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21. September 2012 18:07 Uhr

Trinkwasser für drei Gemeinden

Trinkwasserverbund könnte das Chloridproblem lösen

Die Breisacher Stadtverwaltung überlegt, bei der Wasserversorgung mit den Nachbargemeinden Ihringen und Merdingen einen Verbund einzugehen und das Trinkwasser ganz oder teilweise aus dem Wasserwerk Hausen zu beziehen.

  1. Das Chlorid im Breisacher Trinkwasser greift Leitungen und Rohre an. Foto: rainer klotz

BREISACH / IHRINGEN / MERDINGEN. Die Breisacher Stadtverwaltung und die Kommunalpolitiker denken darüber nach, bei der Wasserversorgung mit den Nachbargemeinden Ihringen und Merdingen einen Verbund einzugehen und das Trinkwasser ganz oder teilweise aus dem Wasserwerk Hausen zu beziehen. Dann müssten die Breisacher Bürger zwar mehr für ihr Wasser bezahlen, allerdings wäre dieses im Gegensatz zu heute deutlich weniger salzig. In der jüngsten Gemeinderatssitzung präsentierten Vertreter der Badenova das Konzept.

Als Folge des Kalibergbaus im Elsass ist der Chloridgehalt des Breisacher Trinkwassers bekanntlich deutlich über den Vergleichswerten in der Region. Zwar werden die Grenzwerte weit unterschritten, aber viel öfter als anderswo fließt aus den Wasserhähnen in Breisach rosthaltiges Wasser. Ein Zeichen, dass die Wasserrohre vom Salz angegriffen sind, auch im öffentlichen Netz sind Verschleiß und Reparaturkosten höher als in anderen Gemeinden. "Die Chloridblase schlummert unter uns und ist ein negatives Alleinstellungsmerkmal von Breisach", brachte Bürgermeister Oliver Rein das Problem auf den Punkt, das sich so schnell nicht von selbst lösen wird. Erst in den nächsten 50 Jahren wird laut einer Studie des Landes damit gerechnet, dass der Chloridgehalt im Grundwasser zurückgeht. Dass die Stadtverwaltung das Thema jetzt auf die Tagesordnung setzte, hängt auch damit zusammen, dass zwei Sanierungen anstehen: die Erneuerung des Pumpwerks in Gündlingen und der Leitung von Breisach nach Hochstetten. Als Vertreter des Energieversorgers Badenova, der seit 23 Jahren für die Trinkwasserversorgung in Breisach zuständig ist, stellten Johann-Martin Rogg und Klaus Rhode das Konzept für einen Trinkwasserverbund vor.

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Die jetzige Wasserversorgung
Die Trinkwasserversorgung in Breisach besteht aus drei Bereichen: der Versorgung der Kernstadt mit zwei Tiefbrunnnen, dem Wasserwerk Gelbstein und der Druckerhöhungsanlage Oberstadt, der Wasserversorgung Gündlingen mit einem Tiefbrunnen und der Wasserversorgung Rimsingen (Ober- und Niederrimsingen und Grezhausen), die an den Wasserversorgungsverband Tuniberg angeschlossen ist und das Wasser aus dem Wasserwerk Hausen bezieht. Der Tiefbrunnen in Gündlingen muss erneuert werden, dabei geht es auch darum, eine ausreichende Löschwasserversorgung zu gewährleisten. Die Kosten werden mit 250 000 Euro veranschlagt. Erneuert werden muss auch die Trinkwasserleitung Breisach- Hochstetten, die Kosten werden auf 600 000 Euro geschätzt.

Chloridbelastung und ihre Folgen
Die Chloridfahne befindet sich in einer Tiefe von 50 bis 250 Metern. Die Breisacher Tiefbrunnen sind so gestaltet, dass sie möglichst gleichmäßig laufen. So soll verhindert werden, dass Chlorid aus tieferen Lagen hochgepumpt wird. Wenn aber die Möhlin im Sommer wenig Wasser führt, wird zwangsläufig auch mehr Chlorid nach oben gepumpt. Der hohe Salzgehalt im Trinkwasser verursacht erhebliche Kosten für die Gemeinde und die Privathaushalte. Im Vergleich zu Freiburg halten die Rohre in Breisach nur halb solang, ergab eine Studie der Badenova. Die Haltbarkeit der metallischen Hausinstallationen beläuft sich gerade mal auf die Abschreibungsdauer von 25 Jahren.

