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14. Januar 2011

"Die Preise sind eine Bestätigung"

BZ-INTERVIEW mit der Happinger Künstlerin Mechthild Ehmann, die gleich zweimal in Frankreich ausgezeichnet wurde.

  1. Bildhauerin Mechthild Ehmann aus Dachsberg-Happingen wurde in Paris von der Fondation Taylor mit einem Geldpreis und von der Société des Foto: Margrit Matyscak

DACHSBERG/PARIS. Bildhauerin Mechthild Ehmann wurde vor kurzem gleich zweimal in Frankreich ausgezeichnet: Von der Fondation Taylorin Paris bekam sie einen Geldpreis und von der Société des Artistes Français eine Goldmedaille. Mit der Künstlerin sprach BZ-Mitarbeiterin Margrit Matyscak.

BZ: Frau Ehmann, wie kommt man zur Nominierung für diese Auszeichnungen?

Mechthild Ehmann: Die Société des Artistes Français richtet jedes Jahr in Paris die Ausstellung "Art en Capital" im Grand Palais aus. Ein Künstler kann sich nicht selbst bewerben, sondern muss eingeladen werden. Wenn seine Arbeiten die strenge Jury überstehen, ist er für dieses eine Jahr dabei. Gleichzeitig schaut sich auch eine Jury der Fondation Taylor die Kunstwerke an und vergibt ihrerseits Preise: So bekam ich unabhängig voneinander beide Preise. Eine deutsche Kollegin, die seit Jahren in Paris mit ausstellt, hatte meine Arbeiten gesehen und war so freundlich, mich der Société vorzuschlagen.

BZ: Wie setzt sich die Jury zusammen?

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Ehmann: Das sind im Wesentlichen erfahrene französische Bildhauerkollegen. Durch meine Goldmedaille werde ich künftig selbst ein Teil der Jury sein.

BZ: Wird diese Aufgabe Sie häufiger nach Paris rufen?

Ehmann: Ja, schon. Aber das ist heutzutage unproblematisch. Die Reise mit dem Zug dauert nur fünf Stunden, ich bin der Sprache mächtig und wohne dort bei Freunden. Die Abstimmungen laufen sehr fair und pragmatisch. Natürlich werden da nicht etwa den Lieblingskollegen Medaillen zugeschustert, sondern es wird nach strengen Kriterien verfahren.

BZ: Bringt Ihnen dieser Preis einen Renommeegewinn?

Ehmann: In Frankreich werden Art en Capital und Fondation Taylor stark wahrgenommen. In Deutschland kann man das nicht einschätzen. Die Belobigungen in Deutschland und Frankreich funktionieren jeweils ganz anders. Aber in Frankreich hat die Kontaktpflege zwischen Jüngeren und Älteren Tradition. Eine gewisse Art Fürsorge der älteren gegenüber den jüngeren Künstlern, und auch die Ermutigung wird groß geschrieben. Alles ist traditioneller, kollegialer und mit weniger Einsatz von Ellbogen verbunden. Dazu kommt eine besondere Art von Toleranz. Keiner schreibt vor, was in der Kunst gerade angesagt ist und gezeigt werden darf. Französische Künstler können alles nebeneinander ertragen, beispielsweise Gegenständliches und Ungegenständliches aus einer Hand, womit man in Deutschland große Schwierigkeiten hat. Und sie fühlen sich mehr als wir den Traditionen verpflichtet. Was schön ist: Das Interesse der Société an ausländischen Künstlern ist groß. Deutsche Kunst empfinden sie einfach als belebend. Vielleicht, weil aufgrund unserer Geschichte die künstlerische Arbeit hier aus einer gebrochenen und letztlich freieren Haltung gegenüber ästhetischen Traditionen heraus entsteht.

BZ: Französische Galerien stehen Ihnen somit künftig offen?

Ehmann: Es ist schon so, dass ich nun vermehrt auch von französischen Galerien Ausstellungsangebote bekomme, aber ich habe hier auch so viel zu tun, dass es fast unmöglich ist, Frankreich auch noch mitzubespielen. Ich werde mich auf den Non-Profit-Teil beschränken und lediglich bei der Jahresausstellung der Société weiter dabei sein.

BZ: Ihre Skulpturen sind nicht leicht zu transportieren. Wie schaffen Sie das über große Distanzen und Grenzen?

Ehmann: Mit dem Zoll gibt es keine Probleme. Ich habe einen hydraulischen Kran im Auto, eine große Sackkarre und darf mit der Hilfsbereitschaft der Kollegen rechnen. Der Aufbau ist aber insofern abenteuerlich, als der Grand Palais mitten an den Champs Élysées liegt, mit absolutem Parkverbot. Jedes Jahr ernte ich ein paar Strafzettel.

BZ: Werden Sie künftig zeitweise in Frankreich arbeiten?

Ehmann: Das wird sich sehr in Grenzen halten, weil ich hier eine Familie habe und deshalb immer bemüht bin, nicht zu lange weg zu sein. Bislang waren es zumeist zwölf Tage am Stück, sei es für die Jahresausstellung, sei es für ein Symposium. So ein eigentlich viel zu kurzes Symposium, bei dem man in begrenzter Zeit eine größere Skulptur erarbeitet, ist besonders anstrengend, aber auch aufregend und befriedigend. Wenn ich länger in Paris bin, gehe ich in die Akademie zum Zeichnen. Man bezahlt pro Tag und hat immer ein gutes Modell.

BZ: Was sehen Sie als Ihren größten Erfolg im vergangenen Jahr an?

Ehmann: Die Preise sind eine Bestätigung, die ich in Deutschland so noch nicht bekommen habe, obwohl mir auch hier schon einige Ehrungen zuteilwurden. Aber die größte Befriedigung waren zwei Aufträge, die ich im vergangenen Jahr ausführen konnte: Einmal ein Brunnen aus poliertem Granit für einen Vorort von Horb und eine mannshohe Doppel-Bronze für Berlin. Beides habe ich in dieser Art zum ersten Mal gemacht. Der Brunnen, eigentlich eine abstrakte Skulptur, sprudelt heute Wasser, und das Bronzepaar glänzt hoch in der Wand einer Villa am Kleinen Wannsee. Es war schon sehr befriedigend, mit zwei unscheinbaren Modellen meine Auftraggeber zu überzeugen – und dann zu erleben, dass die eigene Vision in der Wirklichkeit funktioniert und das Ergebnis die Erwartungen eher noch übertrifft.

BZ: Was erwartet Sie 2011?

Ehmann: Zunächst zwei Ausstellungen in der Region – in Wehr und in Löffingen – zeitgleich bin ich mit einigen Arbeiten an einer Ausstellung im CH-Laufenburger Rehmann Museum beteiligt. Drei Galerien werden meine Sachen auf der Art Karlsruhe zeigen. Zwei Ausstellungen in Berlin stehen an, eine im Herbst in Freiburg; im Spätherbst wieder der Grand Palais in Paris, und erfahrungsgemäß kommt im Lauf des Jahres noch das eine oder andere kurzfristig dazu.

Autor: mc