Der Clou ist die Kellerbelüftung

Markus Zimmermann

Von Markus Zimmermann

Do, 14. August 2014

Denzlingen

BZ-SERIE: Historischer Keller im Denzlinger Unterdorf.

DENZLINGEN. Fast jedes Haus hat einen Keller. Was sich dort verbirgt und welche Geschichten es über manche Gewölbe zu erzählen gibt, will die Badische Zeitung in ihrer Serie "Auf nach unten" ans Tageslicht bringen. Heute geht es um den Keller unter dem Haus der Familie Storz am Höllgässle.

Versteckt in Hinterhöfen oder von unscheinbaren Häusern überbaut sind so manche historische Gewölbekeller, die teils mehrere Meter tief unter das Geländeniveau der Grundstücke entlang der Hauptstraße in Denzlingen führen. Einer wurde von historisch Interessierten aufgearbeitet und seit 2006 gibt es in dem alten Lager für Bier- und Weinfässer auch Weinproben. Andere ruhen noch im Dornröschenschlaf oder werden als Lagerstatt genutzt.

Mitte des vorigen Jahrzehnts rückte der Keller unter dem Haus der Familie Storz am Höllgässle erneut in das Blickfeld des Heimat- und Geschichtsvereins. "Bereits seit den 50er Jahren war bekannt, dass sich dort ein besonderer Keller befindet", erinnert sich Ortshistoriker Dieter Ohmberger. Vermutungen, dass mit dem Keller auch die alte "Märitzen-Kapelle" wieder gefunden worden sei, die nach alten Urkunden zum Adelhauser Hof gehörte, der gegenüber dem Gässle zu verorten ist, bestätigten sich nicht. Das an ein sakrales Gebäude erinnernde, aufwendige Kreuzgewölbe, hatte diese Erklärungsversuche genährt.

Spannendes lässt sich in dem Keller, dessen Bau auf das 15. oder 16. Jahrhundert zurückdatiert wird, so laut Ohmberger die Denkmalschützer, dennoch entdecken. Zumal er, gemeinsam mit Dieter Geuenich, Georg Remmert, Karl Burger und anderen intensiv daran gearbeitet hat, dem ursprünglichen Zustand auf die Spur zu kommen. "Eine Balkenzwischendecke haben wir herausgenommen, den Boden von einer zig Zentimeter dicken Schuttschicht befreit.

Ans Tageslicht gekommen sind ein mit großen Kieseln und Steinplatten befestigter Boden und ein Brunnenschacht. "Bei dem sind wir längst noch nicht bis ans untere Ende vorgedrungen, auch weil die Ausschachtung zu gefährlich ist", erklärt Ohmberger mit Blick in die Tiefe, wo sich aktuell Grundwasser gesammelt hat. In entgegengesetzter Richtung, himmelwärts, führen die kleinen, in der Wand versteckten Kanäle eines Belüftungssystems. Das besteht aus kleinen Öffnungen in Fußbodenhöhe, jeweils unter den Oberlichtern. Von diesen Löchern führt unter dem Putz ein Kanal, der unter den Fenstern, deutlich erkennbar an einer Abschrägung der Wand zu den Fenstern hin, ins Freie führt. Wie Kamine, jedoch viel zu klein für diesen Nutzen. Groß genug jedoch, um über natürliche Luftzirkulation für konstante acht Grad im Keller zu sorgen. Ideal für die Nutzung, für die der Keller wohl gemauert worden war. "Es war am wahrscheinlichsten ein vornehmer Bier- und Weinkeller", so Ohmberger. Gelegentlich lädt der Heimat- und Geschichtsverein mit einem örtlichen Winzer wieder zur Weinprobe. Dabei kann dann über weitere Geheimnisse spekuliert werden, die sich diesem und anderen Kellern noch entreißen lassen.

Hoffnung setzt Ohmberger dabei auch auf den bislang von den Eigentümern verwehrten Zugang in den benachbarten Keller im Adelhauser Hof. Dass dort, unter dem ehemaligen Gasthaus "Birke" und dem Kaufhaus Leimenstoll, ein großer Keller ist, gilt als sicher. Vielleicht lasse sich von diesem aus auch der Zugang zu einem Verbindungsgang zwischen den beiden Kellern finden, auf den man bei Kanalarbeiten im Höllgässle schon einmal gestoßen war. "Vom aufgearbeiteten Keller her haben wir den Zugang noch nicht finden können", so der Historiker.