Breisgau

Bugginger "Tanz-Linde" von Böe beschädigt

Volker Münch

Von Volker Münch

So, 12. August 2018 um 11:03 Uhr

Buggingen

Die "Tanz-Linde" gehörte einst zum benachbarten Gasthaus Krone, der ehemaligen Mitte des Dorfes. Hier wurden viele Feste gefeiert. Trotz Schadens hat der 170-jährige Baum überlebt.

Ein kurzer, ohrenbetäubender Lärm, und schon krachte ein tonnenschweres Teil des Hauptstamms der Tanz-Linde an der Bugginger Hauptstraße direkt neben Inge Collin in den Garten. Eine heftige Sturmböe am Donnerstagnachmittag gegen 13.45 Uhr ließ den Stamm unterhalb der Krone explosionsartig zerbersten. Anschließend bemühten sich Baumpfleger darum, den übrig gebliebenen Teil des 170 Jahre alten Naturdenkmals wieder zu einem Baum zu formen.

Die Linde hatte in ihren vielen Lebensjahren so manchen Sturm und manche Schneelast ertragen. Auch dem Bau der Straße und der Konstruktion der Grundstücks- und Böschungsmauern trotzte sie mit ihrem kontinuierlichen Wachstum, ohne sichtbare Schäden zu zeigen. Nur das Alter, die Mächtigkeit des Baums und die Kernfäule im Innern des Stammes ließen die Baumexperten immer wieder tätig werden. So wurden im Laufe der vergangenen Jahre Kronenanker zur Stabilisierung montiert und regelmäßige Astschnitte ausgeführt, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten.

Jetzt wurden die Anwohner Zeuge eines Naturschauspiels, das um ein Haar für die Grundstückseigentümer böse geendet hätte. "Einen Moment zuvor war mein Mann ins Haus gegangen. Dann hörte ich ein ohrenbetäubendes Krachen, und schon schlug ein Teil des Stamms neben mir ein", erzählt Inge Collin noch unter dem Eindruck des Erlebten am Donnerstagnachmittag. Obwohl sie es nicht direkt aussprach, wurde deutlich, wie gefährlich dieses Naturereignis für sie und ihren Mann Lutz hätte werden können. Vielleicht verhinderten die Baumanker auch Schlimmeres. In ihnen verfing sich der Hauptteil des abgebrochenen Stamms und blieb noch im Geäst hängen. Deshalb ging das Ganze am Ende glücklicherweise glimpflich aus: Lediglich ein paar Blumen und Blumentöpfe wurden beschädigt, wie Inge Collin bisher feststellen konnte.

Auch Manfred Schnabel, ein direkter Nachbar, nahm die heftige Sturmböe wahr und hörte das angsteinflößende Krachen als das Stammteil abbrach. Nachdem sich Inge Collin von ihrem ersten Schreck erholt hatte, alarmierte das Ehepaar die Feuerwehr und die Baumspezialisten der Firma Pfefferer, die den Baum bisher betreut hat.

Der Kontrolltermin am 15. August: mit einem Mal überflüssig

Vor Ort sperrte die Feuerwehr die Straße und wartete das Eintreffen der Baumpfleger ab. Drei Stunden lang beseitigten die Baumkletterer dann weiteres Bruchholz und sicherten den restlichen Baum. "Der ursprüngliche Kontrolltermin am 15. August ist damit hinfällig", so einer der Baumpfleger. An diesem Termin sollten der Zustand beurteilt und die Verkehrssicherheit durch Korrekturschnitte sichergestellt werden.

Mit einem Mobilkran wurde am Freitag der abgebrochene Reststamm aus dem Baum gehievt. Am Boden war zu sehen, dass der Kern des Stamms hohl war. Rundherum war das Stammholz aber weitgehend intakt. Damit wird deutlich, mit welcher extremen Kraft die Sturmböe daran gerissen hatte. Stundenlang waren die Baumpfleger anschließend damit beschäftigt, aus dem Restbestand wieder einen ansehnlichen Baum mit einer Krone zu formen.

Die alte Linde hat schon viel erlebt

Bis zu diesem Schadensereignis hat die Linde Einiges erlebt. Im Volksmund bei den alten Buggingern ist der Baum als Tanz-Linde bekannt. Sie gehörte ursprünglich zum benachbarten Gasthaus Krone, das früher den Mittelpunkt des Dorfes bildete. "In diesem Gasthof wurden damals Feste gefeiert und auch Gemeindeversammlungen abgehalten", erzählt Wolfgang Schmidt, der Nachbar von gegenüber. Überhaupt birgt die Linde eine Vielzahl von Geschichten in sich. Schmidt erinnert sich, dass 1947 sogar ein Blitz eingeschlagen war. Das steckte der Baum offenbar weitgehend gut weg – 70 Jahre lang wuchs er weiter. Wolfgang Schmidt erinnert sich auch an ein Gartenhäuschen, das damals unter dem Baum gestanden hatte. Vor dem Baum stand ein altes Holzhaus, das nach dem Krieg abgerissen wurde.

Die Linde ist für viele Tiere idealer Lebensraum. Fledermäuse leben in der Stammhöhle, Eulen sitzen darauf, und der seltene Wiedehopf war lange ein Bewohner des Baums. Bienen und Hornissen wählen den Baum als Behausung und Nahrungsquelle. Es herrscht also ein reges Treiben in dem ehrwürdigen Baum, der seit vielen Jahren als Naturdenkmal registriert ist und durchaus prägend auf diesen Teil des Ortes wirkte. Mancher Anwohner sicherte sich nun vom Bruchholz ein Stück zur Erinnerung, ein anderer wollte ein kleines Stück zum Schnitzen, schließlich gilt die Linde als ideales Schnitzholz.

Schon vor ein paar Jahren haben Wolfgang Schmidt und seine Frau Marliese Schmidt-Nußbaum einen Sämling der Tanz-Linde in ihrem Garten ausgepflanzt und mittlerweile zu einem kleinen Stämmchen herangezogen. Mit Blick auf das malträtierte Naturdenkmal sagt Wolfgang Schmidt: "Das ist ein Baum, der wirklich viel Geschichte auf dem Buckel hat." Immerhin: Das letzte Kapitel ist noch nicht geschrieben.