranstaltung, zu der der CDU-Landtagsabgeordnete des Wahlkreises Breisgau, Patrick Rapp, und der CDU-Ortsverein Breisach in die Eventhalle am Rhein geladen hatten.

Erhalt des bestehenden Systems
Das grün-rote Projekt Gemeinschaftsschule ist aber in den Augen der Christdemokraten gescheitert. Die CDU setzt vielmehr auf die Stärkung der Realschulen, den Erhalt der Gymnasien und die Weiterentwicklung der beruflichen Schulen. Lernschwachen Kindern sollen auch künftig Förder- und Sonderschulen die nötige Unterstützung zu Teil werden lassen. Ins Detail ging Schebesta, der auch Mitglied des Bildungsausschusses ist, nachdem Rapp das "breite Gästespektrum" aus Pädagogen und Politikern begrüßt hatte.

Rapp stellte Schebestas Ausführungen die kritischen Fragen voran, ob Arten- und Klimaschutz sowie sexuelle Vielfalt der richtige Inhalt eines Bildungsplanes seien, und was in den Schulen an Hintergrund vermittelt werden müsse, um "manches in unserer saturierten Gesellschaft wieder ins rechte Licht zu rücken".

Mehr Facharbeiter
Mit den "Grundlagen der CDU-Bildungspolitik" begann Schebesta seinen Vortrag. Erstens müsse die Qualität der Bildung in Baden-Württemberg – auch im Vergleich zu den anderen Bundesländern – erhalten bleiben, sagte der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion. Damit sei die Diskussion um ein Zentralabitur obsolet, da dieses naturgemäß unter dem hohen baden-württembergischen Level läge. Kritik übte Schebesta am grün-roten Ziel, "die Zahl der Akademiker zu steigern". Da es an Facharbeitern fehle, sollten stattdessen "gute Übergänge in die berufliche Ausbildung" möglich sein, forderte der Politiker. Er zitierte zudem eine kürzlich ausgewertete Studie, die zu dem Ergebnis gekommen sei, dass leistungsschwächere Schüler mit dem eigenständigen Lernen an der Gemeinschaftsschule überfordert seien.

Ohnehin komme es nicht auf die Struktur an, sondern die "pädagogische Arbeit von Lehrerinnen und Lehrern". "Wir wollen ein differenziertes Bildungssystem statt eines Einheitsbreis, der auch noch privilegiert wird", beschrieb Schebesta die CDU-Marschrichtung.

Benotung wieder einführen
Er betonte aber, dass die bestehenden Gemeinschaftsschulen erhalten werden sollen, jedoch mit "besseren Hilfestellungen". Dazu gehörten die Wiedereinführung von Noten und des Sitzenbleibens ebenso wie die Abschaffung der heterogenen Lerngruppen bis zu den Abschlussklassen. Schebesta kritisierte außerdem die Abschaffung der Grundschulempfehlung sowie die Abwertung der Werkrealschulen unter der derzeitigen Landesregierung.

Die Diskussion
Die Zahl der Sitzenbleiber sei seit den grün-roten Veränderungen in der Bildungslandschaft gestiegen, beklagte ein Zuhörer. "Grün-Rot hat den natürlichen Verstand außen vorgelassen und die Kinder baden es aus", so sein Statement. Zweifel an der Studie beziehungsweise an dem von Schebesta "aus dem Zusammenhang gerissenen Sachverhalt" äußerte ein anderer Besucher, der einen entsprechenden Artikel aus der Badischen Zeitung mitgebracht hatte. Außerdem wollte er wissen, ob die Gemeinschaftsschulen im Falle eines Regierungswechsels verpflichtet würden, heterogene Klassen abzuschaffen und wie Sitzenbleiben und Noten auf einer Gemeinschaftsschule funktionieren sollten. Klassen mit stark unterschiedlichem Leistungsniveau der Schüler führten zu Langeweile bei den Stärkeren, befürchtete ein weiterer Redner.

Die Gemeinschaftsschulen würden nicht gezwungen, Änderungen vorzunehmen, müssten sich jedoch einem Leistungsvergleich mit anderen Schularten stellen, antwortete Schebesta. "Leistungsschwächere Schüler brauchen mehr Struktur", wiederholte er. "Erschreckend, wie das hier niedergemacht wird", entsetzte sich die Mutter zweier Gemeinschaftsschülerinnen. "Es ist eine tolle Schulform, die Kinder profitieren davon", berichtete sie. Ähnlich kontrovers verlief auch die weitere Diskussion, zu der Schebesta sich noch bei zahlreichen Tischgesprächen Zeit nahm.