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19. April 2014

Auf Spurensuche im Ersten Weltkrieg

Denzlingens Ortshistoriker Dieter Ohmberger sucht noch alte Militärpässe / Erstes Opfer: Karl Haller fiel am 19. August 1914.

  1. Vor dem Bild aller Denzlinger Teilnehmer am Zweiten Weltkrieg zeigt Dieter Ohmberger den Militärpass seines Großvaters (links). Als erster Soldat fiel Karl Haller bei Mulhouse (rechts). Foto: Fotos: Frank Kiefer/Archiv

  2. Karl Haller war der erste Denzlinger Soldat der im 1.Weltkrieg gefallen war, dies war nordwestlich von Mulhouse. Foto: Privat

DENZLINGEN. Am 28. Juli 1914 erklärte die kaiserlich-königliche Monarchie Österreich-Ungarn mit Rückendeckung des deutschen Kaiserreichs dem Königreich Serbien den Krieg. Binnen weniger Tage erklärte Deutschland am 1.August Russland und am 3. August Frankreich den Krieg. Bereits am 19. August fiel der Denzlinger Karl Haller bei Mulhouse. Rund 2500 Einwohner bekamen den Krieg zu spüren. Für Ortschronist Dieter Ohmberger stehen die Menschen von damals im Vordergrund.

"Insgesamt waren es 253 Denzlinger Kriegsteilnehmer", weiß Dieter Ohmberger, der nicht nur den alten Militärpass seines Großvaters Leopold Ohmberger oder den von Gustav Beiermeister gefunden hat, sondern noch weiter auf der Suche ist nach solchen Dokumenten. Er will jener Zeit nachspüren und unter dem Titel "Hurra und Trauer" ein Büchlein schreiben. "Ich interessiere mich auch für die Wege, die die Soldaten gegangen sind", sagt Ohmberger.

75 Denzlinger seien gefallen, so besagt eine Tafel am ehemaligen Denkmal der Kriegsteilnehmer 1870/71 gegen Frankreich. Sie wurde nach dem Ersten Weltkrieg nachträglich angebracht. "Ich komme aber auf 64, die belegt sind. Was ist mit den anderen Soldaten passiert? Oder sind es zivile Opfer", rätselt der Historiker: "Da muss ich noch viel Arbeit reinhängen. Das Standesamt hat keine Unterlagen, auch die Kirchenbücher geben hier nichts her. Vielleicht sind es Vermisste, die später für tot erklärt wurden", mutmaßt Ohmberger.

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Belegt ist aber, dass Karl Haller der erste Denzlinger Soldat war, der im Ersten Weltkrieg gefallen ist. Geschehen ist dies war am 19. August 1914 nordwestlich von Mulhouse, das – wie ganz Elsass/Lothringen – noch zum Deutschen Reich gehörte. Haller war Kanonier im Regiment 12/76 und diente laut Militärpass in der Ersten Landwehr-Batterie-Feldartillerie. Die deutschen Truppen wurden offensichtlich von den sehr schnell hinter den Vogesen zusammengezogenen französischen Einheiten überrascht. Doch nicht nur das Heer verlangte nach Soldaten. Am 1. Juni 1916 starb Gustav Adolf Roser. Der Denzlinger Schlosser tat Dienst als Maschinist auf der SMS Wiesbaden, die bei der Schlacht vor dem Skagerrak mit Mann und Maus unterging. Noch kann Ohmberger den Matrosen keinem der "Roser-Zweige" in Denzlingen zuordnen.

Ohmbergers Großvater wurde am 17. Juni 1915 einberufen, nahm an der Schlacht an der Somme (24. Juni bis 6. August teil) und war dann dem Fernsprech-Telegraphen-Bataillon 3 c zugeordnet, 1917 – als Leutnant beim Küstenschutz. Im Mai kämpfte an der griechischen Grenze, wurde verwundet und erkrankte im April 1918 an Malaria. Am 18. November wurde Ohmbergers Großvater "nach Denzlingen entlassen", so die letzte Eintragung im Militärpass.

Info: Für weitere Militärdokumente ist Dieter Ohmberger dankbar; Tel. 07666-2612.

Autor: Frank Kiefer