Von Abenteuer zu Abenteuer

Gelungene Premiere von "Pinocchio" auf der Festspielbühne

Frank Kreutner

Von Frank Kreutner

Mo, 22. Juni 2015 um 16:42 Uhr

Breisach

Pinocchio – jeder kennt ihn, den kleinen Kerl aus Holz mit der spitzen Nase, der von Fehler zu Fehler strauchelt, der keine Falle, die ihm gestellt wird, auslässt, der doch aber eigentlich nur ein guter Junge sein will.

Diese Erzählung des italienischen Autors Carlo Collodi hat Regisseur Peter W. Hermanns in diesem Jahr in einer sehr freien Bühnenfassung bearbeitet, die am Sonntagmittag als Kinderstück der Festspiele Breisach Premiere hatte.

Schon nach wenigen Augenblicken fühlt man sich auf den Marktplatz einer italienischen Kleinstadt versetzt, wo die mit ihrer Wäsche beschäftigten zupackenden Mamas in ihren liebevoll gestalteten Kostümen viel südländisches Temperament versprühen und zusammen mit ihrer Kinderschar den Boden bereiten für die zahlreichen Abenteuer, die Pinocchio (Eduard Dewaldt) zu bestehen hat.

Überhaupt liegt gerade in den mit großer Liebe zum Detail gestalteten Volksszenen der besondere Reiz der diesjährigen Inszenierung. Gleich zweimal sorgt beispielsweise das Teatro Spectacolo mit seinem Theaterdirektor Rigoletto (Jakob Stubert) im wahrsten Sinne des Wortes für ein Spektakel auf der Breisacher Freilichtbühne. Die Theater Combo weiß musikalisch bestens zu unterhalten. Auch zahlreiche Akrobaten bevölkern das Gelände und begeistern genauso wie die auf der Bühne agierenden Traditionsfiguren des Kasperletheaters, die Pinocchio mit ihrem Spiel in seinen Bann ziehen.

Vor dieser Kulisse muss Pinocchio, der sich neugierig auf den Weg macht, um die Welt zu erkunden, seine Abenteuer bestehen. Überall lauern finstere Typen, allen voran Donna Corleone (Alina Bürgin) und Al Capone (Mike Meier), die ihm eins auswischen wollen und es auf das wenige Geld abgesehen haben, das Pinocchio von seinem Vater Gepetto (Jörg Thiedig) bekommt, um endlich in die Schule gehen zu können.

Liebevoll gestaltete Kostüme

Aber Pinocchio hat auch Helfer. Allen voran Leporello, die "immergrüne Besserwissergrille" (Samuel Czerwinski)", die aber eigentlich gar nicht so besserwisserisch ist, sondern Pinocchio immer wieder einmal erdet und ihn an seinen Vater erinnert. Hilfe bekommt Pinocchio auch von Stella, einer Marionette aus dem Teatro Spectacolo, die sich in verschiedenen misslichen Situationen als sein Rettungsanker erweist, unter anderem als er vom "Mann ohne Hund" (Thomas Schweizer), sogar ohne einen Fehler begangen zu haben, als Wachhund missbraucht wird. Musikalisch begleitet wird Pinocchios Weg durch Gelatta (Laura Engist), die auf dem Keyboard und mit dem Akkordeon auch einen wichtigen Beitrag zum italienischen Flair auf dem Breisacher Münsterberg leistet. Ganz verzichtet hat Hermanns auf die "schöne Fee mit den himmelblauen Haaren", die in Collodis Erzählung eine zentrale Rolle spielt. Und das war sicher eine gute Entscheidung, verhindert sie doch, dass das Stück zu einem moralinsauren Tugendstück werden könnte, wie es der Erzählvorlage doch immer wieder einmal vorgeworfen wird.

Der Verzicht auf die Fee hat zwangsläufig auch zur Folge, dass der Wunsch Pinocchios, von einer hölzernen Puppe in einen Jungen verwandelt zu werden, überhaupt nicht thematisiert wird und eine solche Verwandlung konsequenterweise dann auch am Ende des Stücks ausgespart wird. Dafür endet das Stück mit der Rettung Geppetos aus den Gewalten des Meeres durch den mutigen Einsatz Pinocchios. Wie das Meer auf die Bühne der Festspiele gezaubert wird, soll hier aber nicht verraten werden.