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11. Juli 2009 19:52 Uhr
Antifa-Aktion
Demonstranten richten Schäden in Freiburg an
Polizeihubschrauber über Freiburg, Randale in der Innenstadt: Die Demonstration der Antifa Freiburg ist am Samstagabend kurzzeitig außer Kontrolle geraten. Randalierer hatten in der Bertoldstraße mehrere Sachbeschädigungen angerichtet.
Nach einem weitgehend friedlichen Verlauf der Demonstration hatte sich der Protestzug wie geplant im Stadtteil "Im Grün" seiner Auflösung genähert. Im Bereich der Wilhelmstraße / Belfortstraße erklärte ein Sprecher des Protestzuges die Demonstration per Lautsprecherdurchsage schließlich für beendet. Daraufhin rannte eine größere Personengruppe in Richtung Werthmannstraße und dort zum Stadttheater weiter.
Die Schätzungen von Augenzeugen über die Anzahl der Demonstranten gehen dabei weit auseinander, von 50 bis zu 200 war die Rede. Nach Angaben von Augenzeugen seien die schwarz gekleideten Randalierer teilweise mit Steinen in der Hand bewaffnet gewesen.
Bei ihrem Zug in Richtung Rotteckring hätten sie, so Augenzeugen, die Absperrung für die Freiburger Laufnacht überschritten, seien jedoch von der Polizei aufgehalten und auf die Bertoldstraße in Richtung Hauptbahnhof abgedrängt worden. Im Bereich zwischen Stadttheater und Stadtbahnbrücke kam es schließlich zur Randale.
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Ein Ladenbesitzer äußerte gegenüber der Badischen Zeitung, dass die Randale etwa fünf Minuten gedauert habe. Dabei hätten die Randalierer auch dort Zerstörungen angerichtet, wo sich noch Gäste befunden hätten.
Die linke Szene interpretiert die Geschehnisse etwas anders. In einer Presseerklärung schreiben die Organisatoren zu den Zwischenfällen: "Im Anschluss [an die Demo] gab es verschiedene direkte Aktionen von einigen KapitalismusgegnerInnen. Dabei wurden gezielt Einrichtungen, die für die herrschenden Verhältnisse stehen, symbolisch angegriffen."
Die Polizei vergrößerte ihr Aufgebot nach den Ereignissen in der Bertoldstraße, über der Innenstadt kreiste mehrere Minuten lang ein Polizeihubschrauber. Wie Polizeisprecher Karl-Heinz Schmid der Badischen Zeitung auf Nachfrage mitteilte, war die Lage am späten Abend wieder ruhig. Allerdings sei eine starke Polizeipräsenz noch weiterhin notwendig gewesen, auch wenn man die Situation unter Kontrolle bringen konnte.
Nach ersten vorsichtigen Schätzungen, so Schmid, sei durch die Randale ein Schaden im vierstelligen Bereich verursacht worden. Bei den Ausschreitungen wurde niemand verletzt. Die Polizei nahm zur Identitätsfeststellung kurzfristig zwei Jugendliche fest. Dem einen wird ein versammlungsrechtlicher Verstoß (Vermummungsverbot), dem anderen ein Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz vorgeworfen.
Zuvor war die Demonstration friedlich verlaufen und die Polizei vermerkte lediglich einen kleinen Zwischenfall, sprach insgesamt sogar von einer sehr guten Kooperation.
Die Antifa Freiburg hatte die unangemeldete Demonstration gegen den Kapitalismus und den G8-Gipfel im italienischen L'Aquila veranstaltet. Sie zog vom Schwabentor Richtung Innenstadt. Trotz angekündigten "Kontrollverlusts" blieb die Lage zunächst ruhig. Die Demonstration, an der sich rund 250 Menschen beteiligten, trug den Titel "Kapitalismus überwinden, die falsche Freiheit auf der Strecke lassen". Sie setzte sich gegen 17:30 Uhr am Schwabentor in Gang, verlief nach einer Kundgebung am Bertoldsbrunnen weiter in Richtung Basler Straße. Das "Demonstrationsbündnis Kontrollverlust" gibt die Gesamtzahl der Teilnehmer mit 600 bis 700 an. Etwa die Hälfte sei vermummt gewesen – "aus Schutz vor Nazis".
WASSERBOMBENSCHLACHT FIEL IN WASSER
Über das Internet hatte die Antifa zuvor zum "Kontrollverlust" aufgerufen. Der Plan der Autonomen: Mit vielen kleinen Aktionen in der Innenstadt Aufmerksamkeit auf sich ziehen und sich am Ende zu einer unangemeldeten Demonstration zusammen finden. Auch eine Wasserbomben-Schlacht am Augustiner-Platz war angekündigt. Der Platz blieb jedoch von 17 Uhr an größtenteils leer.
"Da haben sich zehn Leute mit Wasser bespritzt, das war kein Fall für uns", sagte Polizeisprecher Karl-Heinz Schmid, der gleichzeitig das Vorgehen der Autonomen kritisierte: "Es ist zur schlechten Tradition geworden, dass Demonstrationen in Freiburg nicht mehr angemeldet werden." Dem setzte Jonas Spanier, Mitorganisator der Demonstration, entgegen: "Wir haben die Demonstration bewusst nicht angemeldet, weil wir in der Vergangenheit Repressalien der Polizei gegen die Verantwortlichen der Demonstration erfahren haben."
Ein kleiner Zwischenfall ereignete sich, als der Zug am Bertoldsbrunnen Station machte. Die Polizei entdeckte an der Spitze des Zuges Demonstranten mit Schlagstöcken. "Es waren rund sechs Personen", sagte Polizeisprecher Schmid. "Wir haben sie aufgefordert, die Schlagwaffen herauszugeben." Nachdem die Demonstranten die Stöcke beiseite geschafft hatten, setzte sich der Zug Richtung B31 und Johanneskirche fort.
Die Polizei verzichtete auf ein Spalier, was die Demonstranten per Lautsprecher begrüßten. "Das ist das erste Mal seit Jahren, dass wir in Freiburg ohne Spalier laufen können." Polizei-Einsatzleiter Harry Hochuli sagte während des laufenden Protestzuges, dass die Kooperation mit den Demonstranten sehr gut geklappt habe. Diese Aussage wird Hochuli nach den jüngsten Ereignissen wohl revidieren. (ergänzt: 13.7., 9 Uhr)
Fotos: Demonstration in der Freiburger Innenstadt
Autor: Christoph Ries, Karl Heidegger, Dominic Rock und Matthias Konzok


