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25. März 2013

Der "Ertrag" ist erschreckend

Rund 60 Denzlinger beteiligten sich an der ersten "Ortsputzede" / Hinterlassenschaften vom Autospiegel bis zum alten Ferseher.

  1. Umweltschutz geht alle Generationen etwas an. Alisa Herrmann sammelt mit ihrer Großmutter Brunhilde Schenk, Regoina Gräbner hält den Sack parat Foto: Markus Zimmermann               

  2. Natur und ihre Gefährdung. Nach der Ortsputzede stapeln sich Müllsäcke am Heimethues. Foto: Markus Zimmermann               

DENZLINGEN. Die Storchenturmgemeinde macht Frühjahrsputz und legt dabei unerwartet viel Engagement an den Tag. Von der Zahl der rund 60 Bürgerinnen und Bürger, die sich am Samstag zur "ersten Ortsputzede dieser Art" einfanden, waren sowohl Bürgermeister Markus Hollemann als auch Joachim Müller-Bremberger angetan. Im November des zurückliegenden Jahres hatte der Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins (HuGV) im Rahmen der Vereinsvorständesitzung angeregt, nach dem Vorbild anderer Kommunen, auch in Denzlingen zur gemeinsamen Putzaktion aufzurufen.

"Mit 20, vielleicht ein bisschen mehr habe ich auch angesichts des nasskalten Wetters gerechnet", erklärte Müller-Bremberger. Im Foyer des Alten Rathauses drängelten sich gegen 14 Uhr jedoch weit mehr, die bewehrt mit Handschuhen, Greifzangen und Müllsäcken in Kleingruppen durch das Ortsgebiet ziehen wollten. Offensichtlich war Vielen das verschmutzte Erscheinungsbild der öffentlichen Plätze und Grünflächen Motivation genug, um ein paar Stunden ihrer Freizeit zu investieren. Über alle Generationen hinweg, von zahlreichen in Vereinen Engagierten geprägt, war das Denzlinger Putzteam bunt zusammengesetzt.

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Ebenso vielfältig zeigte sich nach gut drei Stunden das Sammelergebnis, das sich zu einem blauen Berg von mehreren Dutzend Müllsäcken beim Heimethues auftürmte. So schon beeindruckend und erst recht im Bewusstsein, dass dies noch längst nicht alles ist, weil auch an anderen Stellen noch Säcke abgestellt wurden. Was sich in diesen verbarg, verrieten die Sammler. Viel Papier und Karton, wobei es sich überwiegend um die Hinterlassenschaften von Fastfood-Konsumenten und Rauchern handelte. Ganz auffallend am Rand von dicht befahrenen Straßen, dass für zahlreiche die Entsorgung durchs Fenster längst selbstverständlich scheint. So stößt der Sammeltrupp entlang der B 3 auf Schritt und Tritt auf Zigarettenschachteln, Getränkebecher und Flaschen, aber auch auf Karosserieteile, Außenspiegel und Tankdeckel. Bei weitem nicht die einzigen Überraschungen für die Sammler, denn im Ortskern wurden neben den eher üblichen Hinterlassenschaften auch ein Fahrrad, alte Fernseher, Haushaltskleingeräte und Damen-Dessous gefunden. Das aufgelesene Altglas hatten die Sammelteams vielfach gleich in den Glascontainern entsorgt.

Der "Ertrag" ist erschreckend, weil er von einem zunehmend verloren gegangenen Umweltbewusstsein und wachsender Rücksichtslosigkeit zeugt, resümierte Müller-Bremberger. Zugleich sei das Sammelgut aber auch Resultat des großartigen Engagements der Bürger für eine saubere Gemeinde.

Da die Putzede in Form einer großen Gemeinschaftsaktion erstmals stattgefunden hatte, hofft er darauf, dass Folgeaktionen nicht ganz so viel sammeln müssen. Manches lag offensichtlich schon über Jahre herum.

Bürgermeister Markus Hollemann dankte beim abschließenden, gemeinsamen Vesper den Initiatoren, Organisatoren und allen Mitwirkenden. Auf Anfrage der BZ hatte Kämmerer Detlev Bührer im Vorfeld erklärt, dass die Gemeinde jährlich mit 50 000 Euro an Personal- und Sachkosten für die Reinigung durch den Bauhof kalkuliere. Als besonderes Ärgernis sei in letzter Zeit auffällig gewesen, dass Hundebesitzer zwar die Hinterlassenschaften ihrer Tiere in die entsprechenden Tüten tun, diese dann aber nicht sachgerecht entsorgen, sondern in der Natur liegen lassen und Bauhofmitarbeiter diese aufsammeln müssen.

Autor: Markus Zimmermann