"Die Deutschen bevorzugen eher ein ruhiges Leben"

Tamara Keller

Von Tamara Keller

Fr, 22. Juni 2018

Denzlingen

BZ-INTERVIEW mit der Mexikanerin Ariadna Gomez, die in Denzlingen als Bundesfreiwillige im Kindergarten arbeitet.

DENZLINGEN. Das Badische Rote Kreuz sucht aktuell wieder nach Gastfamilien in Freiburg und Umland. Die Mexikanerin Ariadna Gomez wohnt und arbeitet seit vergangenem September in Denzlingen. Die 20-Jährige absolviert einen Bundesfreiwilligendienst, den das Badische Rote Kreuz organisiert. Über die Unterschiede zwischen Mexiko und Deutschland sprach sie mit Tamara Keller.

BZ: Was machen Sie bei ihrem Bundesfreiwilligendienst?
Gomez: Ich bin hier seit September des letzten Jahres und arbeite in einem Kindergarten in Denzlingen. Dort helfe ich den Erzieherinnen und spiele mit den Kindern. Ein Freund aus Mexiko hat mich auf das Programm aufmerksam gemacht. Er hat letztes Jahr im gleichen Kindergarten gearbeitet und mir vorgeschlagen beim Bundesfreiwilligendienst mitzumachen.
BZ: Warum wollten Sie mitmachen?
Gomez: Ich habe schon immer gerne mit Kindern gearbeitet. In Mexiko habe ich jeden Samstag zusammen mit sieben Erwachsenen auf 100 Kinder in einem kleinen Park aufgepasst. Wir haben dort außerschulische Aktivitäten organisiert, um die Entwicklung der Kinder zu fördern. Ich bin sehr am Bildungssystem in Deutschland interessiert. Und ich wollte auch schauen was die Unterschiede zwischen Mexiko und Deutschland sind.
BZ: Und was haben Sie bisher für Unterschiede feststellen können?
Gomez: Die Mentalität ist sehr unterschiedlich. Die Deutschen bevorzugen zum Beispiel eher ein ruhiges Leben und machen weniger Sachen. Aber das, was sie machen, tun sie gut. Mir gefällt zum Beispiel, dass meine Gastmutter zuhause selbst Marmelade und Honig macht. Was hier in Deutschland gesagt und getan wird, ist wichtig, sei es in Bezug auf das Privatleben oder auf die Arbeit. Ich glaube das hängt auch mit der deutschen Sprache zusammen – die ist auch sehr exakt. Im Spanischen gibt es das Wort "ahorita". Es ist die Verkleinerungsform von "ahora", was übersetzt "jetzt" heißt. "Ahorita" kann in fünf Minuten, in einer Stunde oder morgen bedeuten. In Deutschland gilt das Motto "Jetzt ist jetzt" und das trifft auch auf alles zu.
BZ: Wie sieht Ihr Alltag hier aus?
Gomez: Ich arbeite von acht Uhr bis normalerweise halb zwei. An zwei Tagen arbeite ich auch am Nachmittag bis fünf. Danach nehme ich mir eine Stunde Zeit, um Sport zu machen: Entweder gehe ich joggen oder ich gehe in eine Sporthalle und mache Zumba. Am Wochenende treffe ich mich meistens mit den anderen Freiwilligen. Am Sonntagabend ist Familienzeit. Da esse ich immer zusammen mit meiner Gastfamilie. Ich wohne in Denzlingen bei einer Familie mit drei Kindern. Mein Zimmer ist ganz oben und ich teile mir mit der Familie das Wohnzimmer.

Ariadna Gomez ist 20 Jahre alt und kommt aus Mexiko-Stadt. Sie hat in Mexiko an der Universität vier Semester Geowissenschaften studiert. Zurück in Mexiko will sie weiter studieren und dem Roten Kreuz bei der Auswahl der nächsten Freiwilligen helfen.