Bild-Kolumne

Alice Schwarzer verkauft ihre Seele

Peter Disch

Von Peter Disch

So, 05. September 2010 um 18:34 Uhr

Debatte

Sie ist Deutschlands bekannteste Feministin. Alice Schwarzer kämpft seit Jahrzehnten für die Rechte der Frauen. Dass sie den Prozess gegen Jörg Kachelmann in der "Bild"-Zeitung kommentiert, ist ihr journalistischer Offenbarungseid.

Schwarzer begründet den Pakt mit Deutschlands auflagenstärkster Zeitung folgendermaßen: Es sei ihr besonders wichtig, dass auch die Sicht des mutmaßlichen Opfers ernst genommen werde. "Andere Leitmedien der Republik" hätten sich klar auf die Seite Kachelmanns geschlagen.

Aber darf sich Schwarzer als ausgewiesene Feministin ausgerechnet mit der "Bild"-Zeitung zusammentun? Kann eine Frau, die einst eine Kampagne gegen Pornographie lancierte, sich mit einem Blatt zusammen tun, das täglich eine nackte Frau auf der ersten Seite präsentiert? Das im Internet Nackedei-Videos seiner "Bild-Girls" zeigt, in direkter Nachbarschaft zu kommerziellen Porno-Angeboten? Die Promis wie die Schauspielerin Sibel Kikeli vor sich hertrieb, weil sie einst in Sexfilmen mitmachte? Die für Schlagzeilen im Fall Kachelmann journalistischen Grundsätze recht frei interpretierte?

Es ist wie immer. Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen und ihre Bekanntheit dazu nutzen, an moralische Standards zu erinnern und deren Einhaltung einzufordern, müssen sich genau daran messen lassen. Diesem Anspruch wird Schwarzer nicht gerecht, wenn sie für "Bild" über Kachelmann schreibt. Es ist ein Pakt mit dem falschen Verbündeten. Auch die Aussicht auf größtmögliche Reichweite ihrer Meinung rechtfertigt das nicht.

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