Sichtbar gemachte Musik

kff

Von kff

Do, 29. März 2012

Breisach

Im Radbrunnen stellt Gabriela Stellino Aquarelle aus .

BREISACH (kff). Kann man Musik sichtbar machen? Dieser Frage sind viele bildende Künstler nachgegangen und zu sehr unterschiedlichen Resultaten gekommen. Im Breisacher Radbrunnen wird jetzt eine Ausstellung gezeigt, die einen ungewöhnlich zurückhaltenden und vielleicht gerade deshalb besonders interessanten Versuch unternimmt, Klänge in Bilder umzusetzen.

Die in Buenos Aires geborene Künstlerin Gabriela Stellino lebt in Riegel und lehrt als Dozentin an der Akademie für Kommunikation in Freiburg. Sie selbst musiziert nicht, lässt sich aber in ihrem aktuellen Projekt von den 24 Préludes des impressionistischen Komponisten Claude Debussy (1862 – 1918) zu kleinen, fragilen Bildkompositionen inspirieren.

In ihrer Ausstellung zeigt sie Skizzenbücher und Aquarelle zu Debussys pianistischen Fantasien. Entstanden sind sie im Rahmen eines intermedialen Projekts, das die Künstlerin mit ihrem argentinischen Landsmann, dem Pianisten Fernando Viani, entwickelt hat. Zarte, ineinander übergehende Farben mit hier und da verhalten gesetzten Akzenten geben ihren Bildern Harmonie und etwas Fließendes, Unbegrenztes, das als musikalische Klangfolge oder Melodie zu interpretieren ist.

Was wie intuitiv entstehende Farbkompositionen wirkt, hat Stellino geplant. Ihre Sujets entwickelt sie akribisch in Vorskizzen, legt dabei Farben und Linienverläufe fest, um sie dann als Aquarelle in kürzester Zeit treffsicher auf das Papier zu bringen. Nichts überlässt sie dem Zufall, und doch sieht es so aus, als sei alles spontan, der Inspiration des Augenblicks folgend entstanden.

Der Künstlerin geht es aber gerade eben nicht um Spontaneität, sondern um das Durchdringen der Kompositionen Debussys und die gedankliche visuelle Umsetzung seiner Musik. Damit verfolgt sie ein anspruchsvolles Unterfangen, das, wenn man sich als Betrachter darauf einlassen mag, eine Idee von der Ganzheitlichkeit der Kunst vermittelt. Beim Schreiben seiner Préludes hat sich der Komponist von der Lyrik des Dichters Stéphane Mallarmé beeinflussen lassen. Gabriela Stellino überträgt die gedankenverloren wirkende Musik in zarte, aber eindringliche Farbkompositionen.

Ihre Arbeit ist als "work in progress" zu verstehen, denn gemeinsam mit Fernando Viani führt sie das Projekt "Belebte Bilder" weiter. Ihre Aquarelle sollen bald als filmische Projektion in Überblendtechnik zu den Préludes gezeigt werden.

Auf der gut besuchten Vernissage erläuterte die Offenburger Kunstwissenschaftlerin Susanne Ramm-Weber die anspruchsvollen Arbeiten der Malerin auf eine Weise, die eine verständliche Antwort auf die eingangs erwähnte Frage geben konnte: Musik lässt sich sichtbar machen. Gabriela Stellino zeigt es mit ihren Bildern in der vom Kunstkreis Radbrunnen veranstalteten Ausstellung.

Die Ausstellung "Malerische Préludes nach Debussy" von Gabriela Stellino ist bis 1. Mai im Radbrunnen auf dem Breisacher Münsterberg zu sehen. Öffnungszeiten: Freitag 14 bis 18 Uhr, Samstag, Sonntag und an Feiertagen 11.30 bis 13 und 14 bis 18 Uhr.

Weitere Informationen gibt es auf http://www.kunstkreis-radbrunnen.de