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15. September 2014

Herausgeputzte Goldperlen

In Denzlingen machten sich 48 Traktoren auf den Weg zum Festplatz am Heimethues.

  1. Insgesamt 48 Traktoren nahmen am Samstag am Bulldog-Korso in Denzlingen teil. Foto: Helena Kiefer

DENZLINGEN. Laut ging’s zu, als am Samstagnachmittag 48 Traktoren vom Recyclinghof zum Bulldog-Korso quer durch die Gemeinde aufbrachen: vom Unterdorf über das Schwimmbad und das Heidach zum Festplatz am Heimethues. Dort trafen sich die Fahrer, Mitfahrer und Gäste im "Fahrerlager".

Schon zum fünften Mal führte zum Auftakt des Hocks vom Heimat- und Geschichtsverein ein Bulldog-Korso durch die Straßen. So wurde Erinnerungen wach, als im einst ländlichen Dorf noch zahlreiche Wiesen und Äcker bewirtschaftet wurden.

Rote, blaue und grüne Traktoren stehen bereit, manche liebevoll dekoriert, manche frisch lackiert und geputzt. "Tuck, tuck, tuck", rattert das Gefährt von Hermann Buggle vom Heimatverein, ein großes Schild auf dem Anhänger. Er hat den Routenplan vor sich und setzt den roten Bulldog des Vereins in Bewegung. Hinter ihm drückt Roland Zimmermann, Zweiter Vorsitzender des Heimat-und Geschichtsvereins, auf den Anlasser und zieht die Handschuhe an. Im Nullkommanichts erhöht sich der Geräuschpegel gewaltig, die Kolonne setzt sich in Bewegung.

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Zimmermann erzählt, er sei schon im vorletzten Jahr bei der Parade mitgefahren. "Es braucht Anlässe, um die Goldperlen auszuführen", sagt er schmunzelnd über die Traktoren. Über seinen eigenen sagt er: "Das ist ein Gebrauchsteil." Durch seine Mutter habe er noch eine Streuobstwiese, auf der das Gefährt zum Einsatz kommt. Auch zum Grünschnitt oder zum Holzmachen sei der Traktor treues Gefährt. Wenn dann mal der Lack ab ist, kommt neue Farbe drüber. Der Traktor vom Hersteller "Eichler" hat fünf Jahre weniger auf dem Buckel, Baujahr 1958. "Von dem her passen wir ganz gut zusammen", witzelt Zimmermann in Anspielung auf sein Alter. Seine Kupplung ist nicht synchronisiert. Es knirscht im Getriebe, wenn es vom Unterdorf nach der Bahnunterführung scharf links auf der Bahnhofstraße "steil" nach oben geht.

Eher einem Glaskasten entwichen, mutet der knallrote Traktor von Christfried Schmidt an. Er hat bis zu einem dreiviertel Jahr an seinem Traktor gearbeitet, um ihn für die Parade herzurichten. "Da war alles Schrott, verrostet". Der Traktor stand zehn Jahre in einer Hecke, wo ihn ein Bauer abgestellt hatte. "Da sind Himbeeren durchgewachsen, das tat mir in der Seele weh. Ich habe Batterien mitgebracht, auf den Knopf gedrückt und er ist gelaufen. Da habe ich mir gesagt: das ist mein Traktor." Schmidt ist von Beruf Maler- und Dekorateurmeister.

Autor: Helena Kiefer