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11. April 2016

Anpacken für ein sauberes Haus

Mehr als 40 Menschen helfen bei der Denzlinger Ortsputzede / Viel Müll rund um den Bahnhof.

  1. Repräsentativ für die Menschen der Gemeinde war manche der Gruppen, die an der Ortsputzede teilnahmen. Kindern, Jugendliche, Erwachsene, Senioren und auch Flüchtlinge sammelten säckeweise Müll in den Grünanlagen Foto: Markus Zimmermann

DENZLINGEN. Bei der vierten Ortsputzede in der Storchenturmgemeinde am Samstag ging es nicht nur ums große Reinemachen. Denn das Projekt des Heimat- und Geschichtsvereins (HuGV) stand auf der Kippe. Wäre die Zahl der Freiwilligen weiter gesunken, hätten sich die Organisationen eine Fortführung in den kommenden Jahren wohl verkniffen. Doch mit rund 40 Müllsammlern war das Teilnehmerfeld wieder deutlich besser bestückt, wozu auch Neubürger aus den Flüchtlingsunterkünften beitrugen.

"Bei der Premiere 2013 waren rund 60 Bürger dem Aufruf des HuGV gefolgt", so Roland Zimmermann. Knapp über 30 waren es im darauffolgenden Jahr gewesen und gerade einmal 23 griffen 2015 zu Müllsäcken und Greifzangen. "Hätte sich die Tendenz fortgesetzt, wäre es das Ende gewesen", so der stellvertretende Vorsitzende. Doch mit knapp 40 Teilnehmern waren die Gruppen, die den Müll ihrer Mitbürger zusammentragen, wieder gut aufgestellt.

Bei der Gruppe, die im Gewerbegebiet Steinbühl sammelte, war auch Hanna Rappold. Die 8-Jährige konnte von so mancher Entdeckung berichten. So war sie, begleitet von ihrem Vater und anderen Erwachsenen, auf einen Platz gestoßen, an dem sich 25 geleerte Wodkaflaschen in der Begrünung fanden. Am überraschendsten war der Fund einer ganzen Tüte voller Kaminfegerfiguren, wahrscheinlich Dekomaterial für Silvester.

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Mit dabei in Hannas Gruppe sind auch drei Flüchtlinge. "Wäre schön, wenn es solche Aktionen auch in meiner Heimat geben würde", betont Achmed Dachnous. Er hält angesichts anderer Verhältnisse in seiner Heimat die Deutschen keineswegs für verrückt, solche Aktionen zu starten und anderen den Dreck weg zu räumen. Für den Palästinenser ist es vielmehr "normal, das eigene Haus sauber zu halten".

Offensichtlich sehen das viele Zeitgenossen nicht so, denn die blauen Müllsäcke der Ortsputzer füllen sich in Windeseile. "Vor allem die Hinterlassenschaften der "To-Go-Kultur", so Zimmermann, werden eingesammelt. Kleinteilig ist der Abfall und das macht die Arbeit mühsam, selten sind große Stücke wie der Heizstrahler oder die alte Kaffeemaschine, die Joachim Müller-Bremberger am Bahndamm aufgelesen hat. Einige deutliche Schwerpunkte der Vermüllung in Denzlingen zeichnen sich für den Vorsitzenden des HuGV ab. Das Bahnhofsumfeld, das Gelände des Bildungszentrums, der zum Steinbruch hin orientierte Teil des Mauracher Bergs und die Randstreifen viel befahrener Straßen und Radwege. Ärgerlich sind die Fundstücke, dort wo Hunde ausgeführt werden. Deren Hinterlassenschaften kommen zwar oft in die Tüte, die landet dann aber in Feld, Wald und Wiese. "Teils richtig sauer waren die Jungs", so Marina Dreher, Erzieherin am Haus Schwabenstraße, einer Wohngruppe für Erziehungshilfe. "Es ist richtig doof, wenn wir neben einem Mülleimer haufenweise Kippen finden", erklärt dies Alvaro Fortino und Andreas Noto ärgert sich, dass die Aktion von Vorbeikommenden belächelt wurde. Zumindest an den Schulen könnte das mal eine Aktion werden, regt Müller-Bremberger an – und gern gesehen wären bei der nächsten Ortsputzede 2017 dann auch ein paar Gemeinderäte.

Autor: Markus Zimmermann