Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

26. November 2015 18:13 Uhr

Lehren, korrigieren und ganz viel loben

Fast 30 Ehrenamtliche geben für Flüchtlinge Deutschkurse

Deutsche Sprachkenntnisse gelten als die wichtigste Grundvoraussetzung für die Integration von Flüchtlingen. In Breisach gibt eine Gruppe von fast 30 Ehrenamtlichen Deutschkurse, unter anderem in der Caritas-Geschäftsstelle in der Kupfertorstraße.

  1. Fortschritte beim Spracherwerb machen die in Breisach lebenden Flüchtlinge Sheriff (links) und Mammadou aus Gambia beim Deutschkurs mit Claudia Wolf in der Caritas-Geschäftsstelle. Foto: Kai Kricheldorff

Dort finden sich fast täglich Kleingruppen von drei bis fünf Flüchtlingen mit ihren Sprachlehrern zusammen, um Deutsch zu lernen.

Das Niveau der Schüler könnte unterschiedlicher nicht sein. "Es reicht von Analphabeten bis zu Frauen und Männern mit recht guten Sprachkenntnissen", berichtet Claudia Wolf. Diese Zusammensetzung erschwert zwar die Sprachvermittlung, andererseits bringen aber alle Schüler eine hohe Lernbereitschaft mit und besuchen die Kurse regelmäßig. Ihre Fortschritte beim Spracherwerb sind unübersehbar. Das sei ermutigend für die Lehrer, die vor einer großen Herausforderung stünden, sagt Claudia Wolf. Nicht alle kommen wie sie aus dem Lehrerberuf. Die pensionierte Grundschullehrerin hat 36 Jahre an der Julius-Leber-Schule unterrichtet. Regelmäßig nimmt sie an Fortbildungsseminaren und Supervisionstreffen teil, die von der Caritas für ehrenamtliche Sprachlehrer angeboten werden.

Unterricht beginnt mit einem Lied
Kinder lernen schneller eine Fremdsprache als Erwachsene, hat Birgit Hummler festgestellt. Die Journalistin und Autorin ist erst vor einiger Zeit in die Münsterstadt gezogen und engagiert sich ebenfalls bei den Sprachkursen für Flüchtlinge.

Werbung


Zweimal in der Woche treffen sich Sheriff und Mammadou, zwei junge Männer aus Gambia und ein weiterer Landsmann von ihnen, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, zum Sprachkurs mit Claudia Wolf. Zur Begrüßung fassen sich alle an den Händen und wünschen sich in mehreren Sprachen einen Guten Tag. Auch in Manding, der Sprache, die in einigen Ländern Westafrikas verbreitet ist. Schließlich wird ein Lied gesungen. "Ein Willkommensritual, das auch die Wertschätzung unterstreicht, die wir zueinander pflegen", erklärt Wolf. Dass der Sprachunterricht in ein pädagogisches Konzept eingebettet sein muss, ist für die erfahrene Pädagogin selbstverständlich. Die drei Sprachschüler leben im Campus der Kulturen.

Unterschiedliche Bildungsgrade
Mammadou (21), der afrikanische Trommeln nicht nur exzellent zu schlagen weiß, sondern sie auch reparieren kann, ist in punkto Lesen und Schreiben ein Anfänger. Sheriff spricht gut Englisch. Der 26-Jährige hat in seinem Heimatland bei der Feuerwehr einen Job gehabt. Der dritte Schüler hat in Gambia ein Studium als Grundschullehrer abgeschlossen. Er ist 25 Jahre alt. Man spürt den Ehrgeiz der jungen Männer, die deutsche Sprache zu erlernen. Einer Gruppe mit so verschiedenartigen Bildungsbiographien Sprachkenntnisse zu vermitteln, ist eine komplizierte Aufgabe. "Es müssen Kulturtechniken angewendet werden, die die unterschiedlichen Bildungsgrade der Schüler berücksichtigen", sagt Wolf. Für den Kurs hat sie unter anderem Bild- und Schriftkarten vorbereitet. Sie liest die Begriffe vor, die Schüler sprechen sie nach: "Das Waschbecken, der Berg, die Familie, die Steckdose, der Krankenwagen, die Zahlen…" Danach sind die Karten mit den Wörtern den Bildern zuzuordnen. Dabei werden die Begriffe benannt. Die Kursleiterin gibt ein paar einfache Hinweise zur Grammatik. Sie ermutigt, korrigiert, hilft und lobt. Die Schüler sind konzentriert bei der Sache. Zwischen den einzelnen Lerneinheiten streut sie kurze Bewegungsübungen ein, später folgt ein Rollenspiel, das natürlich alle Teilnehmer zum Lachen bringt. "Wir müssen auch unseren Spaß am Lernen haben", sagt Wolf.

Weitere Räume werden benötigt
Als Migrationsbeauftragte koordiniert Melanie Geißendörfer vom Landratsamt in der Münsterstadt den Sprachunterricht für Flüchtlinge. "Fast die Hälfte der Asylbewerber im Campus der Kulturen nimmt an den Sprachkursen von Caritas und Volkshochschule teil", schätzt die Sozialpädagogin. Die Leistung der ehrenamtlichen Kursleiter habe eine Spitze erreicht. Wird es mehr Sprachkurs-Angebote geben, wenn Ende Dezember 320 weitere Flüchtlinge in Breisach leben werden? "Das wird eine gigantische Aufgabe, die einen erheblichen Mehrbedarf an Kursleitern erfordert, und den wir mit den jetzt aktiven Ehrenamtlichen allein nicht abdecken können", lautet die Antwort von Melanie Geißendörfer. Der Breisacher Helferkreis sucht deshalb dringend weitere Ehrenamtliche, die Sprachkurse für Flüchtlinge geben wollen. Ebenso werden Räumlichkeiten für Kleingruppen benötigt, in denen die Kurse stattfinden können.

Kontakt und Info: http://www.helferkreis-breisach.de

Autor: Kai Kricheldorff