Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

01. Juli 2016 16:01 Uhr

Zwischen Empathie und Distanz

Stefanie Rizzo koordiniert Helferkreise für Flüchtlinge

Seit Januar 2016 ist Stefanie Rizzo Koordinatorin für die ehrenamtlichen Helfer und die Helferkreise, die sich um die in Breisach, Ihringen, Merdingen, Umkirch, Gottenheim, Bötzingen und Vogtsburg lebenden Flüchtlinge kümmern.

  1. Stefanie Rizzo ist im Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald für die Koordination der Flüchtlingshelferkreise zuständig. Foto: Kai Kricheldorff

BREISACH. Damit besetzt die Mitarbeiterin des Landratsamtes Breisgau-Hochschwarzwald eine wichtige Schnittstelle im Rahmen der Bemühungen, die Migranten möglichst schnell und nachhaltig in die Gesellschaft zu integrieren.

Für diese Aufgabe bringt die Diplom-Sozialpädagogin zwei wichtige Voraussetzungen mit: Kommunikationsstärke sowie eine ausgewogene Balance zwischen Empathie und Distanz. Beides ist erforderlich, um die gestellten Anforderungen erfolgreich umzusetzen.

Unverzichtbare Mittlerrolle
Als eine von sechs Ansprechpartnerinnen im Landkreis ist Stefanie Rizzo für alle da, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren. Allein in Breisach sind das gegenwärtig über 130 Personen. Rizzo nimmt dabei eine unverzichtbare Mittlerrolle wahr, indem sie die verschiedenen Kooperationsangebote der Helferkreise aufnimmt und die Flüchtlinge über diese informiert. "Es ist enorm, mit wie viel Energie, Zeitaufwand und auch Phantasie die Menschen in den Helferkreisen ihre Unterstützung anbieten", lobt Rizzo das Engagement der Helfer und betont, wie wichtig es ist, dass diese mit ihren Anliegen auch zum Zuge kommen. Sie weiß, dass ins Leere laufende Hilfsangebote bei den Unterstützern Frust hinterlassen würden.

Werbung


Spracherwerb hat Vorrang
Gleichwohl sieht sie ihre Aufgabe auch darin, "transparent zu machen, wo die Prioritäten bei den Hilfsangeboten liegen müssen". Kursangebote für den Spracherwerb haben Vorrang vor Offerten für die Freizeitgestaltung. Und die verschiedenen Standorte, für die Rizzo zuständig ist, müssen mit unterschiedlicher Intensität betreut werden. "Die gerade im Aufbau begriffene Behelfsunterkunft in Bötzingen braucht derzeit höhere Aufmerksamkeit als die Einrichtung in der Murhau in Breisach, die schon seit fast einem halben Jahr besteht", erklärt Rizzo.

Hilfe zur Selbsthilfe
Mit ihren Kolleginnen und Kollegen vom Sozialdienst in den anderen Flüchtlingsunterkünften des Landkreises tauscht sie sich regelmäßig aus, ebenso wie mit den Sprechern der Helferkreise und Vertretern der Betreiberfirma ORS. Die Entlastung der Ehrenamtlichen bei der Flüchtlingsbetreuung sieht Stefanie Rizzo als ihre Hauptaufgabe an. Den Flüchtlingen Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, stehe dabei im Vordergrund. Es gelte, die Selbstständigkeit der Menschen zu fördern. Die Ehrenamtlichen würden dabei sehr gute Arbeit leisten, sagt Rizzo, und hebt vor allem deren hohen Einsatz hervor. Koordinierend eingreifen muss sie dann, wenn gut gemeinte Unterstützungsarbeit nicht ganz so gut umgesetzt werde, was aber selten vorkomme. "In dieser Beziehung hat sich die Lernbereitschaft der Helfenden als sehr hoch erwiesen", sagt Stefanie Rizzo. Nur in Einzelfällen komme es zu gelegentlichen Differenzen, wenn die Vorstellungen der Helfer sich nicht mit den Konzepten für die angestrebte Integration der Flüchtlinge decken würden. "Da hat sich durchaus auch ein beidseitiger Lernprozess entwickelt", hat Rizzo festgestellt.

Positiv bewertet sie die Weiterbildungsbereitschaft der Ehrenamtlichen. Den hohen Schulungsbedarf der Helferinnen und Helfer managt sie in Zusammenarbeit mit Sozialverbänden wie der Caritas oder dem Diakonischen Werk.

Sie gesteht, dass sie viele ihrer anfänglichen Vorstellungen in Bezug auf nationale, kulturelle aber auch religiöse Unterschiede bei den Flüchtlingen über Bord habe werfen müssen. Die Praxis unterscheide sich eben oft von der Theorie. Die Menschen in den Unterkünften, in denen sie ihren Dienst ausübt, erlebt Stefanie Rizzo als "sehr offen, lernwillig". Aufgeschlossen gingen sie auf die Angebote zu, die ihnen unterbreitet werden. "Die Bereitschaft zur Integration ist sehr groß, alle wollen schnellstmöglich arbeiten und kein Flüchtling erwartet, dass ihm Leistungen auf dem Silbertablett angeboten werden, davon kann keine Rede sein."

Traumatische Gewalterfahrungen
Das persönliche Schicksal der nach Deutschland geflohenen Menschen, von denen viele traumatische Gewalt- und Fluchterfahrungen zu bewältigen haben, und mit denen sie täglich in Kontakt ist, lässt Stefanie Rizzo sicherlich nicht unberührt. Sie weiß jedoch, dass professionelle Distanz eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Koordinationsarbeit und damit für das Gelingen der Integration der Flüchtlinge ist.

Autor: kff