Situation in den Nachbargemeinden
Auch in Ihringen und Merdingen besteht Handlungsbedarf. In Merdingen wird das Trinkwasser nur aus einem Gebiet gewonnen. Eine zweite Versorgungsmöglichkeit gibt es nicht. Das Pumpwerk in Merdingen muss generalsaniert werden. Ihringen und Waltershofen sichern ihre Trinkwasserversorgung gegenseitig ab. Fällt in einer Gemeinde der Tiefbrunnen aus, ist diese Absicherung aber nicht mehr möglich. Der gemeinsame Verbund würde die Notversorgung gewährleisten.

Die Vorteile eines Verbunds
Sowohl Breisach wie auch Ihringen und Merdingen würden an das Wasserwerk Hausen angeschlossen. Für Breisach hätte dies zur Folge, dass die Salzbelastung im Trinkwasser deutlich zurückgeht. Als zweite Versorgungsmöglichkeit bleiben die bestehenden Anlagen und die beiden Tiefbrunnen aber erhalten. In Gündlingen würde der Tiefbrunnen nur noch als Notversorgung dienen, das spart Sanierungs- und Betriebskosten. Die Erneuerung der Leitung von Breisach nach Hochstetten wäre Bestandteil der Verbundlösung und somit für die Stadt Breisach als kostenneutral anzusehen.

Die Kosten
Die Gesamtkosten für den Wasserverbund hat die Badenova mit 3 Millionen Euro veranschlagt. Der Gemeinderat muss sich entscheiden, ob das Breisacher Trinkwasser künftig ausschließlich vom Wasserwerk Hausen kommen soll, also von der Badenova bezogen wird, oder ob das Hausener Wasser mit dem Wasser aus den bestehenden Breisacher Tiefbrunnen gemischt wird. Bei dieser Teillösung sinkt zwar der Chloridgehalt, aber das Wasser bleibt dennoch salzhaltig. Allerdings müssten die Verbraucher in diesem Fall nur 27 Cent mehr als jetzt pro Kubikmeter bezahlen. Bei der Volllösung wären es 40 Cent mehr.



Wie geht es weiter?
Die Breisacher Gemeinderäte bewerteten das Projekt grundsätzlich positiv. Auch in der vereinbarten Verwaltungsgemeinschaft Breisach-Ihringen-Merdingen soll jetzt darüber beraten werden. Die Stadtverwaltung wird Fördermöglichkeiten ausloten. Die Landesregierung hat eine Novellierung der Richtlinien angekündigt. Voraussichtlich 2014 könnten erste Anträge gestellt werden. Der Gemeinderat beauftragte die Verwaltung, über den Stand der Planungen erneut zu berichten. Auch soll geprüft werden, ob es sich lohnt, den Tiefbrunnen in Gündlingen zu erhalten, eventuell auszubauen und in den Verbund einzubinden. Groß ist die Sorge, dass die Retention negative Folgen auf die Qualität des Trinkwassers haben könnte. Vom Gemeinderat wurde gefordert, dass die Verwaltung prüfen soll, ob gegenüber dem Land Regressansprüche geltend gemacht werden können. Sollte sich der Gemeinderat für den Wasserverbund entscheiden, wird die Stadt eine Bürgerversammlung zu dem Thema ausrichten.

Breisacher Trinkwasserversorgung

Netz: 85,3 Kilometer Hauptleitungen und 43,2 Kilometer Hausanschlussleitungen;

Verbraucher: 14 700 (mit Ortsteilen);

Verbrauch: 840 000 Kubikmeter pro Jahr ;

Wasserpreis: 1,60 Euro pro Kubikmeter plus 7 Prozent Mehrwertsteuer

Autor: Agnes Pohrt