Freundeskreis Asyl zieht Bilanz

Markus Zimmermann

Von Markus Zimmermann

Sa, 24. Juni 2017

Denzlingen

Denzlinger Verein sucht Ehrenamtliche, die Flüchtlinge als Paten begleiten / Viel Zeit wird für Formulare benötigt.

DENZLINGEN. Es ist nicht der Vorstand, es ist nicht der Verein, der beim vor rund einem Jahr gegründeten Freundeskreis Asyl die eigentliche Arbeit macht. "Wir sehen uns eher als unterstützende Begleitung von engagierten Bürgern, die sich dafür einsetzen, dass Geflüchtete sich in Denzlingen beheimaten können", so Bernhold Baumgartner für den Vorstand anlässlich der Mitgliederversammlung am Mittwoch. Letztlich gehe es dabei auch nicht um Mitglied oder Nichtmitglied.

56 Mitglieder hat der Freundeskreis Verein, doch der Helferkreis sei wesentlich größer. "Es sind deutlich mehr als 100 Personen, die sich auf die eine oder andere Weise für die Asylsuchenden engagieren", so Baumgartner. Dass die einen dies konstant tun, andere mal mehr oder weniger unterstützend in Erscheinung treten, spiele keine Rolle, denn alles, was zum Wohl der in einer fremden Welt Ankommenden geschieht, sei zu begrüßen.

Exemplarisch wurde die Arbeit des Begegnungscafés vorgestellt, in dem sich jeden Montag in den Räumen des Jugendtreffs Geflüchtete und Denzlinger treffen. Für viele der Flüchtlinge, die in der benachbarten Leichtbauhalle untergebracht waren, sei das Café eine Anlaufstelle auf kurzem Weg gewesen. Jetzt soll das Angebot sich mehr an den Bedürfnissen von Familien orientieren.

"Uns beschäftigt stark die Einzelbetreuung, die Beratung bei sehr individuellen Themen", berichtete Christiane Huck-Sofer von der Arbeit in den Unterkünften. Mittlerweile gebe es weniger Patenschaften, was jedoch auch daran liege, dass die Begleiteten selbstständiger geworden sind. Bedauernd stellte sie fest, dass die Zeit und Kapazität für Unternehmungen und lockere Kontakte zu kurz komme. Auch deshalb, weil die Flüchtlinge Hilfe benötigen beim Bewältigen von Bergen an Formularen, die Aktenordner füllen und bei denen es auch den Helfern schwerfalle, alles zu verstehen. Ebenfalls sehr gut angenommen wurde das Nähstüble, zumal es als Angebot für Frauen diesen einen Raum biete, sich in einem geschützten Rahmen zu begegnen und auszutauschen. Umziehen werde das Nähstüble in das ehemalige Radlerheim an der Hindenburgstraße. "Der Raum bietet dann auch Möglichkeiten, für andere Gruppen, sich zu treffen", so Baumgartner. Eventuell lässt sich dort auch der Konversationskurs einrichten, den Roswitha Panknin schon länger plant. Es sei wichtig, dass die sprachlichen Grundkenntnisse sich in lockerer Atmosphäre festigen und weiterentwickeln können.

Gesucht werden noch Helfer für Schwimmkurse, die demnächst im Bad sowohl für Familien als auch Flüchtlinge, die allein gekommen sind, angeboten werden sollen, gab Hans-Christian Voss bekannt. Sehr wichtig seien weiterhin auch "Paten", die Einzelne oder Familien betreuen.

Alexander Gromann-Bross betonte zugleich, dass viele Kontakte, die als Patenschaften begannen, sich mittlerweile zu Freundschaften entwickelt haben. "Es gibt zahlreiche Beispiele für eine gelungene Willkommenskultur", so Gromann-Bross. Insbesondere auch die Wohnungs- und Arbeitsvermittlung sei durch den persönlichen Einsatz von Helfern erfolgreich gewesen. Statistische Zahlen dazu könne der Vorstand jedoch, auch wegen des damit verbundenen Aufwands, nicht vorlegen. Die gelungene Vermittlung in Arbeit sorge jedoch auch dafür, dass die Flüchtlinge nicht mehr so frei in ihrer Zeitplanung sind wie bisher. "Wenn wir Aktionen machen, müssen wir das zunehmend berücksichtigen", sagt Baumgartner.