Wein

Der Badische Winzerkeller legt in allen Bereichen zu

Gerold Zink

Von Gerold Zink

Do, 29. Juni 2017

Breisach

Die Breisacher Kellerei steigert ihren Umsatz, Absatz und das Traubengeld für die Winzer. Vorstandsvorsitzender Peter Schuster sagt: "Die neue Strategie greift".

BREISACH. Der Badische Winzerkeller steuert wieder erfolgreicheren Zeiten entgegen. So gelang es Badens größter Winzergenossenschaft im Geschäftsjahr 2016, nicht nur Absatz und Umsatz, sondern auch die Traubengeldauszahlung an die Winzer leicht zu steigern. Dieser positive Trend setzt sich nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden Peter Schuster und seines Vorstandskollegen Eckart Escher bislang auch 2017 fort.

Gegen den Trend zugelegt
Der deutsche Weinmarkt ist nach wie vor extrem hart umkämpft. In keinem anderen Land der Welt wollen so viele Winzer ihre Produkte verkaufen. Da der Pro-Kopf-Verbrauch bei 20,6 Litern nahezu stagniert, ist die Branche von einem harten Verdrängungswettbewerb gekennzeichnet. So ist der Marktanteil Badens im vergangenen Jahr von 12,1 auf 10,9 Prozent gesunken.

"Wir haben gegen den Markttrend im Umsatz zugelegt und können erfreulicherweise von einem erneuten Wachstum sprechen", sagte Schuster am Donnerstag bei der Vorstellung der Zahlen für das Geschäftsjahr 2016. In der Vergangenheit hatte der Breisacher Kellerei vor allem der stetig sinkende Umsatz zu schaffen gemacht.

2015 gelang dann erstmals mit einer Steigerung um 1,5 Prozent die Kehrtwende. 2016 erhöhte sich der Umsatz nun um 2,1 Prozent von 40,9 auf 42,2 Millionen Euro. Dies ist laut Schuster vor allem dem Ausbau der Vertriebsmannschaft, der Steigerung der Weinqualität, Innovationen auf dem Markt und dem neuen Slogan "Badischer Winzerkeller – Die Sonnenwinzer" zu verdanken. Für das laufende Geschäftsjahr peilen Schuster und Escher sogar eine Umsatzsteigerung um 5 Prozent an.

Auf Marken setzen
Auch der Absatz und der Durchschnittserlös je Liter Wein konnten 2016 erhöht werden. So wurden 14,6 Millionen Liter (Vorjahr 14,1 Millionen) zu einem Durchschnittspreis von 2,90 Euro (Vorjahr 2,88 Euro) abgesetzt. Nach den ersten 5 Monaten des neuen Geschäftsjahres liegt dieser Wert sogar bei 3,07 Euro je Liter. Schuster führt dies vor allem darauf zurück, dass es gelungen ist, bei den Markenprodukten Martin Schongauer (plus 7 Prozent) und Schloss Munzingen Sekt (plus 13 Prozent) hohe Zuwächse zu erzielen.

Der Winzerkeller will künftig noch stärker auf Markenprodukte setzen, "weil wir dann in den Regalen weniger austauschbar sind", wie Schuster erklärte. So wurde zum Beispiel gemeinsam mit dem bekannten Sylter Fischspezialisten Gosch für den Lebensmittelhandel eine Linie mit vier neuen Weinen kreiert, die besonders gut zu Fischgerichten passen. Auch beim Traubengeld für die Winzer macht das Unternehmen kleine Fortschritte. Die Auszahlung je Hektar Weinberge stieg laut Escher von 9290 auf 9333 Euro. Damit liege der Winzerkeller im badischen Mittel. Die Einkommen der Winzer weiter zu erhöhen, sei das wichtigste Ziel der Zukunft.

Rund 80 Prozent seiner Weine liefert der Badische Winzerkeller an den Lebensmittelhandel sowie an den Discount. 15 Prozent gehen an den Fachhandel, in die Gastronomie und in den Export. Die restlichen 5 Prozent werden direkt an die Verbraucher abgesetzt. In diesem Bereich gab es 2016 eine Erhöhung um 10 Prozent. Doch auch der Lebensmittelhandel sowie die Discounter orderten laut Schuster mehr Wein in Breisach als im Vorjahr.

Weitere Optimierungen geplant
Insgesamt sehen Schuster und Escher noch weitere Möglichkeiten, das Unternehmen zu optimieren – angefangen von der Arbeit im Weinberg über die Anlieferung und den Ausbau der Trauben bis hin zum Absatz der Weine. "Wir haben den richtigen Weg eingeschlagen", ist sich Schuster sicher. Dass 2016 keine Mitgliedsgenossenschaft beim Badischen Winzerkeller gekündigt hat und die Rebfläche relativ konstant geblieben ist, werten die beiden Vorstandsmitglieder als Beleg dafür, dass dies auch viele Winzer so sehen. Darüber hinaus habe man in den vergangenen zwei Jahren die Anlieferung der Trauben für die Mitglieder durch eine zweite Station für Traubenvollernter deutlich verbessert. In naher Zukunft wolle man noch flexibler werden, kündigte Schuster an. Auch dies mache den Badischen Winzerkeller für Weinbauern, die in ihrer Genossenschaft unzufrieden sind, wieder attraktiv. Um einzelne Interessenten aufnehmen zu können, hat der Badische Winzerkeller eine kleine Genossenschaft gegründet. Schuster ist es jedoch wichtig, darauf hinzuweisen, "dass wir niemanden aktiv abwerben werden".

Viele Auszeichnungen
Besonders stolz ist die Breisacher Kellerei auf die vielen Auszeichnungen und Prämierungen des vergangenen Jahres. So habe die Kellerei bei der Badischen Weinprämierung zwei Ehrenpreise erhalten. Zudem seien Jörg Wiedemann und Ottmar Ruf als beste Kellermeister Badens ausgezeichnet worden. Bei zahlreichen nationalen und internationalen Wettbewerben habe es Medaillen für die Weine des Winzerkellers gegeben. Dies sei auch ein Erfolg der Winzer, sagte Schuster.

Die von den Mitgliedern der Kellerei bewirtschaftete Rebfläche hat sich 2016 nur leicht von 1770 auf 1741 Hektar verringert. Bei der Ernte 2016 wurden insgesamt 17,2 Millionen Liter Wein eingelagert, deutlich mehr als im Vorjahr, als es nur 14,8 Millionen Liter waren. Der Bestand an Wein und Sekt hat sich zum 31. Dezember 2016 um rund eine Million auf 26,6 Millionen Liter erhöht. "Damit sind wir voll lieferfähig", sagte Schuster. Die Preise für ihre Weine erhöhen will die Genossenschaft in diesem Jahr nicht. Das gebe der Markt nicht her.

Neue Investitionen
Ein wichtiges Ziel der beiden Vorstandsmitglieder ist es auch, den Investitionsstau weiter abzubauen. Nach 7,7 Millionen Euro 2015 wurden im vergangenen Jahr nun 1,6 Millionen Euro investiert. So müssten im Keller unter anderem große Tanks durch kleinere ersetzt werden. Bewährt habe sich die neue Abfüllanlage. Weitere Investitionen in Prozesse, Technik und die EDV seien vorgesehen.

Insgesamt blickt Schuster positiv in die Zukunft: "Die neue Strategie greift", betonte er. Weiter im Fokus stünden die Präsenz und Schlagkraft in den wichtigsten Vertriebsschienen des Winzerkellers.