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06. März 2015

Der Zahn der Zeit nagt am Gaus-Haus

Denzlingen bekommt Landesmittel für Sanierung, womit das alte Fachwerkhaus im Unterdorf nutzbar gemacht werden könnte.

  1. Verwaister Garten, undichtes Dach: Das Kleinod soll bald Vereinen zur Verfügung stehen. Foto: Markus Zimmermann

DENZLINGEN. Mit der Aufnahme der Gemeinde in das Landessanierungsprogramm kommt auch wieder Bewegung in das Thema Gaus-Haus. Das stand nicht nur im Mittelpunkt der Jahreshauptversammlung des Heimat- und Geschichtsvereins (HuGV), sondern war bereits im Vorfeld Anlass für einen "Runden Tisch" im Rathaus. Offensichtlich mussten dabei auch einige Missverständnisse ausgeräumt werden.

An der Gesprächsrunde nahmen neben Bürgermeister Markus Hollemann und Mitgliedern der Fraktionen auch Vertreter des Heimat- und Geschichtsvereins, des Fördervereins Gaus-Haus, des Arbeitskreises der kulturellen Vereine sowie den Landfrauen teil. "Die Liste der Geladenen verdeutlicht, dass das Gaus-Haus nicht isoliert von der Nutzung des gesamten Heimathues-Areals betrachtet werden kann und soll", so Bürgermeister Markus Hollemann. Eine alleinige Nutzung des Hauses von nur einer Gruppierung scheide aus. Dies aber war von Seiten des Fördervereins befürchtet worden, nachdem der Gemeinderat im September 2013 den HuGV als Ansprechpartner für Nutzung und Betriebsführung des Hauses eingesetzt hatte. "Der Heimat- und Geschichtsverein will das Haus für sich, er will sich dort ausbreiten", so der Vorsitzende Joachim Euchenhofer. Eine solche Forderung sei jedoch nicht fair.

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"Das Haus bleibt offen für die Nutzung durch andere Gruppen und Vereine", entgegnet dieser Behauptung Joachim Müller-Bremberger. Die anfängliche Idee einer ausschließlich musealen Gestaltung werde nicht mehr weiterverfolgt, erklärte der Vorsitzende des HuGV nicht nur in der Mitgliederversammlung. Der HuGV sei offen für Belegungsanfragen durch andere Vereine. "Das Haus soll rege genutzt werden", so Müller-Bremberger. Bereits beim Runden Tisch habe Müller-Bremberger dies so klargestellt und damit das Missverständnis ausgeräumt, betont Hollemann. Der Förderverein hat bei seinem Nutzungskonzept vor allem einen Versammlungsraum im Erdgeschoss im Blick. "Ein Kleinod, ein Raum mit viel Atmosphäre", so Euchenhofer, soll durch die Zusammenlegung der ehemaligen Wohn- und Schlafzimmer geschaffen werden. "Kammerkonzerte und Vorträge" kann sich Euchenhofer als Nutzung gut vorstellen. Die Idee, den Raum auch für private Veranstaltung zur Verfügung zu stellen, ist laut Hollemann vom Tisch. "Der Raum ist, auch wenn die Trennwand wegkommt, zu klein dafür", habe er beim Runden Tisch klargestellt.

Der Dachboden und der Gewölbekeller könnten dem HuGV zur Nutzung vorbehalten bleiben, so die Pläne des Fördervereins. Wobei die Förderer auch schon feststellen, dass "eine Nutzung des Dachgeschosses aus feuerpolizeilichen Gründen nicht möglich ist". Nicht ausgeräumt sind Widersprüche zwischen den Vereinen bezüglich der Vergabe des Raums. Während der Förderverein fordert, "dass die Vergabe durch die Gemeinde erfolgt", sieht der Gemeinderatsbeschluss vor, dass der HuGV als Ansprechpartner für das Haus zuständig ist und die Belegung mit dem HuGV geregelt und verrechnet wird. Analog zu den Regelungen anderer Räume, die von der Gemeinde Denzlinger Vereinen zur Verwendung überlässt.

Eine weitere Differenz sieht Euchenhofer in dem Angebot des HuGV, sich mit Eigenleistungen an der Sanierung des Gaus-Hauses zu beteiligen. "Wir wollen keine bloße Reparatur", so der Förderverein, der das Ziel hat, dieses sehr alte Haus fachlich begleitet in der "Grundversion des Jahres 1728" wiederherzustellen. Für Hollemann besteht da kein Widerspruch. "Es ist klar, dass an dem Haus unter der Aufsicht von Experten und des Bauamtes nur sach- und fachgerechte Arbeiten ausgeführt werden, was Eigenleistung nicht ausschließt", so Hollemann. Wichtig ist dem HuGV, dass die Dachsanierung noch 2015 erfolgt.

Für Hollemann ist es nun das Vordringlichste, dass bis zur Sommerpause drei oder vier Varianten vorgelegt werden, wie und zu welchen Kosten die Sanierung möglich ist. "Wir werden diese Optionen dann am Runden Tisch vorstellen und diskutieren und in den Gemeinderat einbringen", erklärt er zum weiteren Vorgehen. Eine Investitionssumme für das Projekt sei bislang noch nicht festgelegt, betont Hollemann. Der Förderverein, so Euchenhofer, "will sich um Spendengelder erst kümmern, wenn mehr Klarheit besteht". "Leider ist es beim Erstellen eines Nutzungskonzeptes nicht zur Zusammenarbeit mit dem HuGV gekommen", erklärt er Ungereimtheiten. Müller-Bremberger verweist auf die Absprache, mit einer Stimme reden zu wollen. Der Förderverein sei jedoch "alleine vorgeprescht".

Autor: Markus Zimmermann