"Wir kochen viel mehr mit Gemüse"

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Sa, 18. November 2017

Breisach

Frauen aus Syrien, dem Irak und Afghanistan treffen sich in der Schulungsküche des Landratsamtes zu einer Koch- und Probieraktion.

BREISACH. Zu einer gemeinsamen Koch- und Probieraktion hat das Forum ernähren, bewegen, bilden des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald eine Gruppe von Frauen aus Syrien, dem Irak und Afghanistan in seine Schulungsküche in Breisach eingeladen. Unterstützt wurde das Forum dabei vom Helferkreis für Flüchtlinge und der Tafel in Breisach.

Bei einer "Reise durch die deutsche Küche" konnten die Gäste typische deutsche Gemüsearten probieren – roh und gekocht. Hannelore Green, Mitarbeiterin des Forums, stellte einzelne Gemüsearten wie Kürbis und Lauch vor. Die anwesenden Kinder im Vorschulalter kannten bereits die deutschen Bezeichnungen dafür. Die meisten Gemüsearten waren bekannt, doch wurden auch Unterschiede deutlich: "Bei uns wachsen Obst und Gemüse das ganze Jahr über", sagte eine Frau und eine andere ergänzte: "Bei uns wächst es schneller." Eine dritte meinte: "Wir kochen viel mehr mit Gemüse."

Koriander und Kardamom
Es ging weiter mit dem Würzen einer Gemüsesuppe. Bereit stand die volle Bandbreite an Gewürzen wie Pfeffer, Curry, Ingwer, Kreuzkümmel, Koriander oder Kardamom. Letztere beiden hätte Hannelore Green normalerweise nicht aus dem Gewürzregal geholt. Eine junge Frau aus Afghanistan fragte dagegen nach "Maggi", was allgemeines Schmunzeln hervorrief. Mit großen Augen durften die Kinder kleine "Weckle" backen. Besonders viel Spaß bescherten ihnen auch die vielen Eieruhren in der Schulungsküche.

Cornelie Büchner, Sonderpädagogin und ehrenamtlich im Helferkreis tätig, begleitete die Gästegruppe. "Eine indonesische Dame und ich betreuen ein Kochprojekt in den Räumen des Blauen Hauses in Breisach", berichtete sie. "Abwechselnd ist jede von den dreißig bis fünfzig Teilnehmerinnen einmal Chefköchin."

Nach den heimischen Koch- und Essgewohnheiten gefragt, antwortete Roula, eine Studentin aus Damaskus: "Bei uns gibt es viele kleine Gemüseläden. Viele haben zwar Gemüse im Garten, kaufen aber dazu. Gemüse gibt es täglich, oft mit Reis und zweimal wöchentlich auch Fleisch. In Syrien schmeckt es besser, weil das Gemüse frisch ist. Ich koche jeden Tag für meine Familie. Das Essen in Deutschland ist für mich normal."

Triva dagegen, Kurdin und Hausfrau aus einer kleinen Stadt im Irak, kocht nur zweimal wöchentlich Gemüse, das man auf dem Markt kauft. "Ansonsten gibt es Reis, Fleisch, Suppe und Nudeln. Hier koche ich anders als zu Hause, es gibt öfter Nudeln und unterschiedliche Käsesorten und seltener Reis. Das Gemüse hier ist das gleiche wie im Irak. Manches hole ich mir von der Tafel in Breisach".

Auch Farede, Hausfrau und Schneiderin aus einer ländlichen Gegend Afghanistans, kocht täglich. "Wir hatten immer genug zu essen", berichtete sie. "Wir essen alle Sorten Gemüse. In Deutschland bekommt man ja alles. Am liebsten mögen wir Auberginen und Tomaten. Lauch gibt es bei uns nicht, aber er schmeckt uns." Sie backt auch Brot, denn das schmecke besser als das deutsche.

Das Forum ernähren, bewegen, bilden will den eingeschlagenen Weg fortsetzen und auch künftig gemeinsame Veranstaltungen mit Flüchtlingen organisieren.