Beispielhafte Klavierliteratur

Hildegard Karig

Von Hildegard Karig

Mo, 01. Februar 2016

Denzlingen

Michael Leuschner zeigt sein Können am Flügel im Kultur- und Bürgerhaus Denzlingen.

DENZLINGEN. Seit vielen Jahren ist einer der Abende der Konzertzyklen des Denzlinger Kulturkreises dem Denzlinger Pianisten und Kulturpreisträger Michael Leuschner vorbehalten. Und mit welchem Recht! Im dritten Konzert des diesjährigen 24. Zyklus bot der Pianist ein Programm, das Hochachtung verdiente.

Das "italienische Konzert" von Johann Sebastian Bach, eines seiner meistgespielten und bekanntesten Werke, welches beispielhaft für die barocke Konzertform steht. Dann die Beethoven-Klaviersonate op.2,3, klassischer kaum möglich, und mit drei Werken Chopins und der "Sonate - Fantaisie" von Alexander Skrjabin, der musikgeschichtlichen Weiterentwicklung war Raum gegeben. Die ausgewählten Komponisten mochten jeder für seine Epoche mit ihren charakteristischen Merkmalen stehen. In den Interpretationen durch Michael Leuschner ließen sich anknüpfende Rückverweise ebenso entdecken wie Hinweise auf zukünftige pianistische Entwicklungen. Das machte ein äußerst spannendes Moment dieses Konzertabends aus.

Ein Pianist mit leidenschaftlicher Berufung

Ein weiteres herausragendes Moment war die Begegnung mit dem Pianisten an sich. Man nähert sich Michael Leuschner nicht wirklich, wenn man mit ihm lediglich den Beruf des Pianisten und Pädagogen verbindet. Richtiger ist es, ihn als Pianisten aus leidenschaftlicher Berufung einzuordnen. Als solcher überzeugte er ein weiteres Mal ungemein. Völlig unprätentiös, frei von jedem klavieristischen Gehabe, setzt er sich an den Flügel und lässt den Zuhörer mit den ersten Tönen an seiner Klangwelt teilhaben. Diese Ausstrahlung ist immer wieder aufs Neue bewundernswert, weil sowohl durch lange Erfahrung und Verlässlichkeit in die eigene Technik professionell und souverän, wie gleichzeitig im Augenblick des Konzertierens frei von jeder Routine, ganz der Gestaltung der Wiedergabe jetzt verpflichtet. Seine virtuose Technik wird nicht um ihrer selbst willen eingesetzt, sondern als Mittel seines persönlichen Zugangs zu der Literatur, an dem er den Zuhörer teilhaben lässt. Damit werden die Tutti-Soli-Gegensätze in dem Bach- Konzert offengelegt, bei Beethoven hört man in der martialisch-klangmächtigen Opulenz schon den späten Beethoven neben den feinsinnig und fast ätherisch gespielten lyrischen Passagen. Chopin ist inniger kaum vorstellbar als in der "Nocturne" dieses Abends und Skrjabin steht in seiner Sonate für Klavierkunst einer gänzlich anderer "Machart".

Störende Nebengeräusche

Wie differenzierend Michael Leuschner mögliche Anschlagstechniken einzusetzen weiß, zeigte sich an dem Hauptthema des ersten Satzes: die klopfenden Triolen prägten sich verhalten und dennoch äußerst wirkungsvoll, fast verstörend ein. Für den Puristen, für den Liebhaber der reinen Klaviermusik war der Abend eine beispielhafte Begegnung mit Werken der Klavierliteratur. Für jeden Konzertbesucher die Begegnung mit einem Musiker, dessen reife künstlerische Aussage dank einer brillanten Technik ein weiteres Mal faszinierte und der an seiner Passion für die Musik und ihre Gestaltung teilhaben lässt. Nichts könnte das deutlicher machen als an ein solch anspruchsvolles Programm noch drei Zugaben (Chopin, Skrjabin) anzuschließen.

Schade, eine kritische Randbemerkung und einen Appell an das Umfeld anhängen zu müssen; die Geräusche, die aus den Nebenräumen des großen Saals des Kultur- und Bürgerhauses bis in das Konzert hinein zu hören waren, stellten einen unguten und beachtlichen Störfaktor dar (und nicht nur in diesem Konzert). Jede Überlegung und jede Maßnahme, dies zu verringern, wären einen Applaus wert.