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14. September 2016 11:11 Uhr

Eindrucksvolle Gefährte

Bulldogtreffen in Denzlingen

Blank geputzte Oldtimertraktoren präsentierten sich beim Bulldogkorso in Denzlingen. Am Start standen 65 Schlepper in Reih und Glied.

  1. Unüberhörbar der Lanz D 1506 mit dem höchsten Hubraum von Karl-Josef Kury Foto: Andrea Steinhart

  2. Gerda Bergmann präsentierte beim Bulldog-Oldtimertreffen ihre Sonderauflage eines wunderschönen Massey Ferguson Foto: Andrea Steinhart

  3. Ein wunderschöner Lanz aus dem Jahr 1958 präsentierte Ewald Maurer aus Denzlingen Foto: Andrea Steinhart

  4. Alles in Eigenbau hergestellt: Der Traktor von Fritz Berger aus Vörstetten Foto: Andrea Steinhart

  5. Auch Porsche-Fahrzeuge nahmen teil: Helmut Kunkler mit Tochter präsentieren ein Porsche Junior 108 Foto: Andrea Steinhart

  6. Claudia Bergmann präsentierte beim Bulldog-Oldtimertreffen das älteste Fahrzeug: Ein Fahr T22 Baujahr 1941 Foto: Andrea Steinhart

Mit dem Lanz Quer durch Italien
Eines der Glanzstücke der Veranstaltung war zweifelsfrei der Lanz Bulldog D 1506. Dieser alte Trecker wurde früher zwar nicht zur Feldarbeit, jedoch beim Straßenbau genutzt. "Ich war schon immer ein Fan der Lanz-Traktoren", erzählte Karl-Josef Kury aus Buchholz. Anfang des Jahres erwarb er ein solches Gefährt und machte gemeinsam mit einem Restaurator ein echtes Schmuckstück daraus. Ende Oktober, wenn die landwirtschaftliche Saison vorbei ist, will Kury mit seinem schmucken Bulldog quer durch Italien fahren. Vier Wochen plant er dafür ein. "Ein großer Traum von mir, den ich mir erfüllen werde."

Das Goldstück
Gerda Bergmanns Leben dreht sich seit ihrer Kindheit um Traktoren. Aufgewachsen ist sie in der Werkstatt Sulzberger in Freiamt, wo zeitweise sogar Schlepper gebaut wurden. Schon als 15-Jährige fuhr sie Bulldogs und überführte die Traktoren aus der Mannheimer Fabrik nach Freiamt. "Das war damals eine Tagesreise", erzählte Bergmann, die in Sexau wohnt. Bis heute ist sie begeistert von den Gefährten. Am Samstag präsentierte sie ihren Massey Ferguson Golden Bird – eine vornehme grau-goldene Jubiläumsausgabe des Herstellers. Lediglich 500 Stück wurden 1957 davon gebaut: der Motor und die Kühlerverkleidung mit rundlichen Formen, wie es in der damaligen Zeit modern war. Weil der Rumpf golden lackiert ist, wird der Traktor auch "Goldbauch" genannt.

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Scheunenfund bei der älteren Dame
Den Lanz 1616 von Ewald Maurer aus Denzlingen hört man schon von weitem. Sein tuckernder Traktor wurde 1958 gebaut – als einer der letzten in Mannheim. "1978 habe ich den Bulldog in einer Scheune bei einer älteren Dame gesehen – und sofort gekauft", erläuterte Maurer. Damit ging ein Kindheitstraum in Erfüllung. Mit viel Fingerspitzengefühl und Können wurde der Lanz restauriert – von Ralf Bergmann aus Sexau. Die nötige Pflege erhält der Traktor nun von seinem Besitzer: "Man muss immer etwas machen – wie bei einem Mensch, der im Alter auch mehr Pflege braucht." Ein besonderes Geschenk hat er von seiner Frau zum Geburtstag erhalten: Ein handgefertigtes Holzlenkrad.

Marke Eigenbau
Für Fritz Berger (78) aus Vörstetten gab es früher viele mühsame Aufgaben auf dem Feld. Daher machte er sich in seiner Werkstatt an die Arbeit und baute einen kleinen Traktor. Er besorgte sich einen guten BMW-Motorradmotor, ein Opelgetriebe und eine Hinterachse von Ford und begann zu werkeln. In der freien Zeit schmiedete er Kotflügel, die Motorhaube und sogar die Handbremse selbst. "Ich habe 1962 angefangen – 1965 fuhr der Traktor zum ersten Mal", erzählte Berger am Start. 2006 unternahm er einmal eine Reise mit dem Traktor von Vörstetten, über Freiamt und Malterdingen und wieder zurück nach Hause. "Das waren 76 Kilometer und mir haben danach alle Knochen eine Woche lang weh getan", lachte Berger.

Der Porsche unter den Traktoren
Auch mehrere Porsche waren in Denzlingen am Start. "Porsche hat bis in die frühen 1960er-Jahre hinein in der Tat auch Traktoren gebaut", erzählte Helmut Kunkler aus Denzlingen, der seinen 14 PS starken Ein-Zylinder-Liebling vor 25 Jahren auf einer Scheune in Freiamt entdeckt und für ein paar Mark erstanden hat. "Seitdem läuft und läuft und läuft der Motor ohne großartige Pflege – lediglich geputzt wird er nach der Arbeit", erzählte der stolze Besitzer, während er liebevoll über die feuerrote Motorhaube streichelte. "So robust würde ich mir alle meine Geräte und Fahrzeuge wünschen." Der putzig-kleine Traktor dient Kunkler als Nutzfahrzeug, für Tätigkeiten in den Reben und im Wald. "Arbeiten mit dem Traktor macht einfach Riesenspaß."

Der Älteste
Den ältesten Traktor beim Korso hat Claudia Bergmann aus Sexau gefahren: Einen schicken, rotlackierten Fahr T22, Baujahr 1941, mit geschwungenen Kotflügel. "Das ist doch ein richtig elegantes Schlepperle – mein Bobbele." 1938 begann die Firma Fahr mit der Traktorenproduktion. Die Motoren waren 22 PS stark und stammten von Deutz, das Getriebe stellte die Firma Fahr selbst her. Die junge Traktorbesitzerin hat ihren Fahr T22 zum 35. Geburtstag von ihrem Mann geschenkt bekommen. Zuvor hat er ihn restauriert und dazu den ganzen Traktor in tausend Einzelteile zerlegt. Ralf Bergmann aus Sexau gilt unter den Traktorfreunden als der Fachmann überhaupt. Gleich mehrere Traktoren am Start hat er restauriert.

Autor: Andrea Steinhart