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08. März 2013

Der Heimatverein sucht eine Heimat

Denzlingens Heimat- und Geschichtsverein rückt von einer Nutzung des Gaus-Hauses als Museum ab / Nur kleine Lösung ist denkbar.

  1. Nachgemessen: Knapp 75 Zentimeter breit ist die Tür am Gaus-Haus, durch die der Zugang zur behindertengerechten Toilette erfolgen soll. Das gesetzliche Mindestmaß liegt bei 90 Zentimetern. Ohne baulliche EIngriff in die Fassade geht es somit nicht. Foto: Markus Zimmermann               

DENZLINGEN. Vom ambitionierten Konzept einer musealen Nutzung des Gaus-Hauses ist der Heimat- und Geschichtsverein aufgrund des damit verbundenen Aufwands wieder abgekommen. Angedacht waren die Themen Glotter, Wasserkraft, Mühlen. Dennoch fordert er mit Nachdruck die Nutzung des alten Denzlinger Fachwerkhauses und legt nun ein deutlich abgespecktes Nutzungskonzept vor. Diesem stimmten die Mitglieder in der Jahreshauptversammlung zu und beauftragten den Vorstand, darüber mit der Gemeindeverwaltung ins Gespräch zu kommen.

Weil keiner richtig wisse, was mit dem historischen Gebäude geschehen soll, "gammelt es seit Jahren vor sich hin", kritisiert der Vorsitzende Joachim Müller-Bremberger. Zum Erhalt gehöre ein Nutzungskonzept. Der Heimat- und Geschichtsverein werde nun erneut aktiv, "weil wir seit fünf Jahren auch den Eindruck haben, dass von Seiten der Bauverwaltung weder jemand Zeit noch Lust hat, die Kuh vom Eis zu bringen". Es werde somit bewusst riskiert, dass das Gebäude bei Nicht-Nutzung eine erhebliche Zustandsverschlechterung erfahre.

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Müller-Bremberger räumt zugleich ein, dass der Verein mit Rücksicht auf die Arbeitsbelastung der Verwaltung, die auch noch im Umbruch war, darauf verzichtet hatte, "mit dem Gaus-Haus zu nerven". Begrüßt wurde, dass die Verwaltung ein vertiefendes Gutachten eines Denkmalfachmanns in Auftrag gegeben hat. Dass das unrealistische, museale Konzept zudem nicht gerade zur Beschleunigung beigetragen hatte, gab Bernd Massem zu bedenken.

In ihrer erneuten Initiative sehen die Vereinsverantwortlichen als Anstoß. So sollen die Räume im Erdgeschoss so umgestaltet werden, dass eine bescheidene Nutzung als Ausstellungsräume möglich ist. Dabei soll das Inventar -– rollbare Vitrinen und ein Medienschrank– - so flexibel sein, dass auch anderweitige Nutzungen möglich sind. Der kleine Raum rechts des Eingangs könnte ebenfalls museal genutzt, aber auch zu einer Festküche ausgebaut werden.

Das Problem sind die Behindertentoiletten

Denkbar sind für die Konzeptersteller dort auch weitere Toiletten, zusätzlich zum Umbau der vorhandenen in eine behindertengerechte Toilette, die bei Vereinsfesten auf dem Festplatz genutzt werden könnten. Der behindertengerechte Zugang samt Türbreite von mindestens 90 Zentimeter soll mittels eine Rampe an der Südseite ermöglicht werden. "Die derzeitige Toilettensituation ist vollkommen unzureichend", so Müller-Bremberger. Die Annahme bei der Planung des Festplatzes, die Toilettenthematik mittels Toilettenwagen regeln zu können, sei schon damals vom Heimat- und Geschichtsverein mit dem Hinweis auf ältere und Gehbehinderte Menschen.Er sieht hierfür dringenden Handlungsbedarf.

Im Dachgeschoss will der Heimat- und Geschichtsverein ein kleines Büro einrichten und den Rest der Dachfläche als Lager nutzen. "Das Dach müsste dafür nur schnee-, regen- und winddicht gemacht werden", betont Müller-Bremberger den kostensparenden Ansatz. Das Untergeschoss könnte als nachempfundener Weinkeller und zur Darstellung der Geschichte des Obst- und Weinbaus in Denzlingen. So hatte der Denkmalsachverständige im Vorjahr vor Ort den "auffallend hohen" und repräsentativen Keller begutachtet und ihn älter als das Fachwerk über der Erde geschätzt. "Das neue Konzept sieht vor, dass die äußere Gestalt des Gebäudes unverändert bleibt", so Müller-Bremberger. Dies komme dem denkmalpflegerischen Anspruch entgegen. Umsetzbar sei der Ausbau zudem schrittweise und auch mit Eigenarbeit der späteren Nutzer. Dabei sei es denkbar, dass auch andere Vereine die Räume belegen, denn "das Haus soll belebt werden", so Hartmut Nübling. Eine teure Heizung sei nicht notwendig, mit der Behindertentoilette werde ein Missstand beseitigt. Zumindest bis es eine "große Lösung gibt".

Neben Bedenken zur Praktikabilität des Konzepts, die Gemeinderat Otto Frey äußerte, verdeutlichte Ratskollege Daniel Böhler, dass es auch alternative Vorstellungen gibt.

"Wenn wir was machen, dann sollten wir das Haus, an dem über Generationen immer wieder Veränderungen vorgenommen wurden, wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzen", so Böhler. Dies sei dann sicher mit höheren Kosten verbunden, als die Umsetzung des neuen Konzeptes des Heimat- und Geschichtsvereins, entgegnete Joachim Müller-Bremberger.

Autor: Markus Zimmermann