Jodler, Blues und Tennisbälle

bp

Von bp

Mi, 12. Oktober 2011

Breisach

Das Schweizer Trio "Stomil" trat im Breisacher Radbrunnen auf.

BREISACH (bp). Wie eine "Volksmusik von morgen" klingen kann, erleben Konzertbesucher von "Stomil" bereits heute. Das Schweizer Trio trat auf Einladung des Kunstkreises Radbrunnen erstmals in Breisach auf und präsentierte dabei mit viel Spielwitz eine ganz eigene Mischung musikalischer Stilrichtungen sowie reichlich Improvisationstalent.

Weil Hartmut Nold, der üblicherweise das Vibraphon, Gongs und Metallplatten zum Klingen bringt, erkrankt war, sprang kurzfristig Sonja Boesnach mit dem Schlagzeug ein. Dass sie noch nie in dieser Formation mit Kathrin Künzi und Felix Probst auf der Bühne gestanden hat, war angesichts des feinfühligen Zusammenspiels kaum vorstellbar.

Künzi steht mit ihrer Stimme im Mittelpunkt des Trios. Warum ihre Gabe nicht mit dem herkömmlichen Begriff "Gesang" umschrieben wird, wurde schnell deutlich. Nachdem Probst mit wenigen Tönen seines Saxophons das Bild eines Schweizer Panoramas, vor dem Alphornbläser spielen, heraufbeschworen hatte, vervollkommnete Künzi die alpenländische Atmosphäre mit einigen erdigen Jodlern. Dabei stellte sie bereits ihr außerordentliches Stimmspektrum unter Beweis. Doch schon im nächsten Moment brachte sie verstörende, markerschütternde Einzeltöne heraus, die von tödlichem Schrecken und geradezu unmenschlichem Leid zeugten. Auf diese befremdliche Passage ohne erkennbare Gesangsmelodie folgte ein heimeliger, zartschmelzender Volksgesang, der erneut auf die musikalischen Wurzeln der Formation verwies.

Probst untermalte und begleitete die weibliche Stimme mit beharrlichem und zugleich pointiertem Spiel auf seinem Saxophon und der Bassklarinette. In einem Stück kam es zu einem herben "Wortwechsel" zwischen menschlicher Stimme und instrumentalem Pendant, der das Publikum sehr amüsierte.

Den Interpreten gelang es dabei, ohne die Hilfe von verständlichen Worten, eine von Stimmungswechseln geprägte Auseinandersetzung eines Paares zu vertonen.

Während dieser nonverbale Schlagabtausch ohne Übersetzung auskam, half Künzi ihren Zuhörern bei traditionellen Schweizer Volksliedern gern mit einer charmanten hochdeutschen Erläuterung. So wurden auf neuen Pfaden und mit Hilfe unterschiedlichster Stilelemente Einheit und Gegensätzlichkeit ergründet, traditionelles Liedgut mit experimentellem gemischt und Sagen über Teufel und Senner mit dem Einsatz von Klangschalen und Tennisbällen als Schlagzeugstock verbunden. Auch ein satter Blues durfte nicht fehlen. Am Ende entstand in verblüffender Symbiose ein interaktives Klangerlebnis, das vom Trio selbst nicht zu Unrecht als "verschroben poetisch und erdenschön" bezeichnet wird und sicher mehr Zuhörer in Breisach verdient gehabt hätte.