Französische Vauban-Städte sind für Ergänzungsantrag

Wird auch das Rheintor Weltkulturerbe?

kff

Von kff

Mo, 11. April 2016 um 19:06 Uhr

Breisach

Zwölf französische Vauban-Städte sind seit 2008 gemeinsam Unesco-Weltkulturerbe. Beim Jahrestreffen der Städte in Neuf-Brisach ging es auch um die Aufnahme des Breisacher Rheintors in das Netzwerk. BZ-Mitarbeiter Kai Kricheldorff sprach mit Breisachs Bürgermeister Oliver Rein, der bei dem Treffen dabei war.

NEUF-BRISACH/BREISACH.

BZ: Was waren die wichtigsten Themen, der Verbandstagung des "Réseau des sites majeurs Vauban" in der Schwesterstadt Neuf-Brisach?

Rein: Einen Schwerpunkt bildete die Beratung darüber, wie der Verband sich in der Frage positioniert, mit welchen Städten ein Ergänzungsantrag gestellt werden soll. Einig war sich der Verband, dass die Erweiterung des Vauban-Netzwerkes um eine ausländische Festung beantragt werden soll. Ich bin sehr froh und dankbar dafür, dass sich die Vorstandsmitglieder einstimmig für Breisach am Rhein ausgesprochen haben.

BZ: Ist Breisach damit dem Ziel des seit über zehn Jahren gehegten Wunschs, im Tandem mit Neuf-Brisach eine Stadt mit Weltkulturerbe zu werden, ein Stück näher gekommen?

Rein: Ich glaube, dass die Aussichten, für eine erfolgreiche Bewerbung Breisachs, jetzt wesentlich besser sind. Der Verband der französischen Vauban-Städte wird mit dem Anliegen demnächst bei der französischen Staatsregierung in Paris vorstellig werden. Wenn das zuständige Ministerium den Antrag geprüft hat und ihn befürworten sollte, dürfte es über die deutsche Botschaft der Bundesregierung den Vorschlag für die grenzüberschreitende Bewerbung das Unesco-Weltkulturerbe unterbreiten. Es wird offiziell ein Ergänzungsantrag mit zwei weiteren französischen Städten sowie der Stadt Breisach am Rhein gestellt werden.

BZ: Also ein anderer Verfahrensweg als der vorangegangene, der ja nicht zum erwünschten Ergebnis geführt hat …?

Rein: Mit Neuf-Brisach sind wir seit 2005 darüber einig, dass es historisch gerechtfertigt und aus wirtschaftlichen und touristischen Gründen auch sinnvoll wäre, wenn beide Städte das Kulturerbe des Festungsbaus von Vauban am südlichen Oberrhein gemeinsam pflegen. Für eine Bewerbung als Weltkulturerbe-Standorte könnten sowohl die jetzt ausgesprochene Bekräftigung des Städteverbands als auch die Einbindung der Regierungen in Paris und Berlin dafür sicherlich neue Impulse geben.

BZ: Das Pfund, das Breisach als Vauban-Stadt und Weltkulturerbe-Standort in die Waagschale werfen kann, ist das von Vauban erbaute Rheintor …

Rein: Richtig, wir haben bei französischen Experten ein Fachgutachten zum Rheintor in Auftrag gegeben. Das bestätigt die Einzigartigkeit dieses Bauwerks. Seine wechselvolle Geschichte zeigt exemplarisch einen Teil der Geschichte Europas auf und ist als Symbol dafür zu sehen, wie die zwei einst sich feindlich gegenüberstehenden Bastionen von Alt-Breisach und Neuf-Brisach in Freundschaft zusammengekommen sind.



BZ: Müsste Breisach, sollte die Bewerbung Erfolg haben, als eine der Vauban-Städte und Teil des Unesco-Weltkulturerbes dann auch eine Vorleistung erbringen, etwa die Fassadensanierung des Rheintors?

Rein: Was zu erbringen ist, ist jetzt noch nicht absehbar. Möglicherweise müsste die Fassade zur Straße hin in der ursprünglichen Farbgebung wieder hergestellt werden, sicherlich müssten jedoch Sichtachsen zum Rheintor garantiert werden. Dies würde die Stadt aber mit und ohne Unesco-Weltkulturerbe-Status sowieso garantieren.

Vauban und die Vaubanstädte

Sébastien La Prestre de Vauban (1633 bis 1707) war General und Marschall der französischen Armee, der er während der Regentschaft von König Ludwig XIV. 56 Jahre lang diente und dessen Festungsbaumeister er wurde. Der von Vauban geschaffene "eiserne Gürtel" von Befestigungsanlagen sicherte die Grenzen des Königreichs. Der "Ingenieur von Frankreich" plante und baute 33 Bastionen, 160 Platzanlagen in französischen Städten sowie viele weitere Projekte. Als sein Hauptwerk gilt die sternförmige Festungsanlage von Neuf-Brisach. Noch vorhandene Bauwerke Vaubans stehen in Frankreich, Belgien sowie in Deutschland (Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Saarland).

Zu den zwölf Städten des Verbands "Réseau des sites majeurs Vauban" zählen neben Neuf-Brisach unter anderem Besançon (Franche-Comté), Arras (Nordfrankreich), Camaret-sur-Mer (Bretagne), Mont Dauphin (Provence) und Villefranche-de-Conflent (Pyrenäen).

Zur Person

Oliver Rein (43) ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Geboren wurde er in Geislingen an der Steige. Er wuchs in Staufen auf und studierte Jura an der Universität Freiburg. Bevor der Jurist im Jahr 2000 Beigeordneter der Stadt Breisach wurde, war er bei der Freiburger Stadtbau beschäftigt. Seit 2006 ist er Bürgermeister der Stadt Breisach. Rein ist Mitglied der CDU und Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald.