Doppelkonzert zum Abschluss

Hildegard Karig

Von Hildegard Karig

Di, 25. April 2017

Denzlingen

Denzlinger Kulturkreis beendet Jubiläumsreihe mit zwei Formationen von der Freiburger Musikhochschule.

DENZLINGEN. Das letzte Konzert in der Jubiläumsreihe der Konzerte des Denzlinger Kulturkreises war dem Blech gewidmet, gespielt von Studierenden der Freiburger Musikhochschule in zwei unterschiedlichen Formationen. Die zwei Programmhälften, die eine unterschiedliche Hörerschaft ansprechen würden, in einen Abend zu packen, fand nur geteilte Zustimmung. Trotzdem bestand genau in dieser Konfrontation entgegen gesetzter Stile, Spielweisen und Musikrichtungen eine Attraktivität, die für die breit gewählte Palette möglicher Konzertinhalte des nun beendeten Zyklus steht.

Mit der "Fanfare" von Paul Dukas war von den ersten Tönen an klar, dass dem Blech der Abend gehören würde. Der Trompete (Dee Boyd, Malte Kebschull), der Posaune (Elias Jakob, Sebastian Ernst) dem Horn (Dirk Adam) und damit Instrumenten, die ihre Ursprungsverwendung als Signal- und Kriegsinstrumente hatten, später dann zu festlichen, grandiosen Anlässen eingesetzt wurden. Ihr glänzend blecherner – manchmal geradezu martialischer, manchmal jubelnd – festlicher Klang versetzte die Zuhörer in die Welt, aus der die gespielte Musik stammt oder die sie wiedergeben will. Die ausgewählten Stücke waren nach der schrillen Fanfare fröhliche, feierliche Tänze, mal barock, mal romantisch gefärbt, jeder für sich eine Gefühlslage charakterisierend.

Durch die unterhaltsame wie informative Moderation durch Sebastian Ernst waren die Zuhörer mitgenommen in die farbigen Möglichkeiten der Blechbläser. Die fünf Tänze aus der Suite für Blechbläserquintett von Edvard Grieg seien beispielhaft genannt für die vielfältigen Klangfärbungen und Stimmungen. Das "Lullaby" war von der Trompete (Dee Boyd) auf dem harmonischen Grund der anderen Bläser war so schön gespielt, dass man gar nicht ans Einschlafen denken mochte, wie in der Moderation angesprochen. Der Ensembleklang war ausgezeichnet intoniert und konzentriert aufeinander bezogen, die authentische Spielfreude übertrug sich mit den ersten Tönen auf die Zuhörer, die Spieltechnik ausgefeilt und beneidenswert differenzierend. Mit einer swingenden Zugabe war in den zweiten Teil übergeleitet.

Die Jazzcombo der Freiburger Musikhochschule hatte sich entschieden, nicht unplugged zu spielen. Denn wenn in einer Gruppe ein Instrument elektronisch verstärkt wird, sollten die anderen Instrumente mitziehen. In einer Formation mit Trompete, Posaune, Saxophon, Keyboard und Stimme, E-Bass und Schlagzeug müssen Keyboard und E-Bass mit Verstärker spielen, um neben den Blechbläsern gehört zu werden – folgerichtig die gesamte Jazzcombo, die Mischpult und Technik mitgebracht hatte, um die im Bürgerhaus gegebene Anlage zu umgehen. Damit war eine ausgezeichnete Aussteuerung gegeben, die dem Jazzklang aus Trompete (Malte Kebschull), Posaune (Elias Jakob) und Saxophon (Johannes Köstler), Schlagzeug (Niko Volmer), E-Bass (Tilman Fehse),Keyboard und Stimme(Laura Bollack) aufmerksam justierend gerecht wurde.

Es wurde laut, die Trompete schrill, das Saxophon grell, das Keyboard setzte sich durch, das Schlagzeug geräuschvoll, die Stimme kräftig, aber keine Passage gestört durch Wummern des Basses oder misstönende Verstärkung. Der Combosound blieb gut dosiert, die Soli waren ausdrucksstark und im Dialog miteinander, die Melodik vor allem des Gesangs expressiv. Wer sich auf diese Musik einlassen konnte, dem erschlossen sich die komplexen Arrangements, die verfremdete Harmonik, der Grund gebende Beat. Passagenweise hätte man die Combo gerne in anderem Umfeld gehört, um den groovenden Rhythmus in Bewegung umsetzen zu können.

Eine phantasievolle Präsentation, wozu die Elektronik einzusetzen ist, bot Johannes Köstler mit der Posaune und der Loop-Station. Er nahm mehrere Spuren von kurzen musikalischen oder rhythmischen Linien auf, die sich wiederholend nebeneinander abspielen ließen. Dazu improvisierte er mit der Posaune, schuf also seine Combo dank der Loop-Station selbst. Eine professionell gekonnte Show, die einen Blick zuließ, welche Dimensionen durch die Technik in der Musikwiedergabe betreten werden können.

"Hör niemals auf, die Musik zu spielen" – dieses Zitat aus einem Song nutzte Laura Bollack in ihrer erklärenden Moderation. Es konnte für das gesamte Konzert, die Leidenschaft der Ausführenden und den Beifall der Zuhörer stehen.