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15. September 2011

Ein Lehrpfad per Strichcode

Denzlingens Rat stimmt für innovative Smartphone-Nutzung beim Geschichts- und Naturpfad.

  1. Nicht mehr nur Text auf Infotafeln, sondern Fakten zu historischen Gebäuden, der Geschichte und der geologischen Lage Denzlingens gleich aufs Handy, soll es demnächst ddank interaktiver Infopunkten in der Storchentrumgemeinde geben Foto: Markus Zimmermann

DENZLINGEN. Spaziergänger und andere Besucher, die vor Tafeln in der Storchenturmgemeinde ihr Smartphone zücken und voll Interesse einen Film betrachten, sollen in Bälde zum Ortsbild gehören. Von der Idee einer kulturhistorischen und landschaftskundlichen Ausschilderung des Ortes mit interaktivem Charakter waren die Gemeinderäte am Dienstag jedenfalls durchwegs begeistert. Weniger dagegen von den Kosten, die mit rund 30 000 Euro veranschlagt werden.

Die Idee, Menschen an besonderen Stellen genauer darüber zu informieren, wo sie stehen und was sie sehen, ist keineswegs neu. Schon in den 70er Jahren hatte der Schwarzwaldverein einen Naturlehrpfad am Mauracher Berg angelegt und mit Infotafeln versehen. Für Gregor Falk, Professor an der Pädagogischen Hochschule, eine Anregung und Herausforderung, diesen Pfad als Studentenarbeit auf den aktuellen Stand des Wissens und didaktischer Erkenntnisse bringen zu lassen (Das Ergebnis stellte die BZ in ihrer Ausgabe vom 25. Juni vor. Siehe http://www.badische-zeitung.de

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Deutlich erweitert werden soll nun dieses Konzept eines Kultur- und Heimatpfades auf dem Mauracher Berg. Die Idee ist eine einheitliche Ausschilderung von bedeutenden Plätzen und historischen Gebäuden auf der gesamten Gemarkung. Ausgearbeitet wurde in Zusammenarbeit mit dem Heimat- und Geschichts- sowie dem Schwarzwaldverein ein flexibel ergänzbares Konzept mit 21 Tafeln unterschiedlicher Größe.

Mit dem Code vom Handy zu Infos auf einer Homepage

Auf diesen sollen Interessierte in der gebotenen Kürze Informationen finden und zugleich Anregungen, sich spielerisch mit Fragestellungen zu befassen. Das eigentlich Innovative ist jedoch ein Strichcode auf diesen Tafeln, der mit einem Smartphone entziffert werden kann. Liest der Handynutzer den Code aus, führt dieser direkt zu einer Homepage, auf der zusätzliche, vertiefende Informationen und auch Antworten auf Fragen zu finden sind.

Neben einer Fülle an Erklärungen, die auf den Tafeln nie Platz finden würden, bietet das Verfahren weitere Chancen. So kann durch die Einbindung von bewegten Bildern und Ton die Information deutlich attraktiver dargeboten werden. Außerdem besteht die Möglichkeit, für ausländische Besucher die Informationen in deren Muttersprache anzubieten. Letztlich sind die Infos immer aktuell, können beliebig ergänzt und aktualisiert werden, ohne dafür neue Tafeln anfertigen und aufstellen zu müssen. So könnten die Erkenntnisse der Grabungen auf St. Severin direkt in die Homepage eingepflegt werden. Für Patrick Dir vom Medienhaus Denzlingen ist es zudem keine Frage, dass die Verbreitung der Smartphones nicht aufzuhalten sei.

Ergänzt werden soll die Ausschilderung durch Faltblätter in unterschiedlichen Sprachen mit diesen Hinweisen. Darüber hinaus soll für Schüler aller Altersgruppen ein differenziertes Lehrmaterial ausgearbeitet werden, so Professor Falk. So könne der Informationspfad in den Unterricht mit eingebunden werden. Ein Ersatz für konkrete Erfahrungen mit und in der Natur könnte die interaktive Möglichkeit jedoch nicht sein, erklärte der PH-Lehrer zu Bedenken aus dem Gemeinderat am Dienstagabend.

Die Gemeinderäte zeigten sich einhellig von der Idee begeistert. Dem Verwaltungsvorschlag, für die Haushaltsjahre 2012 und 2013 jeweils 10 000 Euro zur Verfügung zu stellen, folgten sie jedoch nicht, und begründeten dies insbesondere mit dem Hinweis, dass damit den Haushaltsberatungen vorgegriffen werde.

Hollemann hofft auf EU-Mittel

Auch sei die Hoffnung von Bürgermeister Hollemann zu unsicher, rund ein Drittel der Kosten könnte durch Sponsoren, die einzelne Infotafeln kauften, aufzubringen. "Welche bare Münze fließt", wollte Renate Baumgartner konkretere Auskünfte. Ihr entgegnete Hollemann, das Pferd könne schlecht von hinten aufgezäumt werden. Sponsoren würden sich erst aufgrund konkret ausgearbeiteter Tafeln gewinnen lassen. Mit der Anregung, mit der Zustimmung auf konkrete Summen zu verzichten, könne er leben. Sicher ist er aber, dass das Projekt nicht auf die lange Bank geschoben werden darf. "Für die Europäische Union, die eine Förderung in Aussicht gestellt hat, sei es jetzt spannend, weil hochgradig innovativ.

Autor: Markus Zimmermann